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Glosse

Aus dem Tagebuch eines Agenturchefs (6): Das Corporate Naming - "Solution ist auch keine Lösung"

Wir blättern im Tagebuch von Andreas Haupt, Gründer, CEO und Zulangeschon-Chef der Agentur HAUPTGEWINN, der nach eigenen Angaben coolsten Agentur südlich des Polarkreises, der feststellen muss: Solution ist auch keine Lösung. (Bild: Midjourney/jg)
Wir blättern im Tagebuch von Andreas Haupt, Gründer, CEO und Zulangeschon-Chef der Agentur HAUPTGEWINN, der nach eigenen Angaben coolsten Agentur südlich des Polarkreises, der feststellen muss: Solution ist auch keine Lösung.

20.02.2024 - Grade hat Tom angerufen. Ich kenne Tom aus dem Studium. Er hat vor kurzem eine Beratung für Künstliche Intelligenz gegründet. Jetzt brauchen er und seine Mitstreiter noch einen Namen für ihr Baby. Da sind sie bei HAUPTGEWINN goldrichtig.

von Christian Faltin


1.Februar
Ich liebe meinen Job. Meistens jedenfalls. Warum? Kein Tag ist wie der andere. Jeder Tag eine Herausforderung. Manchmal durch die Kunden, manchmal durch unsere Agentur intern. Die Herausforderung ist meine daily challenge.

So auch heute. Grade hat Tom angerufen. Ich kenne Tom aus dem Studium. Wir waren beide in St. Gallen. Ich leider nur anderthalb Semester, er war später jahrgangsbester BWL-Absolvent. Nach der HSG ging er zu BCG. Und nach der BCG zu SAP. In Walldorf lernte er Katharina kennen, eine absolute IT- und Data-Nerdin. Zusammen mit Katrin und Georg haben sie vor kurzem eine Beratung für Künstliche Intelligenz gegründet. Jetzt brauchen sie einen Namen für ihr Baby und eine 1A-Brand Positioning. Da sind sie bei HAUPTGEWINN goldrichtig.


7. Februar
Tom hat gerade sein Briefing für das Corporate Naming geschickt: "Für Euch zum Background. Wir sind nicht nur EINE KI-Beratung, wir sind DIE Beratung schlechthin. Wir sind Architects of future, designing the blueprint for the success of our clients. Wir sind nicht nur Problem Solvers, wir sind Solution Providers für business opportunities. Drivers of change with a legacy of excellence. Und dafür brauchen wir einen Firmennamen, der fetzt, der einzigartig ist und unsere Positionierung glasklar widerspiegelt. Nichts Austauschbares, das muss wirklich emotional und unique sein. Und ideal wäre, wenn es ein Three oder Fourletter-Branding gäbe. So wie BMW, IBM, Meta oder die drei Fragezeichen. Ich zähl auf euch, Andreas."

Easy, das wuppen wir! Ich trommel unsere Naming- und Branding-Task Force zusammen. Maria, meine Co-Geschäftsführerin, hat ein untrügliches Gespür für die Details, die den zentralen USP ausmachen. Elena, unsere Etatdirektorin, ist ein Muster an operativer Excellence und Victor, unser Volo, bringt jede Menge Freshness mit. Nächste Woche starten wir mit dem Kickoff. Off course im Office, schließlich hat Antoni auch gerade seine Truppe wieder on desk geordert, weil das besser für die Kreativität ist. Und was die können ...


16. Februar
Unsere Truppe trudelt langsam im Konfi ein. Victor hat einen Sixpack Energy-Drinks im Gepäck, Elena eine Chai-Latte mit Honig aus der örtlichen Imkerei und vor Maria steht eine Bio-Rhabarberschorle, die von einem unserer Kunden abgefüllt wird. Ich schwöre auf stilles Wasser aus einer kleinen Brauerei im Spessart. Nicht weil es so außergewöhnlich gut schmeckt, sondern weil ich das Meeting mit Neukunden damit immer mit einer kleinen Geschichte eröffnen kann. Storytelling, gelle. Aber davon ein ander Mal.

Bevor wir mit dem Workshop starten, schwöre ich das Team mit einer Achtsamkeitsübung auf die vor uns liegende Challenge ein. Das mache ich immer so, seit ich die Bücher von Karsten Dusse gelesen habe. Vielleicht schreib ich auch mal einen Agenturkrimi: Achtsam Werben statt Achtsam Morden!

Wir starten und ich eröffne: "Wenn wir einen zukunftssicheren Unternehmensnamen entwickeln wollen, müssen wir mit Fantasie- oder Kunstnamen arbeiten. Das gibt weniger Probleme beim Markenschutz, lässt jede Menge Interpretationen offen und schränkt das zukünftige Angebot nicht ein. Lasst uns eine Mindmap anlegen! Welche Begriffe und Bilder verknüpft ihr mit KI?"

Elena legt energisch los: "Was haltet ihr davon, wenn wir mit den Gründernamen arbeiten? Das wäre der Klassiker. Die heißen doch Tom, Katrin, Katharina und Georg. Was, wenn wir daraus tomkagAI machen?"

Maria widerspricht: "Elena, kochst Du gelegentlich? Tom Kha Gai ist eine asiatische Hühnersuppe! Das geht gar nicht. Und wenn man nur die Initialen der Vornamen nimmt, landen wir bei TKKG. Das hat jetzt auch nicht die Flughöhe, die der Kunde von uns erwartet."

Victor kringelt sich vor Lachen: "Stellt Euch vor, Gustav scheidet mal aus der Firma aus, dann wird das auf TKK wie Tiefkühlkost oder Techniker Krankenkasse zusammengekürzt."

