Pro-Bono-Aktion

Kreation für die "Homeless Gallery": "KI war nur das Werkzeug"

Die 30 Kunstwerke werden für den guten Zweck versteigert. (Bild: Mantikor/Philipp und Keuntje)
Die 30 Kunstwerke werden für den guten Zweck versteigert.

02.03.2023 - In Hamburg sorgt die "Homeless Gallery" des Obdachlosen-Straßenmagazins "Hinz&Kunzt" für Aufsehen, eine sehr besondere Jubiläumsaktion, an der viele Hamburger Agenturen mitwirkten - sowie Künstliche Intelligenz. Das Wichtigste für die 30 Kunstwerke lieferten aber die Betroffenen selbst. ONEtoONE hat mit den Kreativen Lara von Kroge (Philipp und Keuntje) sowie Falk Poetz (Mantikor) über die Pro-Bono-Aktion und den Einsatz von KI in der Kreation gesprochen.

von Frauke Schobelt

Seit bereits 30 Jahren setzt sich das Straßenmagazin "Hinz&Kunzt" für obdach- und wohnungslose Menschen in Hamburg ein. Dieses Jubiläum feiern die Helfer und Helferinnen mit einer besonderen Aktion: Die Kunstausstellung "Homeless Gallery" zeigt 30 Kunstwerke   , die von aktuell oder ehemals Obdachlosen aus Hamburg geschaffen wurden - mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI). Ihre Lebensgeschichten liefern die Basis und Inspiration. Nach einer Wanderausstellung quer durch Hamburg sind die Bilder zunächst in der Hamburger Kunsthalle   zu sehen, bevor sie schließlich versteigert werden. Der gesamte Erlös fließt in die Arbeit des Hamburger Straßenmagazins.

Die 'Homeless Gallery' war zunächst an öffentlichen Orten in Hamburg zu sehen. (Bild: Mantikor/Philipp und Keuntje)
Die 'Homeless Gallery' war zunächst an öffentlichen Orten in Hamburg zu sehen.


Neben der Hilfsorganisation und der Kunsthalle haben viele verschiedene Hamburger Agenturen und Dienstleister an dem Projekt mitgewirkt, darunter auch die Kreativagenturen Mantikor   und Philipp und Keuntje (PUK)   . ONEtoONE hat mit Lara von Kroge, Account Director (PUK) und Falk Poetz, Geschäftsleitung Kreation (Mantikor) über das Projekt gesprochen.

Die Pop-up-Ausstellung lief bis zum 26. Februar - an Orten, an denen sich Obdachlose aber Kunstfreunde eher nicht aufhalten. Wie war die Resonanz?

Lara von Kroge (Bild: PUK)
Lara von Kroge

Lara von Kroge, PUK: Die BesucherInnenzahlen waren enorm und gehen in die Tausende. Hinzu kommen all die, die die Homeless Gallery über Social Media verfolgt haben. Wir hatten sowohl BesucherInnen, die zufällig bei der Ausstellung vorbeikamen, als auch BesucherInnen, die gezielt aufgrund der Aufrufe in den sozialen Netzwerken gekommen sind. Auch die DOOH-Kampagne war erfolgreich. Das Feedback der GaleriebesucherInnen war durchweg positiv. Viele von ihnen betonten, bewegt von dem Projekt zu sein und das Thema Obdachlosigkeit mit anderen Augen zu sehen. Es wurde auch der Wunsch geäußert, dass die Aktion verlängert oder wiederholt werden sollte.

Falk Poetz (Bild: Mantikor)
Falk Poetz

Die Kunstwerke der "Homeless Gallery" sollen nach der Zwischenstation in der Kunsthalle Hamburg versteigert werden. Wie gefragt sind KI-basierte Kunstwerke? Welche Erlöse erhoffen Sie sich?
Falk Poetz, Mantikor: Die KI ist nur ein Teil der Kunsterstellung gewesen. Es handelt sich um ein Konzept-Kunstwerk das auch die 'Spuren der Straße' beinhaltet. KI-Kunst ist momentan ein Hype-Thema. Mithilfe unserer Partner, der Hamburger Kunsthalle   und dem renommierten Auktionshaus Christie's   erhoffen wir uns eine erfolgreiche Auktion. Da es ein Projekt wie dieses in der Vergangenheit so noch nie gegeben hat, kann der Erlös nicht sicher prognostiziert werden. Wir erhoffen uns aber natürlich viele Verkäufe, die den 'Hinz&KünztlerInnen' zu Gute kommen.

