Code bestimmt die Zukunft der Industrie. Wenn sich vom 20. bis zum 24. April wieder rund 3.500 Aussteller aus Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie Energiewirtschaft auf dem Messegelände in Hannover versammeln, steht die industrielle Transformation im Mittelpunkt. Die Hannover Messe
versteht sich traditionell als Seismograph der globalen Industrie - in diesem Jahr stellt sie Digitalisierung erstmals als verbindendes Prinzip aller Themenbereiche in den Vordergrund.
Industrielle Wertschöpfung verschiebt sich ins Digitale
"Jetzt ist die Zeit zu handeln und konsequent in neue Technologien zu investieren. Wer heute mutig in KI, Automatisierung und digitale Systeme investiert, schafft die Grundlage für Effizienzsprünge, Resilienz und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit", sagt Jochen Köckler
, Vorstandsvorsitzender des verantwortlichen Betreibers
Deutsche Messe AG
. Die industrielle Wertschöpfung verschiebt sich zunehmend in Richtung digitaler Systeme. Produktionsanlagen liefern kontinuierlich Daten, digitale Zwillinge simulieren Prozesse vorab und Plattformen koordinieren Lieferketten in Echtzeit. Künstliche Intelligenz übernimmt dabei immer häufiger die Rolle eines zentralen Steuerungsmechanismus. Sie analysiert Produktionsdaten, erkennt Muster und passt Prozesse automatisch an - eine Entwicklung, die Produktionssysteme flexibler und effizienter macht. Mit der richtigen Software können Unternehmen ihre Daten intelligent nutzen, Produktionsprozesse schneller optimieren, Ressourcen effizienter einsetzen und neue Geschäftsmodelle entwickeln.
Europäische Cloud-Lösungen für die digitale Souveränität
Mit dem Fokus auf Datenplattformen und Cloud-Services rückt auch die Frage der digitalen Souveränität stärker in den Mittelpunkt. Anbieter wie
Schwarz Digits
oder
Ionos
präsentieren Lösungen für europäische Cloud-Infrastrukturen, die Industrieunternehmen unabhängiger von globalen Plattformen machen sollen.
Top-Trends der Hannover Messe 2026
- Künstliche Intelligenz für Produktionssteuerung
KI analysiert Produktionsdaten in Echtzeit und optimiert Abläufe automatisch - vom Shopfloor bis zur Lieferkette.
- Physical AI und lernfähige Robotik
Roboter entwickeln sich von starren Automatisierungssystemen zu flexiblen, KI-gestützten Produktionshelfern.
- Digitale Zwillinge und Simulation
Virtuelle Modelle von Fabriken ermöglichen es, Produktionsprozesse zu testen und zu optimieren, bevor sie real umgesetzt werden.
- Software als Wettbewerbsfaktor
Industriesoftware verbindet Maschinen, Daten und Menschen zu integrierten Produktionsplattformen.
- Neue Innovationsökosysteme
Startups, Forschungseinrichtungen und Industrie arbeiten enger zusammen, um neue Technologien schneller in die Praxis zu bringen.
Dass sich klassische Industrien in digitale Plattformökosysteme verwandeln, zeigt sich besonders im Bereich Automatisierung. Hier verschmelzen Software und Hardware immer stärker.
"Automatisierung und Digitalisierung rücken räumlich und inhaltlich enger zusammen", erklärt Hubertus von Monschaw
, Global Director Trade Fair and Product Management der Hannover Messe.
"Software und Hardware wachsen in der Industrie immer stärker zusammen - von KI-gesteuerten Robotern über datenbasierte Fertigungsoptimierung bis hin zu digitalisierten Lieferketten." Für Unternehmen bedeutet das einen grundlegenden Perspektivwechsel.
Digitale Zwillinge simulieren ganze Fabriken
Produktionssysteme werden nicht mehr nur mechanisch optimiert, sondern softwareseitig weiterentwickelt. Digitale Zwillinge ermöglichen beispielsweise Simulationen kompletter Fabriken, bevor eine Anlage überhaupt gebaut wird. In den Hallen wird diese Verschmelzung besonders deutlich im Bereich Industriesoftware. Hier präsentieren Anbieter wie
Dell
und
Comarch
oder der Frankfurter Verein
Industrial Digital Twin Association (IDTA)
Lösungen für digitale Zwillinge, Produktionsplanung, Anlagensteuerung und Datenanalyse. Moderne Softwareplattformen verbinden Maschinen, Menschen und Prozesse zu einem integrierten System - vom Design über die Fertigung bis zur Wartung. Der Wettbewerb entscheidet sich zunehmend an der Datenfähigkeit der Unternehmen: Wer Produktionsdaten in Echtzeit auswertet und seine Prozesse dynamisch steuert, kann schneller auf Marktveränderungen reagieren und Ressourcen effizienter einsetzen. Technologien wie Edge Computing, Industrial Internet of Things (IIoT) oder KI-gestützte Analytics-Tools bilden dafür die Grundlage.
Lernfähige Roboter als neue Mitarbeiter
Damit entstehen neue Spielräume für Innovation - und neue Anforderungen an digitale Kompetenzen. Besonders sichtbar wird diese Entwicklung in der Robotik. Während klassische Industrieroboter lange Zeit auf exakt definierte Aufgaben beschränkt waren, entwickeln sich moderne Systeme zunehmend zu lernfähigen Maschinen. Künstliche Intelligenz ermöglicht es Robotern, ihre Umgebung zu analysieren und flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Humanoide Systeme oder autonome mobile Roboter können sich in bestehende Produktionsumgebungen integrieren, ohne dass diese komplett umgebaut werden müssen. Fortschritt liegt dabei weniger in der Mechanik als in der Software. Simulation, Datenanalyse und virtuelle Inbetriebnahme ermöglichen es, Roboter schneller zu trainieren und neue Produktionsprozesse zu testen, ohne reale Anlagen zu stoppen.
