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"Das Marketing ist prädestiniert für eine internationale Karriere"

Nicole Zimmermann, Head of Customer and Marketing im Bereich Global Payments, Western Union. (Bild: Western Union)
Nicole Zimmermann, Head of Customer and Marketing im Bereich Global Payments, Western Union.

05.12.2019 - Nicole Zimmermann startete ihre Laufbahn in einem deutschen Konzern, leitet heute ein globales Marketingteam von Western Union und treibt dort den kulturellen Wandel mit voran. Ein Gespräch über Markenführung im umkämpften Payment-Markt, die Chancen einer internationalen Karriere, die Vorteile deutscher Arbeitstugenden und das Glück, ein internationales Team zu führen.

von Frauke Schobelt

Es gibt viel Bewegung im umkämpften Payment-Markt, durch die Digitalisierung der Zahlungsdienste drängen immer neue Player und Fintechs auf den Markt. Wie bewertet Western Union als Wettbewerber die Startschwierigkeiten von Facebooks Libra?
Nicole Zimmermann: Im Bereich Payment und Zahlungsverkehr gibt es ganz klare Regularien, vorgeschrieben von den Notenbanken rund um die Welt und den speziellen Länderverordnungen. Es bleibt abzuwarten, wie diese mit den Herausforderungen rund um die Kryptowährung und deren Regulierung - einhergehend mit den anderen Währungen - umgehen werden. Wir beobachten das sehr aufmerksam. Western Union ist sehr gut positioniert, um sich diesen Herausforderungen zu stellen. Viel wichtiger ist jedoch, wie die Gesetzgeber damit umgehen. Wir werden sehen, wie Facebook seine Pläne mit Libra und dem Konsortium vorantreibt. Und welche Fragen die Wettbewerbshüter noch haben werden, bevor es wirklich live gehen kann.

Auf dem Investor Day im September stellte Western Union seine neue Plattform-Strategie mit mehr Services für Konsumenten sowie B2B- und B2C-Kunden vor, wie Lösungen für grenzüberschreitende Zahlungen im E-Commerce oder Echtzeit-Überweisungen in Mobile Wallets. Inwiefern sind diese Entwicklungen auf dem Payment-Markt auch eine Chance für eine Traditionsmarke wie Western Union, sich neu zu positionieren?
Western Union bringt viele der notwendigen Voraussetzungen mit, um sich gegen Banken und die Fintech-Branche zu behaupten. Die Grundlage dafür ist die einmalige Reichweite unseres Netzwerks, das wir unseren Kunden in mehr als 200 Ländern mit über 130 Währungen für ihre internationalen Payments anbieten können. Jegliche Kombinationen sind dabei möglich mit Bargeld, Kontotransfer oder Wallet Transfers: von Cash to Account, Account to Cash, Account to Account, Wallet to Account, Wallet to Cash, Cash to Wallet. Unser Netzwerk ist unser größter Wettbewerbsvorteil, mit weltweit über 550.000 Retail-Locations sowie Zugang zu Milliarden von Bankkonten und Wallets sind wir gut aufgestellt und das ist auch sehr interessant für unsere Partner.

Welche Partner sind das zum Beispiel?
Ein Beispiel ist unsere Zusammenarbeit mit Amazon. Amazon-Kunden, die international shoppen wollen, bieten wir an, über unser Retail-Network lokal cash zu zahlen. Wir nennen das "shop global, pay local", was derzeit in über 19 Ländern möglich ist.

Wie funktioniert diese Zusammenarbeit konkret?
Der Kunde kann im Prozess der Bestellung bei Amazon auswählen, dass er in einem unserer Retail-Locations bar bezahlen möchte. Dafür erhält er einen Amazon Paycode in Form eines QR-Codes. Zur Bezahlung legt er diesen Code und einen Ausweis zur Identifizierung vor. Wir haben ein sehr gutes Netzwerk für unser Money-Transfer-Business mit über 550.000 Locations. Und das öffnen wir jetzt für Partner wie Amazon.