Ich grätsche dazwischen: "Jungs, Mädels, ein bißchen konstruktiver bitte. Ja. Lasst uns bitte mal Adjektive sammeln, die wir mit der Firma verbinden."

Elena wirft den Adjektivgenerator an: "KI ist schnell, disruptiv, höchst relevant, ein absoluter Game Changer und eine ganz wichtige Infrastrukturtechnologie der Zukunft. Der Grad von KI-Readiness eines Unternehmens wird der kriegsentscheidende KPI der Zukunft."

Maria antwortet ihr: "Das Wort Krieg sollten wir im Augenblick vermeiden, Elena. Und die anderen Adjektive finde ich treffend, aber leider gibt es schon eine KI-Agentur, die Disruptive heißt. Ich habs gerade gegoogelt."

Elena ist etwas beleidigt: "Wenn 'kriegsentscheidend' nicht geht, dann ist 'treffend' aber auch nicht das richtige Adjektiv, oder? Und wenn wir bei 'relevant' einfach die Vokale weglassen? Das ist doch jetzt total in."

Maria, etwas schnippisch: "Gute Idee, Elena, nur leider gibt es schon eine Firma 'Rlvnt'. Mit einem Minimum an Vorbereitung könnten wir unser Meeting deutlich kürzer gestalten."

Ich muss schlichten: "Mädels, bitte. Keinen Zickenkrieg. Lasst uns auf der sachlichen Ebene bleiben und positiv brainstormen. Jeder Geistesblitz ist erst mal zulässig, auch wenn er noch so abwegig ist."

Victor prustet los: "Die Jungs und Mädels sitzen mit ihrer Firma doch in Bayern. Wie wär's mit AIwanger? Guter Joke, oder?"

"Das liegt niveau-technisch deutlich unter dem Weißwurst-Äquator, Victor, und bringt uns nicht weiter. Die meisten CEOs interpretieren doch Künstliche Intelligenz eher als Künstliche Effizienz. Und das ist doch genau die Zielgruppe von Tom und seinen Mitstreitern. Lasst uns was damit entwickeln", versuche ich konstruktiv gegenzuhalten.

Laaaange Pause. OK, machen wir einen Break. Hoch die Hände, Wochenende.


19. Februar
Neue Woche, neuer Tag, neuer Versuch, gleicher Konfi.

Elena meldet sich, sie hat sich intensiv Gedanken gemacht: "Warum fragen wir nicht die KI, wie wir die KI-Beratung nennen sollen? Ich habe das am Wochenende mal after Work gemacht. Und Chat-GPT hat mir zehn Vorschläge ausgespuckt. Ich werf euch die fünf besten Varianten mal auf den Screen."

AIQX steht für Artificial Intelligence Quotient X und betont die überlegene Intelligenz und den zukunftsorientierten Ansatz der Beratung.

BLUP symbolisiert als Kurzform für Blueprint schon im Namen die perfekte Grundlage zur Gestaltung des Erfolgs Ihrer Kunden.

SOLX hebt hervor, dass die Beratung nicht nur Probleme löst, sondern wirklich innovative Lösungen anbietet.

CHNG (Change) betont die Rolle der Beratung als Treiber des Wandels

OPNX (Opportunities mal X) symbolisiert das Aufdecken und Nutzen von Business Opportunities durch innovative KI-Lösungen.

Blick in die Runde. Ich breche das Eis: "Erst mal Super-Idee, Elena, die KI zu fragen. Aber ich fürchte, das würde unseren KV, den wir fürs Naming aufrufen, ungefähr zehnteln. BLUP wär mir persönlich zu nahe am Werbeslogan für einen bekannten Spinat und CHNG als Marke zu beliebig. Und Solution ist auch keine Lösung, insbesondere in Verbindung mit dem Buchstaben X. Das symbolisiert im Augenblick doch eher Looser-Culture. OPNX ist mir zu nahe an OpenAI und klingt zu sehr nach ÖPNV."

Maria ist heute konstruktiver drauf: "Ein beliebter Trick beim Corporate Naming ist doch auch der zusätzliche Konsonant. Wie zum Beispiel bei 'Diffferent'. Können wir nicht damit spielen?"

Victor hat noch zu viel Energy Drink von gestern im Blut: "Du meinst so was wie KIFFF? Genial."

Ich lege meine Trumpfkarte: "Was haltet ihr davon, wenn wir mit der Typo spielen? Das kleine "i" ist umgedreht ein Ausrufezeichen. Und Ausrufezeichen stehen für Nachdruck, sie betonen und unterstreichen die Wichtigkeit des vorher Gesagten. Ich sag nur 'Achtung!'. Was haltet ihr von 'K!!i'? Wenn man das bei Google eingibt, landet man automatisch bei KI. Das ist gerade für ein Startup doch perfekt."

Die anschließende Diskussion ging noch länger und war wenig produktiv. Aber manchmal muss man sich als Chef eben durchsetzen. Morgen früh schicke ich unseren Vorschlag an Tom raus.


20. Februar
Die Mailantwort von Tom kommt nach nur fünf Minuten: "Hä? Ne, Job bleibt TBD." FCK, da müssen wir wohl nochmal ran.


Zum Autor:
Christian Faltin und Andreas Haupt kennen sich schon lange. Beide schreiben regelmäßig Tagebuch - schonungslos fiktiv, gnadenlos persönlich und nichts für schwache Nerven. Mit der Realität hat das natürlich gar nichts zu tun, deswegen ist auch keine künstliche Intelligenz im Spiel. Bis auf eine kleine Ausnahme. Mehr über den einen Autor unter Christianfaltin.de   . Er hat auch ein ganz tolles Linkedin-Profil.

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