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Personalführung

Fachkräftemangel: Unternehmen optimieren Prozesse statt Arbeitskultur

16.02.2022 - Zeit- und Personalmangel setzen Organisationen unter Druck. Führungskräfte stabilisieren jedoch eher das Kerngeschäft, statt in Zukunftsthemen und eine bessere Arbeitskultur zu investieren.

von Frauke Schobelt

Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass der demographische Wandel und die Digitalisierung die Arbeitskultur aus unterschiedlichen Richtungen verändern. Dadurch verschärft sich der Kampf um die knappen Ressourcen Zeit, Geld und Personal. Mit welchen Maßnahmen und Strategien Unternehmen dieser Entwicklung begegnen und welche Prioritäten sie dabei setzen, untersuchte die Personalberatung Hays in ihrem HR-Report 2022 "Organisationen unter Druck"   . In Zusammenarbeit mit dem Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) wurden dafür 978 betriebliche EntscheiderInnen aus der DACH-Region befragt.

Nachhaltigkeit und Vielfalt spielen strategisch keine große Rolle

Die wichtigsten strategischen Ziele sind demnach klassische Themen wie Umsatzsteigerung (44 Prozent) und die Stabilisierung des Kerngeschäfts (38 Prozent). Vieldiskutierte Zukunftsthemen wie Ökologie, Nachhaltigkeit oder Vielfalt haben eine eher nachrangige Bedeutung, diese rücken offenbar eher in wirtschaftlich guten Zeiten in den Fokus. Wenn der Umsatz stagniert oder rückläufig ist, verlieren diese Bereiche in der Unternehmensleitung hingegen an Bedeutung.

Zeit- und Personalmangel als größte Stolpersteine

Ressourcenmangel belastet die Unternehmen vor allem bei Zeit und Personal. Aufgrund des anhaltenden Fachkräftemangels sehen 33 Prozent der Befragten vor allem den zeitlichen Faktor als größte Herausforderung an. Aufgrund der hohen Veränderungsdynamik geben 39 Prozent an, die Anzahl ihrer Projekte nehme zu, gleichzeitig führen 36 Prozent an, zu wenig Personal für die anstehenden Aufgaben zur Verfügung zu haben.

Um dem zeitlichen Dilemma zu entkommen, will die Mehrheit der Befragten nochmals die interne Prozesslandschaft optimieren. 30 Prozent geben an, sich verstärkt um die Rekrutierung neuer Mitarbeiter kümmern zu wollen. Dabei scheinen sich die Befragten der hohen Arbeitslast ihrer Mitarbeitenden zwar bewusst zu sein, greifen dann aber zu Maßnahmen, die diese Situation nur indirekt verbessern. Innovative Ansätze, die hingegen unmittelbar auf eine verbesserte Arbeitskultur einzahlen würden, wie die Erweiterung des Arbeitsvolumens durch flexible Arbeitsmodelle oder Work-Life-Integration Konzepte, werden wiederum als nachrangig betrachtet. Auch der Einsatz von KI oder Robotern wird von den Unternehmen bisher wenig genutzt, um dem Zeitmangel entgegenzuwirken.

Unternehmen setzen eher auf Rekrutierung als auf Weiterbildung

Dem Mangel an Personal, insbesondere bei Nachwuchstalenten, wollen die befragten Führungskräfte hauptsächlich mit Neueinstellungen begegnen. Eine Herausforderung angesichts des breiten Fachkräftemangels. Ein Drittel der Befragten setzt auf Prozessoptimierungen. Für gerade einmal 29 Prozent der EntscheiderInnen steht die Bindung bestehender Mitarbeitender im Fokus. Sie investieren gezielt in die Entwicklung ihrer Belegschaft und der eigenen Arbeitskultur. Upskilling, Reskilling und Weiterbildungen spielen bei den Lösungsansätzen bisher noch eine untergeordnete Rolle. Angesichts der rasanten Veränderung bestehender Berufsbilder und Anforderungsprofile sollte dieses Ergebnis den Entscheidern zu denken geben, so die Studienautoren.

"Die Ergebnisse unseres aktuellen HR-Reports zeigen: Den meisten Unternehmen fehlt es an einer Vision für eine neue Arbeitskultur. Sie scheinen Lösungen eher aus ihren bestehenden Strukturen heraus entwickeln zu wollen", sagt Dirk Hahn , CEO der Hays AG. Die Lösungsstrategien im Kampf um knappe Ressourcen seien häufig zu kurzfristig ausgerichtet. Langfristiger Erfolg brauche jedoch die Flexibilität für neue Geschäftsansätze und Investitionen in Innovation und Unternehmenskultur. "Gerade beim Stichwort Fachkräftemangel sollten Themen wie Vielfalt, Nachhaltigkeit, Mitarbeiter- und Kulturentwicklung im Fokus stehen. Es gilt nicht nur neue Fachkräfte zu gewinnen, sondern diese auch langfristig ans Unternehmen zu binden und ihre Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln."

Die meisten Investitionen fließen in Digitalisierung und Prozesse

Verstärkt durch die Pandemie stehen Investitionen in Digitalisierung mit 57 Prozent und in Prozessoptimierung mit 51 Prozent im Fokus. Auf Platz drei folgen Investitionen in die Personalentwicklung. Weit abgeschlagen liegen Bereiche wie CO2-Neutralität, Diversity Management und Corporate Social Responsibility. Befragt nach ihren Beweggründen, führen "harte Themen" wie Effizienz- und Effektivitätssteigerung deutlich. Nur 29 Prozent der Befragten investieren in ihre Attraktivität als Arbeitgeber.

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