"Das Marketing ist ein Schlüsseltreiber"


Das Marketing ist aufgrund seiner Datenexpertise nah dran an den Kundenbedürfnissen. Inwiefern ist es Treiber dieser Geschäftsentwicklungen?

Ein Kampagnenmotiv von Western Union. (Bild: Western Union)
Ein Kampagnenmotiv von Western Union.

Das Marketing trägt in seiner Funktion die Verantwortung für die Kundenbedürfnisse. Es ist damit bei Western Union und Western Union Business Solutions ein Schlüsseltreiber für all diese Entwicklungen. Für uns steht im Vordergrund, die herausfordernden und sich verändernden Kundenbedürfnisse zu adressieren. Wir müssen verstehen, was für eine Customer Experience die Kunden im Payment-Business von einem Payment Provider oder E-Commerce-Anbieter erwarten, wenn sie international Geld senden, Rechnungen zahlen oder shoppen. Auf der Grundlage dieses Kundenverständnisses haben wir weltweit den Privatkunden- und Geschäftskundenmarkt segmentiert und implementieren entsprechende Angebote in den Ländern. Dieses Verständnis erlaubt es uns, neue Kundensegmente zu erreichen. Das Marketing als fundamentaler Treiber dieser Entwicklung verstärkt dies mit Kommunikationsprogrammen und Marketingkampagnen.

Welche Kundensegmente adressieren Sie im B2B-Bereich?
Bei unseren Geschäftskunden fokussieren wir uns auf Segmente, die sehr komplex sein können. Das sind insbesondere Branchen, die mit Import, aber auch mit Export zu tun haben. Travel und Tourismus sowie die Automobil-Industrie sind weitere große Branchen. Der Einkauf von saisonalen Produkten ist für den Bereich Lifestyle ein großes Thema, speziell in Deutschland. Wir arbeiten außerdem mit sehr vielen Universitäten rund um die Welt zusammen, die Studiengebühren von Studenten aus verschiedenen Ländern erheben. Wir arbeiten auch mit großen Anwaltsfirmen zusammen, die z.B. internationale Patente bezahlen müssen. Es gibt eine große Bandbreite von Segmenten, denen wir mit ihren internationalen Zahlungsbedürfnissen helfen. Allen gemeinsam ist das Bedürfnis, Geld oder Payments international sicher und einfach von A nach B mit Währungsumtausch schicken zu müssen.

Inwiefern spielen die Daten, die das Marketing sammelt und zusammenführt, dabei eine Rolle?

Die Informationen über unsere Kunden und ihre Bedürfnisse sind die Grundlage für die Entwicklung effektvoller Marketingkampagnen und Kommunikationsprogramme. Durch unsere Zufriedenheitsanalysen erhalten wir Informationen darüber, welche Produkte unseren Kunden dabei helfen, ihre internationalen Payment-Bedürfnisse zu vereinfachen und effizienter zu gestalten. Wir sammeln auch Informationen über klassische Marktforschung. So finden wir etwa heraus, vor welcher Problematik ein Tourismuskonzern steht, der in vielen Ländern Kunden hat und Zahlungen einsammeln muss.
Diese grundlegenden Daten gruppieren sich alle rund um die Kundenbedürfnisse und die Informationen, die wir von unseren Kunden über Consent und Permission Marketing einsammeln dürfen. Sie treiben die Gestaltung unserer Kommunikationsmaßnahmen. Wir messen natürlich auch deren Effizienz auf einer regelmäßigen Basis, um fortlaufend die Customer Experience zu optimieren.

