Technologie-Studie

KI verschiebt den Wettbewerb im E-Commerce

15.06.2026 - Mehr als die Hälfte der Deutschen hat bereits Chatbots oder KI-Assistenten in Online-Shops genutzt.

von Susan Rönisch

Das geht aus einer Studie von kernpunkt   und commercetools   hervor.

Demnach können sich 65,8 Prozent der Befragten vorstellen, Künstliche Intelligenz für die Produktsuche einzusetzen. 65,6 Prozent sehen Potenzial bei Produktvergleichen, 60 Prozent bei Kaufempfehlungen. Bereits 57,2 Prozent haben entsprechende Systeme in Online-Shops genutzt. Den direkten Kauf von Produkten über KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Claude können sich 36,7 Prozent vorstellen.

Die höchste Akzeptanz erzielen KI-Anwendungen dort, wo sie Kunden bei der Orientierung und Entscheidungsfindung unterstützen. Nach Einschätzung der Studienautoren verschiebt sich damit ein Teil des Wettbewerbs um Sichtbarkeit bereits in die digitale Kaufvorbereitung. Händler müssten Produktdaten, Preise und Verfügbarkeiten so strukturieren, dass diese von KI-Systemen zuverlässig verarbeitet werden können.

Besonders offen für KI-gestützte Beratung mit anschließendem Online-Kauf zeigen sich Verbraucher bei Reisen und Unterkünften (48,7 Prozent), Consumer Electronics und Technik (47,9 Prozent) sowie Büchern, Medien und Unterhaltung (45,7 Prozent). Auch in den Bereichen Sport, Freizeit und Hobby sowie Tickets und Veranstaltungen liegt die Zustimmung bei über 40 Prozent.

Große Entwicklungspotenziale sehen die Studienautoren in Kategorien mit bislang vergleichsweise geringer Online-Reife. So liegt die Bereitschaft für KI-gestützte Beratung mit anschließendem Online-Kauf im Bereich Heimwerken und Garten bei 40,5 Prozent, obwohl bislang nur 15,3 Prozent diese Kategorie überwiegend online kaufen.

"AI im E-Commerce wird zuerst dort relevant, wo Kundinnen und Kunden bereits heute Unterstützung bei der Suche, dem Vergleich und der Auswahl erwarten", sagt Matthias Steinforth , Geschäftsführer von kernpunkt. Sichtbarkeit in KI-gestützten Empfehlungen beginne mit strukturierten Produktdaten und AI-fähigen Commerce-Systemen.

Gleichzeitig zeigt die Studie Vorbehalte gegenüber KI-Empfehlungen. 56,4 Prozent der Befragten befürchten, dass KI-Systeme bevorzugt bezahlte oder beeinflusste Produktempfehlungen ausspielen könnten. Transparenz und Datenqualität werden damit zu wichtigen Vertrauensfaktoren für Händler und Marken.

"AI wird vor allem jetzt relevant, weil Produktsuche, Beratung und Kaufvorbereitung neu gedacht werden müssen", sagt Marco Lambrecht , Senior Sales Director bei commercetools. Dafür seien flexible Commerce-Architekturen erforderlich, die neue digitale Touchpoints schnell integrieren können.

Eine ergänzende Befragung von 17 E-Commerce-Experten unterstreicht die strategische Bedeutung der Entwicklung. 94,1 Prozent erwarten eine starke oder sehr starke Verlagerung der Produktsuche hin zu KI-Interfaces. 88,2 Prozent sehen Anbieter solcher Interfaces künftig als zentrale Instanzen im Kundenzugang.

"Der Warenkorb wandert nicht zuerst in AI-Assistenten ab, sondern der Kundenzugang verschiebt sich", sagt Mike Schnoor , Head of Marketing bei kernpunkt und Studienleiter. Entscheidend sei künftig, ob Marken und Händler in KI-gestützten Entscheidungssituationen mit den richtigen Daten und Angeboten präsent seien.

Die Studie basiert auf einer Online-Befragung von 1.001 Personen in Deutschland zwischen dem 17. und 27. März 2026 sowie einer Expertenbefragung unter 17 Fachleuten aus dem E-Commerce. Die Datenerhebung erfolgte durch PureSpectrum Germany.

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  • Bild: Leon Eichner
    Leon Eichner
    (EHI Retail Institute)

    Wenn der Agent mitentscheidet - Warum Vertrauen zum Erfolgsfaktor im Agentic Commerce wird

    Agentic Commerce verändert, wie Kaufentscheidungen im Internet vorbereitet und getroffen werden. Neben Menschen übernehmen zunehmend KI-Agenten die Produktsuche, den Vergleich von Angeboten und Teile des Kaufprozesses.Die aktuelle EHI-Studie zu Agentic Commerce zeigt, dass 86,1 Prozent der befragten Handelsunternehmen es für wahrscheinlich halten, dass KI-Agenten künftig Kaufentscheidungen ihrer Kundschaft beeinflussen. Gleichzeitig wird der Aufbau von Vertrauen und Akzeptanz als eine zentrale Herausforderung beschrieben.Der Vortrag zeigt, was diese Entwicklung für Online-Shops bedeutet: Welche Informationen müssen aktuell, konsistent und maschinenlesbar vorliegen? Welche Rolle spielen Transparenz, verlässliche Produkt- und Serviceinformationen, Bewertungen und weitere nachvollziehbare Vertrauenssignale?Am Beispiel des EHI-Siegels wird erläutert, wie Online-Shops Seriosität, geprüfte Qualitäts- und Sicherheitsmerkmale sowie Kundenorientierung sichtbar machen können. Dabei geht es nicht nur um die menschliche Wahrnehmung: In einer zunehmend agentischen Customer Journey wird entscheidend, ob relevante Informationen über einen Shop eindeutig, verlässlich und nachvollziehbar vorliegen. So entsteht die Grundlage dafür, dass ein Angebot von KI-Agenten nicht nur gefunden, sondern auch als relevant und vertrauenswürdig eingeordnet werden kann.

    Vortrag im Rahmen der Transformation des Handels 26 am 21.10.26, 09:00 Uhr

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