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Die KI sortiert das Regal: Wie Rossmann Künstliche Intelligenz einsetzt

14.01.2020 - Die Drogeriemarktkette Rossmann setzt bei der Bestückung ihres Sortiments und ihrer Regalflächen auch auf Prognosen der Trendengine Pythia. Geschäftsführer Raoul Roßmann berichtet, warum der Konzern in das Start-up investiert und welches Potenzial Künstliche Intelligenz für Marketing und Produktentwicklung hat.

von Frauke Schobelt

Wenn die Drogeriemarktkette Rossmann   entscheidet, mit welchen Produkten sie ihre Regalflächen bestückt, dann hilft dabei auch Künstliche Intelligenz (KI). Der Konzern nutzt dafür die Trendengine Pythia des Frankfurter Start-ups Swarm Marketing Research AI   . Rossmann ist an dem jungen Unternehmen zu 25 Prozent beteiligt.

Das Tool wertet mithilfe von KI Suchanfragen von Konsumenten über Google, Amazon und anderen Quellen aus und prognostiziert das zukünftige Suchvolumen. Auf Grundlage von Suchfrequenzen der vergangenen fünf Jahre erstellt die Engine dann Trendprognosen für die kommenden 18 Monate und visualisiert sie grafisch. So lasse sich voraussagen, welche Produkte künftig gefragt sein werden. "Ich sehe in der Nutzung neuronaler Netze für die Prognostizierung von Trends sehr großes Potenzial", erklärt Raoul Roßmann, Geschäftsführer der Drogeriemarktkette das Investment. "Hier sprechen Daten eine klare, mathematische Sprache." Durch die fortschreitende Ausdifferenzierung von Kundenwünschen und Angebot würden auch die Herausforderungen an Einkauf und Marketing wachsen. "KI-gestützte Tools wie Pythia helfen uns, Relevantes von Irrelevantem zu trennen."

Raoul Roßmann (Bild: Rossmann)
Raoul Roßmann

Erfolg mit KI-gelistetem CBD-Öl

Der Drogeriemarkt nutzt das Tool Pythia für das gesamte Sortiment und den Onlineshop. "Dabei verantwortete die Software bis jetzt schon eine Handvoll an Listungen", sagt Roßmann. Darunter auch Cannabidiol-Öl (CBD), ein Umsatzbringer. "Dieses Hanfprodukt hatte die KI bereits Anfang 2018 als einen der maßgeblichsten Trends für dieses Jahr identifiziert und es läuft erwartungsgemäß sehr gut." Rossmann bewege sich mit seinem Produktportfolio auf "einem sehr schnelllebigen und trendgetriebenen Parkett", so Roßmann. "Je mehr wir verstehen, was unsere Kunden morgen suchen, desto besser können wir unsere Sortimentspolitik gestalten. Marktforschung mittels Künstlicher Intelligenz, die voraussagen kann, welche Farben, Muster oder Inhaltsstoffe in einem halben Jahr oder noch später gefragt sein werden; darin sehe ich unsere Zukunft."

Die Technologie sei für verschiedene Branchen der Konsumgüterindustrie und damit auch für Lieferanten und Partner von Rossmann interessant. Denn auch kleinere Hersteller profitierten davon, dass sie Trends schneller aufspüren. Und davon wiederum profitiert als Händler Rossmann.

"Unsere schönsten Erfolge erzielen wir regelmäßig in der Produktfindung: Wir wissen, was der Endkunde sucht und wünscht", sagt Peter Hart, der Swarm Marketing Research AI im Januar 2019 gemeinsam mit Raphael Kneer gegründet hat. Dabei baut der 29-Jährige auf seine eigenen Erfahrungen als Markengründer. Seine erste Marke Dr. Severin   , benannt nach seinem Mathematiklehrer, stellte er 2015 in der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen" vor. Sein Produkt, ein Women After Shave Balm für den Intimbereich, verkaufte sich auf Amazon blendend. Inzwischen gibt es von Dr. Severin mehr als 40 Produkte, wie wärmende Handcreme, Zahnaufhellung mit Kokosnusspulver oder ein Vitamin C Hyaluron-Serum, heute Topseller im Segment. Der Umsatz lag laut Gründerszene 2018 bei 2,6 Millionen Euro.

Das junge Unternehmen orientiert sich bei der Produktentwicklung an der Nachfrage im Online-Markt, vor allem in Bezug auf Inhalts- und Wirkstoffe. Um automatisch zu strukturieren, wonach Konsumenten suchen, entwickelte das Team die Trendengine Pythia. Das Tool nutzt das Start-up mittlerweile auch für andere Produktkategorien: Unter der Dachgruppe Hart Limes GmbH vertreibt Peter Hart bereits fünf Produktmarken, darunter Waschmittel, Nahrungsergänzungsmittel und spezielle Sportsocken gegen Schweißfüße.

Dieses Konzept überzeugte auch Raoul Roßmann: "Mit Peter Hart nahm ich Kontakt auf, nachdem mir meine Mutter einen Artikel über ihn und seine erfolgreichen Produkte und Marken zeigte, die in verschiedenen Bereichen rechtzeitig auf starken Trends aufsetzten", berichtet er. "Ich fragte mich gleich wie man als junger Mann branchenübergreifend so gut den Markt antizipieren kann und wollte ihn kennenlernen." Zum Start der Zusammenarbeit stellte Roßmann die Trendengine auch seinen Zulieferern vor.

Globale Expansion geplant

2020 wollen die jungen Start-up-Gründer expandieren und mit ihrer KI auch global Unternehmen beraten. Zu den ersten Kunden zählen neben Rossmann weitere Händler sowie Kosmetikhersteller wie Schaebens   , ein Hemdenfabrikant, Finanzunternehmen, Agenturen und Verlage, die Pythia für die Content- und Themenfindung einsetzen. "Da wir ziemlich genau überblicken können, welche Sprache Konsumenten sprechen und mit welchen Begriffen sie ihre Wünsche umschreiben, unterstützten wir auch Marketing- und SEO-Teams mit unseren Analysen und Prognosen", so Hartmann. Pythia ermögliche zahlengetriebene Vergleichbarkeit und Objektivität. Über eine eigene Schnittstelle lasse sich die Trendengine leicht in die Systeme integrieren.

"Die Erfolgsquote unserer künstlichen Intelligenz liegt klar in der Systematik begründet: Wir haben Zigmilliarden Datenpunkte aus der Vergangenheit, mit denen die neuronalen Netze sekündlich dazulernen", sagt Peter Hart. Auch an Wahlforschung tastet sich das Start-up mittlerweile heran: Im Dezember habe Pythia zehn Tage vor der Wahl des SPD-Bundesvorsitzenden das Ergebnis "entgegen aller Umfragen und Erwartungen öffentlichkeitswirksam und korrekt vorausgesagt".

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