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Begehrte Kaufobjekte: deutsche Call Center

20.10.1998 - Deutsche Telemarketing-Dienstleister gehören derzeit zu den meist umworbenen Unternehmen der Dialog-Branche. Amerikanische, britische und französische IT-Unternehmen gehen hierzulande seit geraumer Zeit auf Einkaufstour oder eröffnen Niederlassungen.

So integrierte zum Beispiel Sykes, die bereits die Wilhelmshavener TelCare ihr eigen nennt, die TAS Bochum und Esslingen in ihr Network. Die französische Atos hat Penny übernommen, und die niederländische CORDENA, die bereits mit HDM Hulsinck Direct Marketing in Deutschland vertreten ist, beteiligte sich mit 75 Prozent an Tetel in Oberhausen.

Das amerikanische Unternehmen Sitel, in Krefeld mit rund 450 Beschäftigten vertreten, plant im Oktober die Eröffnung eines 100 Mitarbeiter starken Call Centers in Hamburg. Noch hat das Unternehmen keine Beteiligungen an deutschen TM-Unternehmen. Über eventuelle Expansionspläne des Unternehmens hüllt sich Sitel-Mann Norbert Greifenberg in Krefeld in Schweigen.

Die Lust am Call-Center-Kauf ist auch bei deutschen Unternehmen erwacht: Michael Raum, Chef der zur BBDO-Gruppe gehörenden SELLBYTEL in Nürnberg, ist zum Beispiel auf der Suche nach einem "mittleren bis großen Call-Center-Betrieb". SELLBYTEL beschäftigt bislang in Nürnberg 400 Vollzeitkräfte, in der Schweiz rund 120 und in Düsseldorf 40. Zudem wird in Nürnberg am 1.1.99 ein weiteres Call Center mit 300 Arbeitsplätzen eröffnet. Raum ist überzeugt: "Kleine Anbieter haben wegen des enormen Margenverfalls in Deutschland keine Überlebens-chancen." Eine bittere Erfahrung, die zuletzt TM24-Chefin Peggy Röper machen mußte. Sie meldete aus diesem Grund Konkurs an. Raums Maxime lautet: "Wer überleben will, muß wachsen."

Das gleiche Ziel verfolgt die Ettlinger Walter Telemedien, die sich in diesem Jahr die Hamburger profitel und seka team einverleibte. "Derzeit findet eine Bereinigung des Marktes statt", sagt Michael Groheck. "Bislang war der deutsche Call-Center-Markt sehr inhomogen." Groheck ist Chef von Groheck & Partner im pfälzischen Eisenberg, eine der wenigen Unternehmensberatungen, die sich u.a. auf die Vermittlung von kauf- bzw. verkaufswilligen TM-Agenturen spezialisiert hat. Er beurteilt die Kaufwelle positiv: "Viele Deutsche müssen in puncto Dienstleistung noch lernen." Da sei es gar nicht schlecht, wenn ausländische Firmen ihr Know-how bei deutschen Unternehmen einbrächten.

Daß es aber auch ohne ein Großunternehmen im Rücken gut läuft, beweist die b.u.w. in Osnabrück. Sie zählt sich zu den größten inhabergeführen Call-Center-Dienstleistern in Deutschland und hat gerade eine Filiale mit 100 Mitarbeitern in München eröffnet. Geschäftsführer und Gesellschafter Jens Bormann antwortet auf die Frage nach einem möglichen Verkauf salomonisch: "Nach den ersten fünfeinhalb Jahren erfolgreicher Entwicklung erarbeiten wir zur Zeit eine Strategie, in der Zukunft ebenso erfolgreich zu sein." Aha. Bormann sagt aber auch: "In diesem Konzept spielt eine erste Auslandsgesellschaft eine wesentliche Rolle."

Thomas-Marco Steinle, Geschäftsführer und Gesellschafter der expandierenden adm in Mannheim mit 470 Festangestellten bekommt "fast wöchentlich Heiratsanträge", und zwar nicht nur von seiten großer Telemarketer, sondern auch von Agentur-Networks, die ihr Leistungsspektrum erweitern wollen. Steinle will einen Verkauf in ferner Zukunft zwar nicht völlig ausschließen, ist aber skeptisch. Bei einem Anschluß an ein Network könne leicht "die Philosophie verlorengehen", sagt er. Steinle setzt auf Spezialisierung, zum Beispiel im Pharma-Bereich, und sieht dadurch auch künftig beste Überlebenschancen. Auch TMS-Chefin Marina Antoniadou denkt - trotz vieler Anfragen - nicht über einen Verkauf ihrer Stuttgarter Agentur nach: "Ich glaube, daß die Globalisierung lange Entscheidungsprozesse nach sich zieht - und ich glaube, daß die Kunden das nicht wollen." Kleine und mittlere Agenturen hätten den besseren Kundenkontakt, könnten entsprechend schneller reagieren und somit eine hohe Qualität sichern. Ihr erklärtes Handeln und Ziel für die Zukunft: "Wir wachsen mit dem Markt mit."

Unternehmensberater Groheck, seit 15 Jahren in der Branche, schätzt, daß die Konzentrationswelle im deutschen Call-Center-Markt noch etwa zwei Jahre anhalte. "Dann wird wieder Ruhe einkehren, und in fünf bis sieben Jahren geht das ganze Spiel dann wieder von vorn los.“

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