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Ausgaben für Innovationen: KMU treten weiter auf die Bremse

02.02.2022 - Im ersten Jahr der Pandemie sind die Innovationsausgaben der deutschen Unternehmen erstmals seit mehr als zehn Jahren zurückgegangen, aber einer Studie zufolge deutet sich eine Trendwende an. Allerdings nicht bei kleinen und mittleren Unternehmen.

von Frauke Schobelt

Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Jahr der Corona-Krise ihre Innovationsausgaben um 3,6 Prozent auf 170,5 Milliarden Euro reduziert. Zwölf Prozent der Unternehmen haben aufgrund der Pandemie gänzlich auf die Durchführung von Innovationsaktivitäten verzichtet. Gleichzeitig haben elf Prozent der Unternehmen in zusätzliche Produktinnovationen investiert, zwölf Prozent haben diese vorangetrieben. Das sind Ergebnisse der 'Innovationserhebung 2021', für die das ZEW Mannheim   im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)   im Jahr 2021 die Unternehmen in Deutschland befragt hat.

Die Studie, die gemeinsam mit dem Institut für angewandte Sozialwissenschaften (infas)   und dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)   durchgeführt wird, erfasst rund 331.000 Unternehmen mit 18 Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von mehr als 5,2 Billionen Euro.



Treiber für Digitalisierung

Der Anteil der Innovationsausgaben am Umsatz, die sogenannte Innovationsintensität, blieb demnach 2020 mit 3,3 Prozent auf dem Vorjahresniveau. Die Innovationsausgaben wurden also im selben Ausmaß verringert, wie die Umsätze zurückgingen. Allerdings hat die Pandemie-Situation in vielen Unternehmen auch zusätzliche Innovationsaktivitäten angestoßen. Wesentlicher Treiber dieser Innovationen war der Digitalisierungsschub. Fast ein Drittel der Unternehmen hat digitale Produkt- und Dienstleistungsangebote ausgeweitet, jedes zweite Unternehmen hat interne Abläufe stärker digitalisiert.

Diese positiven Impulse bewirkten, dass die Innovatorenquote - der Anteil der Unternehmen mit Produkt- oder Prozessinnovationen - im ersten Pandemiejahr leicht von 55 auf 56 Prozent anstieg. Auch die direkten wirtschaftlichen Erträge aus Innovationen wie etwa Umsatz mit neuen Produkten oder Kostensenkung durch Prozessinnovationen konnten im Jahr 2020 auf dem Vorjahresniveau gehalten werden.

Gleichzeitig wuchs auch die Zahl der Unternehmen, die sich kontinuierlich mit Forschung und der Entwicklung neuer Produkte und Prozesse befassen, im Jahr 2020- um sieben Prozent auf fast 39.000 Unternehmen des Berichtskreises der Innovationserhebung. Der Anteil der Unternehmen mit kontinuierlichen Innovationsaktivitäten entspricht damit rund 12 Prozent.

Prognose: 2021 und 2022 steigen Innovationsausgaben wieder

"Der Innovationsstandort Deutschland wurde durch Corona in vielen Bereichen ausgebremst. Viele Unternehmen konnten ihre Innovationsvorhaben nicht in geplantem Umfang umsetzen, sie wurden verschoben oder zeitlich gestreckt", erklärt Professor Achim Wambach , Präsident des ZEW Mannheim. Gespart wurde vor allem bei Investitionen für neue oder verbesserte Maschinen und Anlagen, hier wurden die Ausgaben um zehn Prozent gekürzt - vor allem in Großunternehmen. "Die Planzahlen für 2021 und 2022 zeigen jedoch, dass der Rückgang bald wettgemacht werden dürfte. Für das Jahr 2021 ist mit einem Anstieg der Innovationsausgaben um 2,1 Prozent auf 174,1 Mrd. Euro zu rechnen. Im laufenden Jahr 2022 könnten die Ausgaben um weitere 1,2 Prozent auf 176,1 Mrd. Euro ansteigen", erklärt Wambach.

Kleine und mittlere Unternehmen haben im ersten Pandemiejahr ihre Innovationsausgaben in Summe stabil gehalten. Allerdings planen sie - im Gegensatz zu Großunternehmen - mit sinkenden Innovationsbudgets für 2021 und 2022. Für das zweite Pandemiejahr 2021 wird ein Rückgang von sechs Prozent prognostiziert, für das Jahr 2022 ein Minus von acht Prozent. "Im Mittelstand und kleinen Unternehmen wird im dritten Pandemiejahr das Geld für weitere Innovationsanstrengungen knapp. Es steht zu befürchten, dass die wirtschaftlichen Konsequenzen der Pandemie das innovative Rückgrat der deutschen Wirtschaft länger einschränken", sagt Wambach.

Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger sieht eine Trendwende bei den Innovationsausgaben, aber auch die Politik stärker in der Pflicht. Um das Wissen aus der Forschung mehr in Unternehmen zu bringen und damit kleine und mittlere Firmen besser zu fördern, "werden wir der Agentur für Sprunginnovationen mehr Freiheit geben, die Deutsche Agentur für Transfer und Innovation (DATI) gründen und Ausgründungen vorantreiben", kündigt sie an.

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