Wie verhindern Sie Datensilos? Wie ist das Datenmanagement organisiert?
Es gibt verschiedene Bereiche, in denen wir Daten zusammenführen. Im Geschäftskundensegment ist es wichtig zu verstehen, in welchen Industrien wir neue Kunden finden, denen wir mit unseren Business-Lösungen das Senden und Empfangen von internationalen Payments erleichtern können. Hier spielt das Marketing eine wichtige Rolle: Wir schauen uns die Customer Journey aus der End-to-End-Perspektive sehr genau an und überlegen dann, wie wir für die Akquise Awareness erreichen. Das Marketing stellt sicher, dass der Vertriebsorganisation dann die nötigen Informationen zur Verfügung stehen, um die richtigen Kunden anzusprechen. Wenn wir den Kunden überzeugt haben mit unserem Angebot, geht es um das Management der Kundenbeziehung und welche zusätzlichen Angebote wir offerieren können. Diesem Datenflow über die End-to-End Customer Journey schenkt unser Marketing sehr viel Aufmerksamkeit. Wir stellen die Informationen nicht nur dem Vertrieb, sondern auch anderen Bereichen wie Produktentwicklung, Operations oder Customer Care zur Verfügung. Wir versuchen an jedem einzelnen Kontaktpunkt die richtigen Informationen über den Kunden zu sammeln. Und adressieren die Datensilos durch diese durchgängige Transparenz.

Analytisches Knowhow und gute Teamplayer


Was müssen die Mitarbeiter an Daten-Knowhow mitbringen, die bei Ihnen im Team arbeiten? Und wie schwierig ist es für Ihren Bereich, Nachwuchs und Mitarbeiter zu finden?
Western Union als Arbeitgeber ist sehr interessant für Marketingtalente, die gerne in einem globalen Umfeld und Teams mit multikulturellem Hintergrund arbeiten wollen. Unser Unternehmen ist prädestiniert dafür, Talente in den unterschiedlichsten Regionen und Ländern der Welt zu finden. Heutzutage muss ein Marketingmitarbeiter analytische Grundkenntnisse haben, um in der Lage zu sein, Daten auszuwerten, sie sich zunutze zu machen und in Kommunikationsmaßnahmen umsetzen zu können. Analytisches Knowhow ist deshalb erwünscht.

Was ist Ihnen noch wichtig?
Bei meinen Mitarbeitern achte ich darauf, dass sie gute Teamplayer sind. Wenn man in einem globalen Unternehmen arbeitet, ist das wirklich sehr wichtig. Sie müssen auch Verständnis mitbringen für die multikulturellen Hintergründe der verschiedenen Teammitglieder. Ich achte auch sehr darauf, in das Team unterschiedliche und interessante Arbeitserfahrungen von Mitarbeitern einzubringen, die sich gegenseitig unterstützen. Ich setze die besten Eigenschaften der Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern zusammen, zu einem "World Class Marketingteam" - so spreche ich gerne über mein Team. Ich glaube, dass unterschiedliche Erfahrungen aus verschiedenen Ländern für jedes Team extrem bereichernd sind.

Sie haben ihre Karriere in Deutschland begonnen. Welche Stärken bringen denn deutsche Marketer mit in so einem globalen Team?
Sie werden vielleicht schmunzeln, aber es sind wirklich die klassischen deutschen Tugenden. Es wird sehr geschätzt, dass Deutsche sehr strukturiert und genau arbeiten. Dass sie sehr pünktlich und verlässlich sind. Wenn man zu diesen Grundlagen dann noch die Erfahrung mitbringt, in verschiedenen Organisationen und Ländern gearbeitet zu haben, dann ist das nicht nur eine Bereicherung für einen amerikanischen Konzern, sondern für jedes Unternehmen. Das schätze ich auch sehr bei meinen Mitarbeitern, dass sie Erfahrungen gesammelt haben, vielleicht sogar schon in unterschiedlichen Ländern. Dadurch haben sie die Flexibilität, in verschiedenen Bereichen arbeiten zu können.

"Man darf sich nicht einschüchtern lassen"


Viele scheuen jedoch die Arbeit in internationalen Konzernen. Wie stehen sich deutsche Marketingexperten da manchmal selbst im Weg? Was braucht es, um international Karriere zu machen?

