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Datenschutz

Fünf Jahre DSGVO: Chaos, Komplexität und fehlende Kenntnisse

24.05.2023 - Zum 5. Jahrestag der EU Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) fällt die bisherige Bilanz sehr durchwachsen aus. Consent-Management-Spezialistin Donna Dror, CEO von Usercentrics, über die vielfältigen Gründe:

von Christina Rose

Selbst nach fünf Jahren hadern viele Unternehmen in der EU noch mit der Umsetzung der DSGVO. Im Spätsommer 2022 hatten laut einer Bitkom-Umfrage   lediglich 22 Prozent die Regelungen vollständig umgesetzt. Woran liegt das?
Donna Dror: "Ein Grund dafür, dass Unternehmen immer noch Schwierigkeiten mit der Umsetzung haben, ist die schiere Komplexität der Verordnung. Viele Organisationen verfügen nicht über die notwendigen Ressourcen, Kenntnisse oder das Fachwissen, um die Vorschriften vollständig zu verstehen und einzuhalten. Dies gilt insbesondere für kleinere Unternehmen.

Ein weiterer Grund ist der Mangel an Orientierungshilfen. Außerdem setzen die lokalen Datenschutzbehörden die Vorschriften noch zu selten durch. Die DSGVO stellt zwar strenge Anforderungen, aber es fehlen klare Leitlinien für deren Umsetzung.

Hinzu kommt die globale Anwendbarkeit, also dass auch Nicht-EU-Unternehmen den Anforderungen der DSGVO unterliegen können, wenn sie die personenbezogenen Daten von EU-Bürgern verarbeiten. Dies hat die Komplexität der Vorschriften für globale Unternehmen erhöht, insbesondere in Bezug auf Datenübertragungen und internationale Datenverarbeitung.

Insgesamt stellt die DSGVO eine große Herausforderung für Unternehmen jeder Größe dar. Wer sie vollständig einhalten will, braucht hierfür in der Regel noch mehr Zeit und Ressourcen. Aber es lohnt sich: Angesichts der zunehmenden Bedeutung des Datenschutzes und der Privatsphäre riskieren Unternehmen, die die Vorschriften nicht einhalten, nicht nur erhebliche finanzielle Schäden, sondern gefährden auch ihr Image."

In der Umfrage 2022 waren 70 Prozent der Ansicht, dass die DSGVO ihnen keine Wettbewerbsvorteile bringen würde. Wie bewerten Sie diese Ansicht?
Donna Dror: "Da bin ich anderer Meinung. Durch die Einhaltung der DSGVO können Unternehmen ihr Engagement, die personenbezogenen Daten ihrer Kunden zu schützen, unter Beweis stellen. Das kann dazu beitragen, Vertrauen bei Kunden und anderen Interessengruppen aufzubauen. Auf der anderen Seite kann die Nichteinhaltung der DSGVO zu erheblichen Geldstrafen führen. Wenn ein Unternehmen die Vorgaben gut umsetzt, hat es einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber Wettbewerbern, die dies nicht tun."

Laut einer Studie sind nur 29 Prozent der Deutschen dazu bereit   , ihre Daten mit Unternehmen zu teilen. Welche - natürlich legalen - Möglichkeiten sehen Sie, Verbraucher:innen zur Weitergabe ihrer Daten zu bewegen?
Donna Dror: "Eins vorab: Mir ist es wichtig zu erwähnen, dass sich die Datenschutzvorgaben je nach Land oder sogar Region unterscheiden. Unternehmen sollten sich daher in jedem Fall rechtlich beraten lassen.

Generell gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, das Kundenvertrauen durch Transparenz zu stärken:
Unternehmen sind gut beraten, strenge Datenschutzmaßnahmen einzuführen, um die Sicherheit und den Schutz der Nutzerdaten zu gewährleisten. Dies trägt nicht nur dazu bei, bei den Kunden die Bereitschaft zur Datenweitergabe zu erhöhen, sondern öffnet auch die Tür für eine Kommunikation auf Augenhöhe. Unternehmen sollten transparent machen, wie sie die Daten der Verbraucher verwenden, an wen sie sie weitergeben und zu welchem Zweck sie dies tun. So können sie Vertrauen aufbauen und die Wahrscheinlichkeit der Datenweitergabe erhöhen."

Unternehmen, die gegen die DSGVO verstoßen, müssen tief in die Tasche greifen. Am empfindlichsten wurde 2021 Amazon getroffen, das 746 Millionen Euro Strafe bezahlen musste. Aber auch Facebook, WhatsApp und Google wurden schon verurteilt - teilweise mehrfach   . Haben Sie den Eindruck, dass die Strafen abschreckend wirken?
Donna Dror: "Die abschreckende Wirkung von Geldbußen auf große Unternehmen zu messen, ist schwierig. Klar ist aber, dass sich Geldbußen direkt auf den Ruf eines Unternehmens auswirken.
Ich bin mir sicher, dass alle Unternehmen, insbesondere die größeren Marken, einen Vertrauensbruch unbedingt vermeiden möchten. Dafür müssen sie ihr Engagement für den Schutz ihrer Kundendaten unter Beweis stellen und ihr Verhalten ändern."

Wenn Sie fünf Jahre in die Zukunft blicken - wie sieht es mit dem Datenschutz im Internet im Jahr 2028 aus? Und wie wird sich das Online-Marketing bis dahin verändern?
Donna Dror: "Da die Bedenken der Verbraucher im Hinblick auf den Datenschutz weiter zunehmen, gehe ich davon aus, dass mehr Technologien zur Verbesserung des Datenschutzes - und damit meine ich auch Consent-Management-Plattformen - entwickelt werden. Vermutlich werden wir auch eine globale Ausweitung der Datenschutzbestimmungen über die DSGVO hinaus erleben, da immer mehr Länder ihre eigenen Datenschutzgesetze einführen. Die Vorschriften selbst werden möglicherweise auch deutlich umfassender, zum Beispiel in Bezug auf neue Technologien wie KI.

Außerdem erwarte ich, dass das Thema Datentransparenz stärker in den Vordergrund rücken wird. Unternehmen tun gut daran, den Nutzern mehr Informationen darüber zur Verfügung zu stellen, wie ihre Daten erhoben, verwendet und weitergegeben werden. Dies wird möglicherweise benutzerfreundlichere Schnittstellen erfordern, die es den Nutzern ermöglichen, leichter auf ihre Daten zuzugreifen und sie zu kontrollieren.

Zudem rechne ich mit einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Technologieunternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Aktivisten, um die Herausforderungen des Datenschutzes zu bewältigen."


Donna Dror (Bild: Usercentrics)
Donna Dror

Donna Dror ist CEO beim Consent-Management-Plattformanbieter Usercentrics   , der Unternehmen dabei unterstützt, Nutzereinwilligungen für ihre Websites und Apps einzuholen und diese so zu verwalten und zu dokumentieren, dass sie globale Datenschutzbestimmungen einhalten können.

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