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Onlinehändler befürchten Umsatzrückgang durch PSD2

 (Bild: Pixabay / Talha Khalil)

22.07.2019 - Die Deadline für die Implementierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung (SCA) rückt näher. Viele Onlinehändler befürchten dadurch einen Anstieg der Kaufabbrüche sowie höhere Kosten für Service und Umstellung.

von Frauke Schobelt

Nur noch bis zum 14. September haben Onlinehändler Zeit, ihren Onlineshop an an die neue Payment-Services-Directive 2 (PSD2) anzupassen. Danach ist eine starke Kundenauthentifizierung (Strong Customer Authentification/SCA) Pflicht. Doch laut der aktuellen EHI -Studie 'Online-Payment 2019' haben viele Onlinehändler die SCA in ihrem Shop in Form einer Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) noch nicht implementiert. "Der Informationsstand vieler Händler ist zum Teil noch unzureichend. Außerdem scheinen viele Händler vor der Implementierung zurückzuschrecken, da sie Einbußen hinsichtlich der Nutzerfreundlichkeit beim Bezahlen in ihrem Shop befürchten", erklärt EHI-Geschäftsführer Michael Gerling die schleppende Umsetzung. Für die Studie wurden 111 Pureplayer und Omnichannel-Händler unterschiedlicher Branchen und Umsatzgrößen befragt.

Die neuen EU-Vorgaben der Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 sind im Januar 2018 in nationales Recht umgesetzt geworden - mit einer Übergangsfrist für Payment-Vorgaben. Diese Frist läuft jetzt ab. Doch laut dem EHI Retail Institute besteht hinsichtlich der Aufklärung offenbar weiter Nachholbedarf. So fühlen sich vier von fünf Händlern nicht ausreichend informiert oder sind noch dabei sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Gut zwei Drittel der befragten Händler haben die technischen Voraussetzungen für die Umsetzung im Onlineshop aber bereits geschaffen.

Kaufabbrüche und höhere Kosten befürchtet

61 Prozent der befragten Händler sind der Ansicht, dass die Implementierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung die Komplexität des Online-Payments erhöhe. Dies diene zwar der Sicherheit, gehe aber zu Lasten der Nutzerfreundlichkeit, moniert Christoph Wenk-Fischer , Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel . "Wir hoffen aber, dass die Kunden das Mehr an Sicherheit honorieren und das Vertrauen in die Händler wächst." Viele Händler befürchten dennoch negative Auswirkungen: 82 Prozent erwarten mehr Kaufabbrüche, 68 Prozent ein erhöhtes Serviceaufkommen, weil sie wegen des komplexeren Zahlungsprozesses mit mehr Rückfragen der Kunden rechnen. 39 Prozent der befragten Händler erwarten zudem hohe Kosten bei der Umstellung des Bezahlprozesses.

Diese Befürchtungen bestätigt auch eine aktuelle Studie von GoCardless und YouGov , für die auch mehr als 1000 Verbraucher in Deutschland befragt wurden. Demnach sind 32 Prozent der Befragten der Meinung, dass Schnelligkeit und Einfachheit des Bezahlprozesses die wichtigsten Faktoren sind, wenn sie online einkaufen. Fast die Hälfte (48 Prozent) der Verbraucher gibt an, bereits mindestens einmal eine Online-Bestellung wegen zu komplexer oder langwieriger Sicherheitsprozesse abgebrochen zu haben. Über ein Drittel (36 Prozent) geben zu, dass sie einen Kauf abbrechen und sich anderweitig umsehen würden, wenn ein Online-Shop ein sicheres, aber langwieriges und unbequemes Kauferlebnis bietet.

Etliche Händler, die bereits das 3D-Secure-Verfahren für Kreditkartenzahlungen anbieten, bestätigen negative Auswirkungen. 40 Prozent davon stellten einen Anstieg der Kaufabbrüche nach Auswahl der Zahlungsart Kreditkarte fest, nachdem sie das Verfahren in ihrem Shop implementiert hatten.

Händler setzen auf Ausnahmen zur SCA

Um die zu erwartenden negativen Konsequenzen zu umgehen, hat sich fast die Hälfte der befragten E-Commerce-Händler dafür entschieden, von den Ausnahmen zur SCA Gebrauch zu machen. Gut ein Drittel hat sich klar für die Anpassung ihres Onlineshops an die neuen Regelungen entschieden. Die übrigen Händler (16 Prozent) haben sich zu dem Thema noch keine Gedanken gemacht.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht listet die SCA-Ausnahmen wie folgt auf, geregelt in Artikel 10 bis 20 der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389 zur Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie:
  • Kontaktlose Zahlungen
  • Unbeaufsichtigte Terminals für Verkehrsnutzungsentgelte und Parkgebühren
  • Vom Zahler als vertrauenswürdig eingestufte Empfänger
  • Wiederkehrende Zahlungsvorgänge (z.B. Abos)
  • Zahlungen an die eigene Person (beim selben Zahlungsdienstleister)
  • Kleinbetragszahlungen
  • Zahlungsmethoden mit hohem Sicherheitsniveau, zu denen nur Unternehmen zugelassen sind
  • Transaktionsrisikoanalyse (jede eingehende Zahlung wird automatisch daraufhin untersucht, ob das Betrugsrisiko gering ist)
  • Abrufen von Kontostand und Umsätzen

Die vollständige Studie "Online-Payment 2019" ist im EHI-Shop erhältlich. EHI-Mitglieder erhalten sie kostenlos. Weitere Informationen zur starken Kundenauthentifizierung bietet der bevh hier und auf seiner Website .

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