KfW-Studie

Digitalisierung: Dem Mittelstand fehlt es an Knowhow, Infrastruktur und Finanzierung

02.05.2022 - Anforderungen an den Datenschutz, Sicherheit und Internetqualität sind häufigste Digitalisierungshemmnisse, aber auch der Mangel an Finanzierungsmöglichkeiten ist besonders problematisch. Große mittelständische Unternehmen sind sogar häufiger betroffen als kleine Unternehmen.

von Dominik Grollmann

Die Corona-Krise hat zwar einen Digitalisierungsschub im deutschen Mittelstand ausgelöst, doch nach wie vor weist ein Viertel der 3,8 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen unverändert keinerlei Digitalisierungsaktivitäten auf. Das heißt, um die 950.000 Firmen hierzulande gehen noch nicht einmal Basisschritte wie die Digitalisierung des Kundenkontakts an. KfW Research   hat in einer neuen Analyse auf Basis des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels untersucht, was die Unternehmen bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten hemmt.

Am häufigsten nennen die Mittelständler die Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit (39 Prozent) als Grund, dicht gefolgt von nicht ausreichender digitaler Infrastruktur (38 Prozent). Fehlende IT-Kompetenzen im Unternehmen in Verbindung mit einer mangelnden Verfügbarkeit von IT-Fachkräften rangieren mit 32 Prozent auf der dritten Position. Auch weitere Digitalisierungshemmnisse stehen mit mangelnden Kompetenzen in einem Zusammenhang. Der Mangel an geeigneten Finanzierungsmöglichkeiten behindert gut jedes fünfte mittelständische Unternehmen (22 Prozent) bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten. Damit werden Finanzierungsengpässe zwar seltener als andere Digitalisierungshemmnisse genannt, sie werden von den Unternehmen jedoch als besonders problematisch wahrgenommen. So führen Finanzierungshemmnisse in 43 Prozent der betroffenen Unternehmen dazu, dass Digitalisierungsprojekte nicht gestartet bzw. gar nicht erst entwickelt werden.

Ein Blick in die Details zeigt, dass große Mittelständler verschiedene Digitalisierungshemmnisse tendenziell stärker spüren als kleinere Unternehmen: So ist etwa Datenschutz und -sicherheit für jeden zweiten (47 Prozent) großen Mittelständler (100 oder mehr Mitarbeiter) ein Hindernis bei der Digitalisierung, jedoch nur für 36 Prozent der kleinsten Unternehmen mit weniger als 5 Mitarbeitern. Gründe für die häufigere Betroffenheit dürften sein, dass größere Unternehmen sowohl mehr Angriffsfläche für Internetkriminalität bieten als auch besonders lohnende Ziele darstellen.

Fehlende IT-Kompetenz erschwert in großen mittelständischen Unternehmen nahezu doppelt so oft Digitalisierungsprojekte wie in kleinen (57 Prozent vs. 30 Prozent). Zurückzuführen dürfte dies darauf sein, dass sie über komplexere IT-Anwendungen verfügen und Digitalisierungsprojekte durchführen dürften, die eine höhere Expertise verlangen. Auch die Wahrnehmung einer unzureichenden Qualität der Internetverbindung als Digitalisierungshindernis steigt mit der Unternehmensgröße deutlich (36 Prozent bei den kleinen vs. 47 Prozent bei den großen Mittelständlern). Dieses Hemmnis ist dabei nicht nur - wie zu erwarten gewesen wäre - in ländlichen Regionen verbreitet (42 Prozent). Auch in Großstädten stellt die mangelnde Internetqualität für jedes dritte mittelständische Unternehmen ein Digitalisierungshemmnis dar (32 Prozent).

"Neben der Transformation hin zu einem nachhaltigen Wirtschaften und Leben ist die digitale Transformation die zweite große Aufgabe, vor der Deutschland steht. Bisher liegt die hiesige Wirtschaft hinsichtlich der Anwendung digitaler Technologien im europäischen Vergleich jedoch lediglich im Mittelfeld. Ein Aufrücken auf die vorderen Ränge ist dringend geboten, damit Deutschland international wettbewerbsfähig bleibt und Wohlstandsverluste vermieden werden", sagt Fritzi Köhler-Geib , Chefvolkswirtin der KfW. "Aus meiner Sicht muss hierzu an folgenden zentralen Punkten angesetzt werden: 1. Verbesserung der digitalen Kompetenzen in der Belegschaft durch Aus- und Weiterbildung, 2. Ausbau der digitalen Infrastruktur durch flächendeckende Internetversorgung und 3. Ausweitung der Finanzierungsmöglichkeiten für Digitalisierungsvorhaben."

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