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Initiative 'Händler helfen Händlern' entwickelt lokalen Marktplatz

Die Stadt Bozen in Südtirol hat mit 'Down' einen digitalen Marktplatz entwickelt. (Bild: Bernd Hildebrandt auf Pixabay)
Die Stadt Bozen in Südtirol hat mit 'Down' einen digitalen Marktplatz entwickelt.

20.07.2020 - Als kostenlose OpenSource-Lösung steht der Online-Marktplatz Innenstädten und Werbegemeinschaften zur Verfügung. Erste Städte arbeiten bereits damit.

von Frauke Schobelt

Ohne Digitalstrategie kann der stationäre Handel auf Dauer nicht überleben, dies machte der Shutdown während der Krise mehr als deutlich. Doch erfolgreich einen eigenen Online-Shop aufzubauen und zu vermarkten, ist gerade für kleine und mittelständische Händler eine große finanzielle Herausforderung. Unter dem Dach der Initiative 'Händler helfen Händlern'   hat deshalb der Fahrradhändler Rose Bikes   mit der Babyfachmarktkette BabyOne   und dem Shopsoftware-Hersteller Shopware   den lokalen Online-Marktplatz 'Downtown'   entwickelt. Über die Plattform können kleine und mittelständische Händler in Zukunft kostenlos ihre Produkte online verkaufen.

Virtuelle Fußgängerzone

Das Projekt 'Downtown' dient dabei als technischer Grundstein für eine gemeinnützige und kostenlose OpenSource-Lösung für Innenstädte und Werbegemeinschaften. "Downtown fungiert quasi als eine Art virtuelle Fußgängerzone, an die Einzelhändler oder ganze Wirtschaftsinitiativen andocken und ihre Produkte online verkaufen können", erklärt Shopware-Sprecher Wiljo Krechting .

Im Rahmen eines dreitägigen Hackathons entwickelten 40 Shopware-Entwickler und 60 Entwickler aus der Shopware-Community das Grundkonzept für den lokalen Online-Marktplatz. Insgesamt haben die Initiatoren rund um 'Händler helfen Händlern', Shopware und deren Community über 400 Tage ehrenamtlich investiert.

Die Nutzung des Marktplatzes ist kostenlos. Die Stadt Bozen in Südtirol hat bereits einen digitalen Marktplatz auf Basis von Downtown entwickelt. 60 Händler nehmen daran teil. Auch die Stadt Coesfeld will den regionalen Marktplatz für die Einzelhändler ausrollen. Die Stadt Münster arbeitet mit der Initiative ebenfalls an einem eigenen Portal für die rund 600 Münsteraner Händler.

Umdenken bei Händlern gefordert

"Gerade für kleine und mittelständische Händler ist es inzwischen sinnvoller, sich mit anderen zusammen zu tun, um Kunden im Netz einen tollen Service zu bieten, statt einzeln zu handeln", sagt Marcus Diekmann , Geschäfsführer von Rose Bikes und einer der Initiatoren des ehrenamtlichen Projektes. In einem Beitrag für den WDR   plädiert er für eine Bewusstseinsveränderung der Händler. Diese sollten den Wandel im Kundenverhalten nicht immer als Kritik an den Leistungen der Vergangenheit verstehen. "Der Handel hat in den vergangenen Jahrzehnten Unglaubliches geleistet", betont Diekmann. "Es ist nicht seine Schuld, dass der Kunde sich verändert und nun die bequemen Bestellmöglichkeiten von Amazon nutzt. Aber es ist seine Schuld, wenn er sich nicht verändert. Und das muss er jetzt tun. Er hat keine zwei Jahre mehr Zeit, zu überlegen."

Diekmann ist davon überzeugt, dass Kunden künftig online auch auf Downtown einkaufen werden und nicht nur bei Amazon. Der lokale Marktplatz sei dem Online-Giganten in einem Punkt überlegen: Durch die räumliche Nähe zum Kunden sei eine taggleiche Lieferung nicht nur in Ballungsräumen möglich, sondern in ganz Deutschland.

Die Pro-Bono-Initiative 'Händler helfen Händlern' startete am 19. März 2020. Mittelständische Handelsunternehmen haben eine Gruppe auf der Karriereplattform LinkedIn   ins Leben gerufen, die betroffene Unternehmer und Unternehmerinnen informiert und untereinander vernetzt. Die Gruppe zählt mittlerweile über 2.600 Mitglieder, darunter Händler, Handels- und Wirtschaftsverbände, Journalisten und Handelsexperten. Händler wie Rose Bikes, BabyOne, MediaMarkt, Saturn, TomTailor und Intersport unterstützen die Initiative.

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