Es ist ganz wichtig - und hier können wir einen Bogen spannen zu weiblichen Kollegen und Führungskräften - sich auf seine Stärken zu berufen und auf sein Wissen zu vertrauen. Man sollte sich eine internationale Karriere und einen internationalen Job zutrauen. Speziell in der Finanzindustrie sind viele Frauen etwas eingeschüchtert von der Dominanz der Männer in diesem Bereich. Doch gerade Frauen können mit den Werten, die sie als Talent oder Führungskraft mitbringen, einen Unterschied machen. Man darf sich nicht einschüchtern lassen. Man sollte offen für die Möglichkeiten sein, die die Globalisierung und Internationalisierung der Märkte bieten. Man muss beharrlich bleiben und darauf vertrauen, mit den deutschen Tugenden und seinen eigenen Stärken einen Unterschied machen zu können. Das habe ich nicht nur selbst erlebt, sondern auch bei meinen Mitarbeitern oder früheren Kollegen gesehen, mit denen ich eng in Europa zusammengearbeitet habe. Gerade das Marketing ist prädestiniert dafür, in eine internationale Karriere einzusteigen, weil es sehr viele große und internationale Unternehmen gibt, die auch am deutschen Markt präsent sind, wie Unilever, Nestlé oder Procter & Gamble. Gerade im Konsumgüterbereich gibt es viele Chancen, aber auch in der Finanzindustrie, denn die großen Banken sind alle international. Marketingtalente haben hier eine viel größere Möglichkeit, international Karriere zu machen als sie vielleicht selber glauben und sich zutrauen.

Welche Werte und andere Sichtweiten bringen weibliche Führungskräfte mit?

Ich glaube persönlich, dass Frauen eine andere Perspektive mitbringen, mit der sie nicht nur Daten betrachten, sondern auch das Kundenverhalten analysieren. Die Herangehensweise unterscheidet sich zum Teil. Eine andere Perspektive ist sehr bereichernd für ein Team. Es gibt z.B. viele Mütter, die Karriere machen. In dieser Rolle bringen Frauen eine Empathie in einen Industriezweig wie Financial Services, die sehr bereichernd ist. Früher hat man über emotionale Intelligenz gesprochen. Sie erlaubt es, Themen aus einer anderen Perspektive anzugehen. Deshalb lege ich in meinem Team sehr viel Wert auf einen guten Mix zwischen männlichen und weiblichen Talenten. Das hat sich immer sehr gut bewährt.

Wie groß ist ihr globales Team, wie setzt es sich zusammen? Und wie jung ist es?
Mein Team besteht aus über 60 Mitarbeitern, von denen ungefähr die Hälfte in Bereichen arbeitet, die globale Verantwortung haben. Der Rest ist in unseren Ländern rund um die Welt verteilt. Ich habe Teammitglieder in den USA, in Kanada, in England, in Frankreich, Deutschland, Österreich, in Asien, Singapur, Hongkong, Japan und in Australien. Das Team erreicht alle Zeitzonen und Kontinente. Es setzt sich zusammen aus jüngeren Mitarbeitern, die ich noch als Millenials bezeichnen möchte, aber auch aus erfahrenen Marketingmitarbeitern. Es ist ein guter Mix aus Talenten und Erfahrung.

"Man wird weltoffener"


Wie organisieren sie das Marketing über alle Kontinente und Zeitzonen hinweg?
Das ist eine Frage der Organisation. Wenn man in einem globalen Unternehmen arbeitet, dann ist eine angesprochene Flexibilität wichtig. Es sind keine klassischen "Nine-to-five Jobs". In den Offices in Amerika startet der Tag sehr früh, damit man die Chance hat, die Mitarbeiter in Europa und Asien noch zu erreichen. Dafür arbeiten die Mitarbeiter in Asien und in Australien bis später in die Nacht, um die Überlappung der Zeitzonen zu ermöglichen. Das ist wichtig für den Austausch und um Projekte voran zu treiben. Ich persönlich habe mit meinem Team einen wöchentlichen 'Jour Fixe', an dem alle Marketingleiter rund um die Welt teilnehmen. In Asien und Australien ist es dann ca. 23 Uhr und für uns an der US-Westküste sechs Uhr in der Früh. Es ist sicherlich ein anderes Arbeiten. Wenn man sich aber eine internationale Karriere wünscht und dafür offen ist, dann braucht es diese Flexibilität, um die Aufgaben erfolgreich zu managen. Das funktioniert sehr gut. Unsere Mitarbeiter haben sich darauf eingestellt und ihren Arbeitsrhythmus gefunden.

