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Dr. Dieter Zorn über Verbandsquerelen

20.10.1998 - Kolumne

Das Sommerloch existiert nicht nur für Politjournalisten, sondern auch für Fachredakteure, wie man im August lesen konnte. Zunächst mußte der Verfasser vormittags dementieren, daß er der neue Präsident des DDV werde. Und nachmittags noch einmal: Nein, man habe ihm auch nicht das Amt des FEDMA-Präsidenten angetragen. Ob er es sich denn überlegte, wenn die Frage gestellt werde? Verblüffung: Wie jetzt? Das eine Amt vormittags und das andere nachmittags?

Nun ist der Sommer vorüber - der Ernst kehrt wieder ein in die Agenturräume und die Amtsstuben der Verbände. Und man wird erkennen müssen, daß man bei der DDV-Strukturreform falsch gedacht hat. Die angestrebte Lösung lautete: Wir wollen einen geschäftsführenden Präsidenten und nicht einen Geschäftsführer und einen Präsidenten wie bisher.

Dieser neue Vorturner für die über 800 Verbandsmitglieder soll die Geschäfte führen, Visionen entwickeln sowie Repräsentationsaufgaben wahrnehmen. Und natürlich den immerwährenden Zwist zwischen der heterogenen Mitgliedschaft im Zaume halten.

Wer die lautstark ausgetragenen Verbandsquerelen der letzten fünfzehn Jahre hautnah miterlebt hat, muß sich da allerdings fragen: Wo, um Gottes willen, soll dieser Mensch herkommen? Eigentlich kann er nur vom Mond kommen, wenn er diesen Job nichtsahnend annimmt. Aber will man den Mann vom Mond als neuen Präsidenten? Also wird man nach der Sommerpause neu überlegen müssen, wie man den Posten besetzt.

Zwei Denkmodelle bieten sich an. Erstens das ganz alte und zweitens ein ganz neues. Das alte lautet: Man nehme einen Geschäftsführer, der Ahnung hat, und bezahle ihn sehr ordentlich - das heißt inklusive Schmerzensgeld - damit er die Geschäfte wirklich führt. Hinzu addiere man eine Persönlichkeit mit Branchenkenntnis und Ausstrahlung, bezahle ihr eine Aufwandsentschädigung (das wäre neu) und wähle sie für drei Jahre. Fertig ist das schlagkräftige Team. Klingt vertraut und hat sich bewährt.

Das zweite Modell sieht ebenfalls einen Geschäftsführer vor und darüber einen Präsidenten für ein Jahr sowie seinen Vorgänger und seinen Vorvorgänger. Diese drei Präsidenten - also die Herren Neff, Lammoth und der Neue - unterstützen sich, wo sie nur können. Das Ganze setzt sich in die Zukunft fort wie die Reise nach Jerusalem. Mit einem Unterschied: Keiner sitzt am Ende zwischen den Stühlen. Begründung für dieses Modell: So könne man sicherstellen, daß der richtige Mann gefunden werde, da er nur für ein Jahr im Amt sein müßte und die tatkräftige Unterstützung seiner Vorgänger hätte. Die Frage ist doch nur: Wer will das? Womit wir wieder beim Sommerloch wären und uns die Frage stellen müssen: Warum hat dieser Verband auch im Sommer 98 einfach keinen neuen Präsidenten gefunden? Denken Sie mal darüber nach! Wir sehen uns auf der DIMA.

Ihr Dieter Zorn

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