Jochen Köckler, Vorstand der Deutschen Messe AG
Bild: Deutsche Messe AG/Ole Spata
Erstmals spielt auf der Messe das Konzept der "Physical AI" eine zentrale Rolle - also KI-Systeme, die direkt mit der physischen Welt interagieren, etwa in Robotern oder Maschinen. "KI wird damit zur produktiven Kraft in der Fabrik - insbesondere bei industriellen und humanoiden Robotern", sagt Köckler. Wie diese Entwicklung praktisch aussieht, zeigen zahlreiche neue Aussteller. Unternehmen wie Rockwell Automation
, Bosch Connected Industry
, Agile Robots
oder Schwarz Digits präsentieren Lösungen rund um intelligente Automatisierung, vernetzte Produktion und KI-basierte Plattformen. Neben Technologiekonzernen wie AWS
, Microsoft
, SAP
, Schneider Electric
oder Siemens
sind auch viele mittelständische Spezialisten vertreten - etwa Beckhoff
, Festo
, Harting
oder Phoenix Contact
.
Wie stark KI und Robotik inzwischen auch außerhalb der klassischen Industrie eingesetzt werden, zeigt der Robotics Award
der Hannover Messe. 2026 ging die Auszeichnung an das Hamburger Startup GoodBytz
. Dessen automatisierte Roboterküche
nutzt KI-gestützte Planung, um mehrere Bestellungen parallel zu koordinieren und Mahlzeiten effizient zuzubereiten.
Eine ganze Halle für Prototypen
Ein zentraler Ort für neue Technologien ist Halle 11 (hier der
Hallenplan
) der Messe, in der Forschungseinrichtungen, Universitäten und junge Unternehmen ihre Ideen für die Fabrik der Zukunft präsentieren. Die Themen reichen von Bionik und Nanotechnologie über neue Materialien bis hin zu Quantencomputing. Mehr als 200 Startups zeigen Lösungen für Energiemanagement, industrielle KI-Plattformen oder Predictive Maintenance.
"Fortschritte wie Künstliche Intelligenz, Cobots und hochbelastbare, ultraleichte Werkstoffe unterstreichen die Bedeutung von Forschung und Entwicklung in der Fertigung", sagt Iris Moser, Projektleiterin Forschung & Technologietransfer der Hannover Messe.
"Sie ermöglichen effiziente, präzise und energiesparende Abläufe in Fabriken und Anlagen."
Neue Arbeitsfelder für Agenturen
Was die Hannover Messe 2026 in allen Hallen zeigt: Industrielle Transformation ist zunehmend eine digitale Plattformaufgabe. Produktionsanlagen liefern kontinuierlich Daten, Cloud- und Edge-Infrastrukturen verbinden Fabriken weltweit und KI-Systeme steuern Prozesse in Echtzeit. Hier entstehen neue Anforderungen an digitale Lösungen: von Datenplattformen über Benutzeroberflächen für industrielle Anwendungen bis hin zu digitalen Services und Plattformstrategien. Für Unternehmen aus der Digitalwirtschaft eröffnet sich damit ein wachsender Markt. Industrieunternehmen suchen Partner, die Daten aus Maschinen in nutzbare Anwendungen übersetzen, Plattformökosysteme aufbauen oder komplexe Softwarearchitekturen für vernetzte Produktionssysteme gestalten. Gleichzeitig entstehen rund um industrielle Plattformen neue Geschäftsmodelle - etwa datenbasierte Services, digitale Marktplätze oder KI-gestützte Wartungsangebote.
Top-Lineup auf der Center Stage
Neben technischen Innovationen spielt auf der Hannover Messe auch Industriepolitik eine wichtige Rolle. In Zeiten geopolitischer Spannungen, unsicherer Lieferketten und wachsender technologischer Konkurrenz rücken Fragen der wirtschaftlichen Souveränität stärker in den Fokus. Die Messe wird deshalb auch zum Treffpunkt internationaler Delegationen und politischer Entscheidungsträger. Brasilien ist 2026 Partnerland der Veranstaltung - ein Signal für neue wirtschaftliche Kooperationen und diversifizierte Lieferketten. Eröffnet wird die Messe unter anderem von Bundeskanzler Friedrich Merz
und dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva
. Auf der neuen Center Stage diskutieren Führungskräfte aus Wirtschaft, Forschung und Politik über die Zukunft der industriellen Transformation. Zu den SprecherInnen gehören unter anderem Cedrik Neike
, CEO
Siemens Digital Industries
,
Accenture
-CEO Julie Sweet
, Amy Webb
, CEO der
Future Today Strategy Group
sowie Bundesdigitalminister Karsten Wildberger
. Sie beleuchten Themen wie digitale Souveränität, industrielle KI-Strategien und die Rolle Europas im globalen Technologiewettbewerb.
Mit rund 130.000 erwarteten Besuchern und mehr als 14.000 präsentierten Technologien bleibt die Hannover Messe die wichtigste Plattform für industrielle Innovation in Europa.