B2B-Vertrieb

Was B2B vom B2C-Onlinehandel noch lernen muss

30.09.2022 - Beschaffungsprozesse im beruflichen Kontext werden durch das private Einkaufserlebnis beeinflusst. Das bestätigt eine Studie des ECC Köln. Onlineshops sind der bevorzugte Beschaffungskanal im B2B-Bereich, doch es gibt Optimierungsbedarf.

von Frauke Schobelt

Die Studie "Das B2B-Geschäft unter B2C-Druck - Was jetzt im B2B-Onlinehandel angepasst und optimiert werden muss"   des ECC Köln   in Zusammenarbeit mit CRIF   , Spezialist für Identity-, Credit Risk- und Fraud Management, analysiert, was genau B2B-Unternehmen in Angriff nehmen müssen, um den beruflichen Beschaffungsprozess möglichst gut auszugestalten. Außerdem analysiert die Studie die Präferenzen bezüglich Zahlungsarten sowie -konditionen bei beruflichen Beschaffungen. Generell erwarten 86 Prozent der Befragten bei ihren beruflichen Einkäufen die gleiche Customer Experience wie bei privaten Einkäufen. Mehr als drei Viertel stellen langfristig sogar die Wettbewerbsfähigkeit von B2B-Onlineshops in Frage, wenn sie sich nicht an die Experience im B2C-Bereich annähern.

Privates Amazon-Kaufverhalten beeinflusst berufliche Nutzung

Personen, die privat häufig und viel online einkaufen, verwenden relevante Onlinekanäle auch bei beruflichen Einkäufen wesentlich häufiger. Onlineshops sind, gefolgt von Marktplätzen, der bevorzugte Beschaffungskanal im B2B-Bereich. Aber auch das private Amazon-Kaufverhalten spiegelt sich im beruflichen Beschaffungsprozess wider: Während insgesamt 60 Prozent der befragten B2B-BeschafferInnen angeben, Amazon Business mindestens gelegentlich zu nutzen, sind es bei den privaten Heavy-Amazon-ShopperInnen immerhin 67 Prozent. Dass gerade beim B2B-Einkauf ein Wunsch nach Unkompliziertheit und Prozesseffizienz besteht, zeigt auch die Erhöhung der Amazon-Business-Kauffrequenz im Zeitverlauf: Etwas weniger als zwei Drittel der Amazon-Business-KäuferInnen (63 Prozent) shoppen dort häufiger als noch vor zwei Jahren. Bei den privaten Heavy-Amazon-ShopperInnen ist dieser Anteil mit 67 Prozent sogar noch etwas höher.

Doch es gibt Grenzen: "Auch wenn das private Kaufverhalten den beruflichen Beschaffungsprozess beeinflusst, lässt es sich durch die speziellen Herausforderungen und höhere Komplexität beispielsweise durch umfangreichere Produktsortimente mit diversen Varianten oder erklärungsbedürftigeren Produkten im B2B-Einkauf nicht 1:1 übertragen. Unter anderem werden deshalb private Kaufentscheidungen deutlich schneller getroffen und Spontanbestellungen erfolgen im privaten Kontext häufiger," sagt Mailin Schmelter , stellvertretende Bereichsleitung am ECC Köln, zu den Ergebnissen der Studie.

Große Auswahl an Zahlungsmodalitäten wichtig

Bei den Zahlungsverfahren ist genau wie im B2C-Onlinehandel auch im B2B-Onlinehandel die Rechnung mit großem Abstand das beliebteste Zahlungsmittel, gefolgt von PayPal, Lastschrift und Kreditkarte. 69 Prozent der Befragten sind sich einig: Bei beruflichen Einkäufen beeinflusst die Auswahlmöglichkeit der Zahlungsverfahren den Abschluss nicht so sehr wie bei privaten Einkaufen. Bei den privaten Heavy-OnlineshopperInnen liegt dieser Wert sogar bei 76 Prozent. Dennoch bekräftigen 57 Prozent der Befragten, dass das Angebot ihrer bevorzugten Zahlungsmodalitäten äußerst oder sehr wichtig ist. So bricht jeder und jede Fünfte den Kauf ab und wechselt auf einen anderen Kanal, wenn das Lieblingszahlungsverfahren in B2B-Onlineshops nicht angeboten wird. Fast die Hälfte weicht nur ungern auf ein anderes Zahlverfahren aus. Wenn das Lieblingszahlverfahren nicht zur Verfügung steht, zeigen sich rund zwei Drittel der befragten B2B-BeschafferInnen jedoch dazu bereit, weitere Daten preiszugeben (z.B. Ausweis- oder Video-Identifikation), um die präferierte Zahloption angeboten zu bekommen. Um keine wertvollen KundInnen zu verlieren, sollten B2B-Unternehmen demnach auf die Zahlungspräferenzen der BeschafferInnen eingehen und eine große Auswahl an Zahlarten anbieten.