Die wichtigsten KritikerInnen sind die "Hinz&KünstlerInnen", auf deren Lebensgeschichten die KI-Kunstwerke basieren. Wie haben sie auf die eigenen Bilder reagiert?
Lara von Kroge, PUK: Die Rückmeldungen der 'Hinz&KünztlerInnen' waren super positiv. Sie sind stolz auf ihre Bilder und haben vielfach geäußert, dass ihnen diese Form des Ausdrucks und der Sichtbarkeit sehr wichtig ist. In einem Fall war der Hinz&Künztler mit seinem Bild nicht einverstanden. Dieses Ergebnis haben wir transparent gemacht und das Kunstwerk mit einem Hinweis in die Ausstellung aufgenommen, was den Hinz&Künztler wiederum sehr gefreut hat.

Die "Homeless Gallery" ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem auch viele Hamburger Kreativagenturen beteiligt sind. Wie lief die Zusammenarbeit? Wie viel Aufwand und Herzblut steckt in dem Projekt?
Falk Poetz, Mantikor: Die Homeless Gallery haben wir zusammen mit Philipp und Keuntje zum 30-Jährigen Jubiläum von Hinz&Kunzt entwickelt. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit von Hinz&Kunzt, der Hamburger Kunsthalle und verschiedenen Hamburger Agenturen - FischerAppelt   , Ligalux   und Mediaplus   - sowie Partnern wie u.a. Studio Gundlach   , Hooked Music GmbH   , Hastings   und Ströer   . Die Idee dazu haben Philipp und Keuntje und Mantikor im "Creative Room" entwickelt - eine Methode der kollaborativen und interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Agenturen, KundInnen, DienstleisterInnen, PartnerInnen und ExpertInnen.

Wir haben in weniger als zwei Monaten eine integrierte Kampagne mit Print, Merchandise, Website, KI-Kunst, Photography, Social Media, OOH, DOOH, Event, Radio, Film, Guerilla-Stunts, PR und Komposition von Null auf die Straße gebracht. Was manchmal vielleicht etwas wild erschien, ist eine der am tiefsten exekutierten Kampagnen, an der ich je mitwirken durfte. Das hier ist nicht mehr nur Werbung, sondern wir haben ein echtes Gesamtkunstwerk geschaffen. Besonders die Begegnungen und Gespräche während der Erstellung aber auch auf der Straße haben viele beeindruckt. Diese Eindrücke werden bleiben.

Seit 30 Jahren kümmert sich Hinz&Kunzt um Obdachlose und seit Jahren unterstützen Agenturen pro bono dieses Engagement. Wie wichtig ist die kreative Unterstützung für das Fundraising der Organisation, das in Krisenzeiten wie diesen noch herausfordernder ist?
Lara von Kroge, PUK: Kreative Kampagnen und Projekte können die Arbeit von 'Hinz&Kunzt' sehr gut ergänzen, neue Impulse setzen und - wie im Fall der Homeless Gallery - ein Momentum schaffen. Die Hilfe für Obdach- und Wohnungslose hat maximale Aufmerksamkeit verdient! Es erfüllt uns mit Stolz, dass wir zusammen mit Mantikor diese großartige Idee entwickelt haben und mit unserer Expertise Aufmerksamkeit erzeugen konnten.

Die "Homeless Gallery" zeigt auch, welches Potenzial in KI-Technologien für die Kreativarbeit steckt. Welche Technologie kam hier zum Einsatz? Und werden solche Tools für Kreative zur Norm?
Falk Poetz, Mantikor: In KI-Technologien steckt enormes Potenzial. Doch sie allein hat keinen Wert an sich. Es war auch nicht nur eine Technologie, sondern mehrere in Kombination. Die Kunstwerke der Homeless Gallery wurden nicht von einer KI erstellt, sondern von einem sechsköpfigen Kreativteam zusammen mit den "Hinz&KünztlerInnen". KI war nur das Werkzeug. Die kürzeste Erstellung dauerte dabei etwa eine Stunde, die längste mehrere Tage. Es war ein Prozess, der sehr persönlich und fordernd war. Doch das Wichtigste ist, dass die Kunstwerke 30 individuelle Geschichten erzählen. Erst diese machen sie so bedeutend.

Jörn Sturm , Geschäftsführer von Hinz&Kunzt, bei der Eröffnung der 'Homeless Gallery' (Bild: Mantikor/Philipp und Keuntje)
Jörn Sturm , Geschäftsführer von Hinz&Kunzt, bei der Eröffnung der 'Homeless Gallery'

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