Neugründung HighPotentials setzt auf "Direct-E-Marketing"

25.06.2002 - Rio Müller (28), Göran Keetz (32) und Volker Wingerath (43), allesamt zuletzt bei der mittlerweile liquidierten Rapp Collins Interactive, sind am 1. März offiziell mit ihrer Agentur HighPotentials in Hamburg gestartet.

Die Agentur mit dem selbstbewussten Namen betreut inzwischen Projekte für den CORA Verlag und das Axel-Springer-Blatt Journal für die Frau und hat Agenturen wie die Gesellschaft für Sozialmarketing und Fritsch Partners ins Netz gebracht.

Auf die Frage, ob der Sprung in die Selbstständigkeit angesichts der aktuellen Wirtschaftslage nicht etwas gewagt sei, antwortet Göran Keetz mit einem beherzten "Jein!" Zwar seien die auf enorme Größe aufgeblasenen Interactive-Agenturen gescheitert, nicht aber das Medium selbst. Trotzdem ist die Wirtschaftslage derzeit nicht dazu angetan, Newcomer zu stützen. Die Devise laute deshalb: "Man muss dieses Jahr überleben." Volker Wingerath fügt sofort hinzu: "Wir werden das mit Sicherheit schaffen." Schließlich sei man mit acht festen Mitarbeitern ein kleines und flexibles Team und verfüge über Dialogmarketing-Background - eine Erfolgskombination, glauben die drei Inhaber.

Sie setzen fest darauf, dass sich die Dialogmarketinglandschaft ändern wird - "eine Trennung zwischen Online und Offline wird es nicht mehr geben, die klassischen Disziplinen lösen sich auf", ist Keetz überzeugt. Deshalb will HighPotentials nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Agenturen arbeiten. Zwei Prämissen sollen dabei zum Erfolg führen. Erstens: Viele DM-Agenturen haben mit ihrer Interactive-Unit kostspieligen Schiffbruch erlitten. Und zweitens: Online-Kommunikation ist mittlerweile fester Bestandteil des Dialogmarketings, weswegen die Agenturen Interactive-Dienstleistungen einfach anbieten müssen. Hier sieht HighPotentials eine Marktlücke: "Wir sind der Meinung, die Agenturen brauchen das!"

Anders als der Agenturname ahnen lässt, treten die Hamburger gern auch mal in den Hintergrund und arbeiten als "Sub-Unternehmer" für andere Agenturen. So geschehen bei einem Auftrag von Publicis Dialog in Hamburg, die HighPotentials in Sachen Internetkommunikation für deren Kunden Renault unterstützte. Als unabhängiger Anbieter unterliegt die Neugründung keinerlei Wettbewerbsausschluss, kann also für viele Agenturen gleichzeitig arbeiten. "Wir sind für die Agenturen keine Konkurrenz, sondern bieten eine Erweiterung ihres Leistungsportfolios", so Wingerath.

Müller, Keetz und Wingerath bündeln ihr Leistungsportfolio unter dem Begriff "Direct-E-Marketing". Laut Agenturbroschüre handelt es sich dabei um "die integrierte One-to-one-Kommunikation via Internet, E-Mailing, SMS, Print und Promotion". Wingerath erläutert: "Wir machen schwerpunktmäßig E-Direct-Marketing, aber verlieren dabei die anderen Kanäle nicht aus dem Blick. Unsere Positionierung ist nicht der Fullservice, sondern die medienübergreifende One-to-one-Kommunikation."

Über ein Netzwerk von Kooperationspartnern, zu dem bislang die Projekt Agentur, Fritsch Partners, Herbert Hecht Werbeagentur und die Gesellschaft für Sozialmarketing zählen, bietet die Agentur auch Dienstleistungen außerhalb ihrer Kernkompetenz. Zumindest mit einem der Partner haben die Neugründer täglich Tuchfühlung - sie teilen sich die Räume mit den klassischen Werbern von Hecht.

Nach und nach wollen die Hamburger qualifizierte Köpfe ins Team holen. Um im Grün- dungsjahr aber nicht in die Kosten- falle zu tappen, grei- fen sie zunächst noch auf freie Mitarbeiter zurück. Ende 2004, so das erklärte Ziel, wollen sie 30 Mitarbeiter fest beschäftigen.

Aber vor den Lohn haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt, drum sagt Keetz: "Wir wollen nicht gleich oben aufs Treppchen gucken, sondern erstmal jede Stufe einzeln erklimmen." Die Drei haben keine drängelnde Bank im Nacken und sie wollen - "seriös geschätzt" - zwischen 350.000 und 400.000 Euro Umsatz bis Ende des Jahres erwirtschaften.

Erstmal arbeiten die HighPotentials an der Komplettierung ihres Web-Auftritts - ist der endgültig fertig, soll der "Generalangriff aufs New-Business" folgen. vh

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