"Fehlende Zahlarten und komplizierte Bestellprozesse führen auf Kundenseite häufig zu Kaufabbrüchen", sagt Judith Trouvain , Key Account Managerin E-Commerce bei CRIF Deutschland. "Eine automatisierte Echtzeitentscheidung wie man sie seit Jahren im B2C-Checkout kennt, ist daher auch für den B2B-Shop essenziell. Durch eine Vielzahl von internen und externen Daten können gute und vertrauensvolle KundInnen direkt von BetrügerInnen und SchlechtzahlerInnen unterschieden werden. Somit steigert man nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern erhöht auch die Umsätze."

Ihr Guide im New Marketing Management - ab 6,23 im Monat!

Hat Ihnen diese Beitrag weiter geholfen? Dann holen Sie sich die ONEtoONE-Premium-Mitgliedschaft. Sie unterstützen damit die Arbeit der ONEtoONE-Redaktion. Sie erhalten Zugang zu allen Premium-Leistungen von ONEtoONE, zum Archiv und sechs mal im Jahr schicken wir Ihnen die aktuelle Ausgabe.

Mehr zum Thema:
Diskussion:

Vorträge zum Thema:

  • Bild: Leon Eichner
    Leon Eichner
    (EHI Retail Institute)

    Wenn der Agent mitentscheidet - Warum Vertrauen zum Erfolgsfaktor im Agentic Commerce wird

    Agentic Commerce verändert, wie Kaufentscheidungen im Internet vorbereitet und getroffen werden. Neben Menschen übernehmen zunehmend KI-Agenten die Produktsuche, den Vergleich von Angeboten und Teile des Kaufprozesses.Die aktuelle EHI-Studie zu Agentic Commerce zeigt, dass 86,1 Prozent der befragten Handelsunternehmen es für wahrscheinlich halten, dass KI-Agenten künftig Kaufentscheidungen ihrer Kundschaft beeinflussen. Gleichzeitig wird der Aufbau von Vertrauen und Akzeptanz als eine zentrale Herausforderung beschrieben.Der Vortrag zeigt, was diese Entwicklung für Online-Shops bedeutet: Welche Informationen müssen aktuell, konsistent und maschinenlesbar vorliegen? Welche Rolle spielen Transparenz, verlässliche Produkt- und Serviceinformationen, Bewertungen und weitere nachvollziehbare Vertrauenssignale?Am Beispiel des EHI-Siegels wird erläutert, wie Online-Shops Seriosität, geprüfte Qualitäts- und Sicherheitsmerkmale sowie Kundenorientierung sichtbar machen können. Dabei geht es nicht nur um die menschliche Wahrnehmung: In einer zunehmend agentischen Customer Journey wird entscheidend, ob relevante Informationen über einen Shop eindeutig, verlässlich und nachvollziehbar vorliegen. So entsteht die Grundlage dafür, dass ein Angebot von KI-Agenten nicht nur gefunden, sondern auch als relevant und vertrauenswürdig eingeordnet werden kann.

    Vortrag im Rahmen der Transformation des Handels 26 am 21.10.26, 09:00 Uhr

Anzeige
www.hightext.de

HighText Verlag

Mischenrieder Weg 18
82234 Weßling

Tel.: +49 (0) 89-57 83 87-0
Fax: +49 (0) 89-57 83 87-99
E-Mail: info@onetoone.de
Web: www.hightext.de

Kooperationspartner des

Besuchen Sie auch:

www.press1.de

www.ibusiness.de

www.neuhandeln.de