Welche Vorteile gibt es?
Von Vorteil ist, dass man im Prinzip 24 Stunden rund um die Uhr arbeiten kann, weil man die Aufgaben von einem Land in das andere übergeben kann. Bei Zeitdruck nutzen wir zum Beispiel das Konzept "Follow the sun". Das heißt, wenn jemand in Amerika am Abend den Laptop schließt, dann hat er seinen Arbeitsanteil an jemanden in Europa oder Asien weitergereicht, der die Aufgabe dann in der Früh aufnimmt und weiter vorantreibt. Das ist der große Vorteil von global operierenden Teams.

Und der Vorteil der Digitalisierung: Es gibt entsprechende Tools, um sich global zu organisieren...
Genau. Die Videokonferenzsysteme heutzutage sind sehr etabliert und weit fortgeschritten. Wir machen vieles über Videokonferenzen, was die Abstimmung und das Arbeiten miteinander extrem erleichtert.

Was bedeutet dies für Ihre Arbeitstage?
Mein Tag beginnt sehr früh und endet auch spät. Ich versuche immer alle zu erreichen. Aber es bleibt auch Zeit zwischendurch, die man sich frei einteilen kann. Es ist alles eine Frage der Organisation, und da helfen deutsche Tugenden. Ich persönlich arbeite gerne in so einem Umfeld. Es ist sehr bereichernd, mit so vielen verschiedenen Teammitgliedern rund um die Welt zu arbeiten.

Was haben Sie dadurch persönlich mitgenommen für Ihre Karriere?

Es motiviert mich, weil ich tagtäglich von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen lerne. Man wird weltoffener. Das ist definitiv einer der großen Vorteile einer solchen Karriere - nicht nur beruflich, sondern auch privat. Man wird verständnisvoller für die unterschiedlichen Herausforderungen in den Ländern. Unser Geschäftsbereich Global Payments ist getrieben von vielen Aspekten, wie dem Brexit oder den Herausforderungen an den internationalen Handel, die durch die momentane US-Regierung verursacht werden. Man lernt, mehr Verständnis aufzubringen für die andere Seite und andere Positionen. Das finde ich beruflich und persönlich sehr bereichernd. Man geht offener mit vielen Themen um.

Digitale Transformation: "Lassen Sie Mitarbeiter am Veränderungsprozess teilhaben"


Sie haben bei Western Union in den vergangenen fünf Jahren den kulturellen Wandel sehr vorangetrieben. Andere Traditionsunternehmen stehen vor denselben Herausforderungen. Was erleichtert den Übergang in der digitalen Transformation? Was kann man tun, damit es nicht ein unendlich schmerzhafter Prozess wird?
Ich war Teil des ersten Transformation Office. Es hatte die Aufgabe, die Grundlage für die notwendigen Veränderungen in der Firma zu legen und den kulturellen Wandel zu fördern, so dass Western Union auch in den nächsten 168 Jahren eine Rolle spielt im Bereich der Financial Services. Ich war auch Teil des "WU Way" Teams, das unser CEO zusammengestellt hat, um diese Veränderungen weiter voranzutreiben. Was ich gelernt habe: Es ist sehr wichtig, eine solche Aufgabe zur Veränderung nicht nur einem Teil der Organisation oder einer Abteilung zu übergeben. Stattdessen muss man sich sehr genau überlegen, wie man alle Mitarbeiter an dem Veränderungsprozess teilnehmen lassen kann. Wenn er von oben herunterdelegiert wird, ist die Erfolgschance, dass alle Mitarbeiter ihn wirklich aufnehmen, verstehen und daran teilnehmen wollen, deutlich geringer. Mitarbeiter wollen verstehen, welchen Einfluss sie haben können. Meine Erfahrung: Mitarbeiter haben prinzipiell immer gute Ideen, wie sie ihren eigenen Arbeitsbereich verbessern können. Und das haben wir erfolgreich geschafft.

