22.08.2023 - Mit generativen KI-Systemen zieht eine neue Generation von künstlicher Intelligenz in Marketing und Onlineshops ein. Damit erhöht sich der Professionalisierungsdruck - kleinere Händler drohen abgehängt zu werden.
von Dominik Grollmann
Künstliche Intelligenz und E-Commerce? Im Prinzip ist das ein alter Hut. Machine Learning Algorithmen finden sich schon seit Jahren in Recommendation Engines, Analytic-Tools, Newsletter-Werkzeugen oder der Customer Journey Analysis. Und trotzdem lässt der aktuelle Hype um generative KI-Anwendungen auch den Online-Handel nicht kalt. Nicht nur, weil ChatGPT oder Midjourney erneut ein Schlaglicht auf das Thema Künstliche Intelligenz im allgemeinen geworfen haben. Sondern auch, weil sie tatsächlich neue Anwendungsfelder erschließen: Generative KI ermöglicht es erstmals (scheinbar) neue und (scheinbar) originäre Inhalte - seien es Texte, Bilder oder Videos - zu erzeugen.
Das kann für den Online-Handel ganz handfeste Vorteile bringen. "KI ist taktisches Gold. Stichwort: Kreation mit GPT als Standard-MarTech Feature! Das ist eine große Sache", meint etwa Nils Weber
, Geschäftsführer von Valantic Digital Marketing & CRM
, und ergänzt: "Das stellt CMOs allerdings vor mindestens zwei Herausforderungen. Erstere sind rechtlicher Natur. Die Zweitere betrifft die Reallokation der kognitiven Leistungskraft von Teams auf Strategie-Themen." Bedeutet: Während sich sich operative Aufgaben vermehrt an eine KI auslagern lassen, müssen sich die menschlichen Mitarbeiter ganz den strategischen Aufgaben widmen.
Bild: ParcelLab
Wie das funktionieren kann, zeigte Philipp Göller
, Chef der auf E-Commerce und KI spezialisierten Softwarefirma Paraboost
aus Markgröningen jüngst auf der virtuellen ONEtoONE-Konferenz "Daten und KI
": Mittels ChatGPT ließ er den kompletten Produktkatalog eines Onlinehändlers danach bewerten, welche psychologischen Bedürfnisse die einzelnen Artikeln bei den Kunden ansprechen (Grundbedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Individualbedürfnisse, Selbstverwirklichung). Anhand dieser Information konnte Göller die Besucher in verschiedene Zielgruppen segmentieren, gezielt ansprechen und präzise Kaufvorhersagen sowie Berechnungen des Customer Lifetime Value (CLV) anstellen. Das vorhandene Werbebudget ist so stets optimal eingesetzt.
Bild: Shopmacher
Solche Beispiele illustrieren, warum KI bei der Datenanalyse und der Generierung dynamischer, personalisierter Inhalte "ein absoluter Gamechanger" ist, wie Dimitri Gärtner
, CEO & Co-Founder des Werbedienstleisters Framen
betont: "Durch die vielfältigen Anwendungen hebt KI das Marketing auf eine neue, personalisierte Ebene und ermöglicht zielgruppengerechte Werbestrategien und -kampagnen."
Dieser Aspekt ist es auch, den Lukas Rintelen
, Gründer und Geschäftsführer von Tucan.ai
, besonders hervorhebt. Die schnelle Datenanalyse mit Hilfe von KI wird in seinen Augen den entscheidenden Vorteil bringen: "Spezialisierte KI-Technologien sind von großem Wert, um Marketingkampagnen zu schärfen, die Wahrnehmung von Produkten und Marken besser zu verstehen und Szenarien zu erstellen oder Trends zu analysieren."
Bild: Salesupply
Aber auch hier gilt: "Der Mensch hinter der Maschine bleibt nach wie vor unersetzbar", so Schulze. Denn: "Nur wer gute Prompts textet, erhält auch gute Resultate. Und auch die Content-Pflege nimmt einem noch keine AI ab." Letztlich lockt also auch beim Thema SEO eher die Ergebnisverbesserung, als um die Kosteneinsparung.
Anders sieht es aus, wenn es um Geschäftsprozesse geht. "KI ist auch im Versandprozess hilfreich, beispielsweise, um Vorhersagen zu voraussichtlichen Lieferterminen zu treffen", hat Anton Eder
, COS und Co-Founder von ParcelLab
, Kommunikationsplattform für Post-Purchase-Experience erkannt. "Das spart nicht nur Kosten, sondern ist ein zusätzlicher Kundenservice, der sich doppelt auszahlt." Womit sich ein Kreis schließt. Denn auch im direkten Kundenkontakt lassen hervorragend Kosten senken. "Etwa 50 Prozent aller Anfragen sind Lieferstatusabfragen. Hier kann AI den Kundenservice entscheidend entlasten", rät Henning Heesen
, Gründer und Geschäftsführer von Salesupply
, einem E-Commerce Dienstleister für Kundenservice und Fulfillment. "Die smarte Kombination von Mensch und Maschine öffnet in Sachen Prozesseffizienz ganz neue Möglichkeiten."
Etwa eines von acht Unternehmen setzt bereits KI ein, jedes zehnte denkt darüber nach.
Mischenrieder Weg 18
82234 Weßling
Tel.: +49 (0) 89-57 83 87-0
Fax: +49 (0) 89-57 83 87-99
E-Mail: info@onetoone.de
Web: www.hightext.de