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Wie Technologie und ein "Neuer digitaler Kern" durch die Krise helfen

11.05.2021 - Technologieführer beschleunigen ihre Transformationspläne und verzeichnen heute einen fünfmal schneller wachsenden Umsatz als die Nachzügler. Gerade in der Coronakrise räumen zahlreiche Unternehmen technologischen Innovationen einen höheren Stellenwert ein. Eine Accenture-Studie identifiziert fünf Schlüsseltrends für die nächsten drei Jahre:

von Frauke Schobelt

Technologie beeinflusst die Wirtschaft auf allen Ebenen und befähigt Führungskräfte, den Wandel und die Zukunft ihrer Branche aktiv mitzugestalten. Die Rolle von Technologie für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beleuchtet die Studie 'Technology Vision 2021'   des Beratungsunternehmens Accenture   , für die weltweit über 6.200 Führungskräfte aus der Wirtschafts- und Technologiebranche befragt wurden, davon knapp 360 in Deutschland.

Laut der Analyse mit dem Titel 'Vorreiter gesucht: Wie die Meister des Wandels den Moment für sich nutzen' haben führende Unternehmen begonnen, ihre Jahrzehnte umspannenden Transformationspläne zu beschleunigen und auf zwei bis drei Jahre zu verkürzen. Die Voraussetzung dafür ist der Aufbau eines 'Neuen Digitalen Kerns'. Mit diesem gelingt es Unternehmen, sich nicht nur in Rekordgeschwindigkeit an neue Entwicklungen anzupassen und Innovationen hervorzubringen, er rüstet sie auch für Herausforderungen wie die COVID-19-Pandemie. Technologieführer verzeichnen heute deshalb einen fünfmal schneller wachsenden Umsatz als die Nachzügler. Zwischen 2015 und 2018 war ihr Wachstum nur doppelt so schnell.

"Die Pandemie hat die ganze Welt vor nie dagewesene Herausforderungen gestellt. Viele Unternehmen und Organisationen haben in dieser Zeit neue Technologien für sich entdeckt und gelernt, diese zu ihrem Vorteil einzusetzen - und das in einem Tempo, das sie sich nicht hätten vorstellen können. Andere hingegen sahen sich mit der harten Realität konfrontiert, dass ihnen die digitale Grundlage fehlt, die für eine schnelle Umstellung erforderlich wäre", fasst Paul Daugherty , Konzernvorstand für Technologie und Chief Technology Officer bei Accenture, die Studie zusammen. "Jetzt gilt es, diese Erkenntnisse und die Kraft des exponentiellen technologischen Wandels zu nutzen, um die Zukunft zu gestalten."

92 Prozent der Befragten (in Deutschland 90 Prozent) gaben an, dass Innovation in ihrem Unternehmen in diesem Jahr an erster Stelle steht. Darüber hinaus sind 91 Prozent der weltweiten Führungskräfte (89 Prozent der deutschen) der Meinung, dass ihr Unternehmen den Markt von morgen mitgestalten muss, wenn es ihn erobern will. Drei Punkte sollten beachtet werden:

  1. Führung und Technologie gehören zusammen. In einer Zeit permanenten Wandels haben diejenigen Erfolg, die den Einsatz von Technologie ins Zentrum ihrer Geschäftsstrategie stellen.
  2. Führungskräfte können nicht länger auf veränderte Begebenheiten warten. Sie müssen sie selbst schaffen, indem sie ihre Vorgehens- und Denkweise radikal ändern.
  3. Führungskräfte müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Es gilt, Technologien so zu gestalten und anzuwenden, dass diese sich positiv auf eine nachhaltigere und integrativere Welt auswirken.

Fünf Schlüsseltrends für die nächsten drei Jahre

  1. Ein Neuer Digitaler Kern für eine bessere Zukunft - Unternehmen konkurrieren zunehmend um ihre Technologiearchitekturen. Die wettbewerbsfähigste Infrastruktur aufzubauen erfordert einen neuen Blickwinkel. Denn Geschäfts- und Technologiestrategien sind untrennbar miteinander verknüpft - und sogar ununterscheidbar. 89 Prozent der Führungskräfte (in Deutschland 90) sind der Meinung, dass die Fähigkeit ihres Unternehmens, geschäftlichen Mehrwert zu generieren, zunehmend von den Grenzen und Möglichkeiten der eingesetzten Technologiearchitektur abhängt.

