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Turkçe Konusuyormusun? Sprechen Sie türkisch?

15.05.2000 - Online-Communities für Türken in Deutschland gestartet - Ethno-Marketing erfasst das Web

Die Türken in Deutschland sind nicht mehr nur Arbeitskräfte. Sie sind für die Werbebranche zur attraktiven Zielgruppe geworden und werden entsprechend umworben. Die Zauberformel hierfür heißt Ethno-Marketing - und erfasst nun auch das deutschsprachige Internet.Vaybee ist türkisch, bedeutet in etwa "Wouw" und ist zugleich der Name der nach Eigenangaben ersten "türkischen Community" im deutschen Web. Das Potenzial hierfür ist groß, denn rund 2,6 Millionen Türken leben in Deutschland. Viele von ihnen sind hier geboren und aufgewachsen, kennen die deutsche Lebensweise und sprechen sowohl deutsch als auch türkisch. Mancher von ihnen hat mit der Sprache der Eltern seine Probleme - da verwundert es nicht, dass Vaybee zweisprachig auftritt. Doch die Maßnahme hat auch den Hintergrund, deutschsprachige Teilnehmer in die Community einzubinden.

Beeindruckend ist auf jeden Fall der Start: Innerhalb von zwei Wochen nach dem Launch des Kölner Start-ups Anfang Mai registrierten sich nach Angaben von Tamer Kulmac, zuständig für Marketing und Business Development, rund 10.000 User. Ein Ende des jungen Erfolgs ist nicht abzusehen, im Gegenteil: "Wir wollen uns global entwickeln", so Kulmac. Langfristig werde Vaybee.de auch in die Schweiz, Österreich und andere europäische Länder mit türkischsprachigen Einwohnern expandieren. In Anlehnung an das Vorbild der spanischsprachigen Ethno-Portale uole.com und terra.com in den USA erwartet den Nutzer ein Lifestyle-Angebot in Form von News, Trends und Meinungsaustausch. Langfristig, so Kulmac, schließe man auch E-Commerce-Angebote nicht aus.

Soweit will die Türkinfo Consulting in Hürth noch nicht gehen. Das nun offiziell der Öffentlichkeit vorgestellte gleichnamige Portal macht einen strengeren, wissenschaftlichen Eindruck, befindet sich aber noch in der Testphase. Die Absicht ist aber identisch: "Es ist ein Kommunikationsinstrument für Türken in Deutschland", so Mitgründer Ziya Pir, und wie Vaybee fährt auch Türkinfo auf der Schiene der Zweisprachigkeit. Immerhin bis zu 1.500 Nutzer hat Türkinfo bislang gewonnen. Das macht das Portal für die Werbeindustrie noch nicht so attraktiv, die Betreiber profitieren indes von eigenen Dienstleistungen: Türkinfo entwickelt Marketingmaßnahmen für deutsche Unternehmen, u.a. RTL Stockworld.

Türkinfo kooperiert mit Alo Vatan, einem Wuppertaler Telekommunikationsanbieter für Gespräche in die Türkei. Alo Vatan war bereits im März mit dem nach Eigenangaben bundesweit ersten zweisprachigen Portal gestartet, doch blieb der Besucherstrom aus. Branchen-Insider munkelten von nur wenigen tausend Nutzern, obwohl Alo Vatan attraktive Serviceleistungen wie Verzeichnisse türkischsprachiger Ärzte versprach. Die Portale sind eine potenziell hervorragende Plattform für die Zielgruppenansprache. Vaybee und Türkinfo wollen sich denn auch über Web-Banner mit entsprechendem Content finanzieren. Zudem, Türkinfo macht es vor, besteht die Möglichkeit, den Unternehmen die Konzeption der Werbung gleich mit anzubieten.

Denn Expertise im Umgang mit den türkischen Konsumenten ist Pflicht: Es reicht nicht, das Mailing oder die Homepage eins zu eins zu übersetzen.Die türkischsprachige Zielgruppe kann nur bedingt mit den klassischen Werbeinhalten erreicht werden. Atilla Ciftçi, Inhaber der Berliner Werbeagentur Beys: "Das Problem ist, dass die Leute zwei Identitäten in sich haben." Dies betrifft vor allem die Türken der zweiten und dritten Generation mit einer deutsch geprägten Lebensumgebung und Eltern, die ihnen türkische Werte vermitteln. Werbeexperten müssen dies berücksichtigen. Ciftçi betont, dass die spezifische Werbung nicht in türkischer Sprache gestaltet sein muss - aber sie muss Elemente enthalten, die das türkische Lebensgefühl ansprechen, zum Beispiel türkische Musik. "Wir verlieren eben nicht die Kultur der Eltern", resümiert Kulmac.

Wie wenig man eigentlich über die Zielgruppe der Türken weiß, hat auch Ziya Pir festgestellt: "Manche Unternehmen wussten gar nicht, was ethnisches Marketing ist. Man kam nie auf die Idee, dass man das Werbeplakat auch auf türkisch machen könnte." Ciftçi konstatiert auch eine gewisse Unsicherheit: "Die Unternehmen agieren sehr vorsichtig." Und oftmals seien es nur kleine Etats. "Das Wichtigste für die Unternehmen ist, dass ihr normales Image bei den Deutschen nicht beschädigt wird. Darum sind sie sehr bemüht, die Werbung nur in türkischsprachigen Medien zu platzieren."

Vielleicht hängt diese Vorsicht auch mit Unkenntnis zusammen. Es existiert eigentlich keine detaillierte Studie über das Konsumverhalten der Türken. TNS Emnid in Bielefeld hat vor ein paar Tagen eine Umfrage gestartet. Über Telefoninterviews sollen rund 1.000 Testpersonen unterschiedlichen Alters Auskunft geben. Die Ergebnisse werden im Juli verfügbar sein. Vaybee selbst ließ eine Studie erarbeiten, wonach 48 Prozent der Türken unter 29 Jahre alt sind. Die türkischen Familien lassen 97 Prozent ihres Geldes in Deutschland und - sie haben viel Geld gespart, nach Angaben von Ziya Pir etwa 150 Milliarden Mark: "Jedes Jahr werden es sechs Milliarden Mark mehr. Das sind die Konsumenten, die Geld haben." Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Studie gibt aber Tamer Kulmac wieder: "Markenartikelhersteller finden in der türkischen Community eine attraktive Zielgruppe." Ein türkischer Student liefert die Erklärung gleich mit: "Die Türken sind nun mal sehr eitel."

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