Wie sind Sie vorgegangen?
Wir haben unserer Mitarbeiterbasis die notwendigen Lean- und Agile-Management-Tools zur Verfügung gestellt. So sind sie in der Lage, ihren persönlichen Verantwortungsbereich effizienter zu gestalten. Mit den Ideen, die sich daraus ergaben, konnten wir den Wandel vorantreiben. Das ist auch mein Ratschlag. Egal, in welcher Industrie man sich den Herausforderungen des Wandels stellen muss: Lassen Sie die Mitarbeiter daran teilhaben, geben sie ihnen klare Aufgaben, mit denen sie etwas beitragen können. Außerdem gibt es externe Experten und Partner, die diesen Prozess begleiten können. Das ist eine Hilfe, denn sie haben die Erfahrungswerte, was in anderen Unternehmen funktioniert hat und was nicht. Damit lässt sich die Lernkurve abkürzen, man muss nicht alle diese oft schmerzhaften Erfahrungen selber machen. Man kann lernen von anderen Unternehmen, die neue Prozesse erfolgreich implementiert haben. Der Schlüssel sind für mich jedoch die Mitarbeiter. Wenn man sie begeistern kann, ihnen die Aufgabe gibt, daran teilzunehmen und sie mit den richtigen Tools ausstattet, dann hat man eine Bewegung, die diese Wandlung im Unternehmen vorantreiben kann.

Wie weit ist Western Union auf diesem Weg?

Veränderung ist eine Konstante. Dieser Prozess wird niemals enden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und den sich immer weiter entwickelnden Kundenbedürfnissen gerecht zu werden, ist der Wandel also eine konstante Aufgabe. Wichtig ist, dass wir uns darauf konzentrieren, was wir für Vorteile gegenüber den anderen Wettbewerbern im Markt haben. Die Reichweite unseres globalen Netzwerkes für internationale Geldtransfers und Payments als Teil der "One Platform" Strategie wollen wir weiter vorantreiben. Außerdem wollen wir mit Innovationen die Customer Experience verbessern und neue Kundensegmente finden. So bleiben wir im stetigen Innovations - und Veränderungsfluss.

Und mit dem kulturellen Wandel haben sie dafür in den vergangenen Jahren die Basis geschaffen?
Genau. Wir haben über 8.000 unserer Mitarbeiter Lean-zertifiziert. Sie alle haben nun die Grundlage, ihren Arbeitsbereich zu optimieren. Darauf baut alles andere auf. Unsere Mitarbeiter behalten bei allen Veränderungen im Auge, ob der Prozess funktionieren wird oder nicht. Ob sich dadurch die Customer Experience verändert oder nicht. Wir stellen diese Fragen überall im Unternehmen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass dies weiterhin die Veränderung positiv vorantreiben wird bei Western Union.

"Im Marketing wird der Mensch immer eine Rolle spielen"


Welche Rolle spielen dabei neue Technologien im Marketing wie KI, VR, etc. Wie hat der Wandel das Marketing geformt?Wir prüfen fortlaufend, wie wir unsere internen Prozesse und Abwicklungen optimieren können. Artificial Intelligence und Robotics sind dabei Themen, die wir genau verfolgen und uns überlegen, wo sie wirklich einen Unterschied zur Verbesserung der Customer Experience machen können. Etwa bei der Gestaltung unserer weltweit über 40 Webseiten, die wir gerade überarbeitet haben. Wir schauen, wie z.B. im Hintergrund Technologien unseren Kunden helfen können, Informationen besser und einfacher zu finden. Die Digitalisierung erleichtert den Einsatz solcher Technologien.

Wo kommen sie zum Einsatz?
Die größten Erfolge sehen wir momentan im Kundenservice-Bereich, weil es da viele Prozesse gibt, die sich standardisieren lassen. Hier sind künstliche Intelligenz und Robotics schon sehr gut etabliert bei Western Union. Im Marketing benutzen wir sie im Bereich des digitalen Footprints unserer Webseiten. In der Zukunft wird es sicherlich noch mehr Möglichkeiten geben, die wir dahingehend evaluieren werden, wie wir sie am besten für die Vorteile der Kunden nutzen können.