  2. Gespiegelte Welt - Führende Unternehmen erstellen intelligente, digitale Zwillinge, um geradezu lebendige Modelle von Fabriken, Lieferketten und Produktlebenszyklen abzubilden. Die Verschmelzung von Daten und Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten für Betrieb, Zusammenarbeit und Innovation. 65 Prozent der weltweit befragten Führungskräfte (jedoch nur 46 Prozent der deutschen) erwarten, dass die Investitionen ihres Unternehmens in intelligente, digitale Zwillinge in den nächsten drei Jahren steigen.

  3. Ich, der Technologe/Ich, die Technologin - Alle Mitarbeitenden können Innovation schaffen, ihre Arbeit optimieren und Probleme beheben. Dadurch sorgen Mitarbeitende selbst dafür, dass ihr Unternehmen mit neuen und sich ändernden Anforderungen Schritt halten kann. 88 Prozent der Führungskräfte (in Deutschland 85 Prozent) sind der Meinung, dass die Demokratisierung der Technologie entscheidend ist, um Innovationen in ihrem Unternehmen voranzutreiben.

  4. Immer und überall - Das "Bring Your Own Environment" [zu Deutsch: "Bringen Sie Ihre eigene (Arbeits-)Umgebung mit"] hat in vielen Unternehmen zu einer beispiellosen Flexibilität geführt. Mitarbeitende haben die Freiheit, nahtlos von überall aus zu arbeiten - sei es zu Hause, im Büro oder am Flughafen. Innerhalb dieses Modells können Führungskräfte den Zweck der Arbeit an jedem Standort neu überdenken und die Chance nutzen, ihr Unternehmen in dieser neuen Gegenwart zu gestalten. 81 Prozent der Entscheider (abweichend davon lediglich 69 Prozent in Deutschland) sind sich einig, dass führende Unternehmen in ihrer Branche künftig von einem "Bring Your Own Device"- zu einem "Bring Your Own Environment"-Ansatz übergehen.

  5. Vom Mir zum Wir - Die Notwendigkeit der Nachverfolgbarkeit von Kontakten, reibungslose Zahlungsvorgänge und neue Arten des Vertrauensaufbaus haben verdeutlicht, was in bestehenden Ökosystemen von Unternehmen fehlt. Durch Multi-Party-Systeme können Unternehmen größere Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit erlangen, neue Märkte erschließen und zukunftsweisende Maßstäbe für ihre Branche setzen. 90 Prozent der befragten Führungskräfte (in Deutschland 88) gaben an, dass Multi-Party-Systeme ihre Ökosysteme künftig resilienter und anpassungsfähiger machen und Partnern dabei helfen, neue Werte zu schaffen.

Best Practice: Starbucks überzeugt mit App

Wie die Priorisierung technologischer Innovationen in disruptiven Zeiten beim Überleben helfen kann, zeige das Beispiel von Starbucks   . 60 Prozent der Restaurants, die im Juli 2020 als 'vorübergehend geschlossen' gelistet waren, mussten ihren Geschäftsbetrieb bereits im September endgültig einstellen. Starbucks hingegen konnte sich dank Technologieeinsatz als Branchenführer hervortun, so die Studienautoren. Bis August verzeichnete die Starbucks-App drei Millionen neue Nutzer. 90 Prozent des Umsatzes haben sich auf mobile Bestellungen und die Abholung am Drive-in verlagert. Aufgrund der steigenden Nachfrage hat das Unternehmen ein integriertes Ticket-Management-System eingeführt. Dieses kombiniert die Bestellungen aus der App von UberEats mit denen von Drive-Thru-Kunden in einem einzigen Arbeitsablauf für die Baristas. Außerdem hat Starbucks eine neue Espresso-Maschine mit Sensoren eingeführt, um zu verfolgen, wie viel Kaffee die Mitarbeitenden ausschenken. Dadurch ließen sich notwendige Wartungsarbeiten vorhersagen.

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