Durch die Digitalisierung ändert sich das Berufsbild des Marketers sehr stark. Es gibt auch Ängste, dass durch die zunehmende Automatisierung Jobs wegfallen. Wie bewerten Sie die Entwicklung?
Diese Frage kommt in der Tat oft auf, getrieben von der Angst, dass Jobs wegrationalisiert werden. Ich bin jedoch der Meinung, dass man sich diese Technologien zunutze machen sollte und zwar im besten Sinne. Die größten Erfolge, und das sehen auch wir bei uns im Einsatz, gibt es in Bereichen mit sich wiederholenden Aufgaben, die simpel sind und die man standardisieren kann. Hier braucht man keinen Menschen, der etwas von links nach rechts kopiert und einen Knopf drückt. Stattdessen kann Technologie helfen, diese Aufgaben effizienter zu gestalten und zu optimieren. Sobald es jedoch darum geht, Kundendaten zu analysieren, sich Segmentierung anzuschauen, daraus Schlüsse zu ziehen oder die Kreation einer Kampagne zu gestalten, sind wir noch sehr, sehr weit entfernt davon, dass KI den Marketer ersetzt. Hier haben Erfahrung und die Marktsituation einen großen Einfluss. Vielleicht wird künstliche Intelligenz in 100 Jahren soweit sein, dass sie wirklich intelligent einige dieser Aufgaben übernehmen und Entscheidungen treffen kann, aber ich glaube, dass im Marketing der Mensch immer eine Rolle spielen wird.

Ihr Rat?
Heute sollten wir die Künstliche Intelligenz nutzen für simple Aufgaben, die man schnell abarbeiten kann und die nicht viel Anstrengung verlangen. Dadurch lässt sich der Ablauf effizienter und schneller gestalten. Für die meisten Aufgaben wird jedoch immer ein Marketer gebraucht. Ich vertraue sehr auf eine gute Koexistenz mit den Technologien, die sich der Mensch zunutze machen kann.

Marketing ist eben mehr als Datenmanagement…
Notwendig ist die Einschätzung einer Person, um von den Daten etwas ableiten zu können. Speziell in komplexen Bereichen, wie internationalen Zahlungsbewegungen. Hier gibt es nach wie vor gewaltige Aufgaben, die Marketer bewältigen können. Für die einfachen Dinge können sie Technologien nutzen. Ansonsten ist es wichtig, Erfahrungen mit einzubringen, wie man mit solchen Informationen umgeht und wie man sie in einer logischen Konsequenz zusammenbringt.

Der Beruf des Marketiers wird dadurch also eher interessanter?
Das ist eine gute Zusammenfassung. Es wird definitiv eine spannende Herausforderung, speziell wenn man sich die internationalen Bewegungen anschaut und die unterschiedlichen Firmen, die hier agieren. Es wird ein interessantes Feld für Marketer bleiben. Und ich hoffe, dass es weiterhin Marketingtalente geben wird, die diese Möglichkeiten nutzen, um vielleicht in eine internationale Karriere vorzustoßen.

Zur Person: Nicole Zimmermann absolvierte ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Sie begann ihre Karriere im Consulting-Bereich der Deutschen Telekom und war ab 1999 in verschiedenen Positionen bei T-Mobile tätig, bevor sie im Juli 2007 zu Western Union als Director of Marketing für Mittel- und Südosteuropa wechselte. 2011 zog es sie nach Denver, Colorado in die Firmenzentrale von Western Union, wo sie die neugeschaffene Position als Leiterin des Teams für globale Marketingstrategie, Planung und Entwicklung neuer Kundensegmente übernahm. Derzeit ist sie als Head of Customer and Marketing im Bereich Global Payments von Western Union tätig und führt in dieser Position ein globales Marketing- und Kommunikationsteam. In ihrer Freizeit engagiert sich Nicole Zimmermann als Mentorin und Coach für weibliche Talente sowie für Diversität in Teams. Außerdem erholt sie sich gerne beim Reiten durch die Nationalparks in Colorado. Vom Magazin "Forbes" wurde sie in die Liste der 11 Frauen aufgenommen, die die Zukunft der Finanzbranche maßgeblich mitgestalten.

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