Erfolgsmodelle aus der Praxis:

Wie dm, Aldi und Co. ihre Verpackungen revolutionieren

23.02.2026 - Die großen Handelsketten machen es vor: dm verzichtet auf Plastiktüten, Aldi reduziert Verpackungsmaterial um Tonnen und Lidl setzt auf Mehrwegsysteme. Diese Unternehmen zeigen, dass nachhaltige Verpackungen nicht nur ökologisch sinnvoll sind, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bringen.

von ONEtoONE-Redaktion

Doch wer Verpackungen in Verkehr bringt, muss diese nicht nur optimieren, sondern auch korrekt lizenzieren   .
Der Druck auf Unternehmen wächst. Verbraucher fordern nachhaltige Lösungen, die EU verschärft die Vorgaben und das deutsche Verpackungsgesetz setzt klare Grenzen. Dieser Artikel zeigt konkrete Erfolgsmodelle aus der Praxis und beleuchtet sowohl Erfolge als auch Herausforderungen.

dm: Vorreiter bei Verpackungsvermeidung

Die Drogeriekette dm gilt seit Jahren als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Das Unternehmen verfolgt eine klare Strategie: Verpackungen vermeiden, wo möglich, reduzieren, wo nötig, und optimieren in allen anderen Fällen.

Plastiktüten komplett abgeschafft: Bereits 2016 schaffte dm als einer der ersten Händler in Deutschland die kostenlose Plastiktüte ab. Die Rechnung ging auf: dm spart jährlich mehrere hundert Tonnen Plastik ein. Kunden haben sich längst daran gewöhnt, eigene Taschen mitzubringen.

Eigenmarken mit reduziertem Material: Bei den dm-Eigenmarken wurden Verpackungen systematisch optimiert. Die Shampooflasche von balea kommt mit 25 Prozent weniger Plastik aus. Zahnpastatuben von Dontodent bestehen zu 50 Prozent aus recyceltem Material. Waschmittel-Nachfüllpacks ersetzen starre Flaschen.

Besonders innovativ: dm testet Nachfüllstationen für Reinigungsmittel und Kosmetika. Kunden bringen eigene Behälter mit und füllen diese vor Ort auf.

Wo dm an Grenzen stößt: Nicht alle Hersteller ziehen mit bei der Verpackungsoptimierung. Fremdmarken dominieren das Sortiment und hier hat dm nur begrenzten Einfluss. Zudem verbrauchen Papiertüten in der Herstellung mehr Energie als Plastiktüten. Eine Papiertüte muss mindestens dreimal wiederverwendet werden, um mit einer Plastiktüte gleichzuziehen.

Aldi: Materialreduktion als Erfolgsstrategie

Aldi setzt konsequent auf Effizienz und Materialreduktion. Jedes Gramm weniger Verpackung bedeutet niedrigere Kosten und weniger Abfall.

Systematische Gewichtsreduktion: Aldi hat seine Eigenmarken-Verpackungen systematisch auf Diät gesetzt. Plastikflaschen für Milch sind heute 15 Prozent leichter. Joghurtbecher bestehen aus dünneren Folien. Aldi Süd sparte zwischen 2015 und 2022 über 100.000 Tonnen Verpackungsmaterial ein.

Umstellung auf Recyclingmaterial: PET-Flaschen für Säfte enthalten mindestens 50 Prozent recyceltes Material. Bei Waschmittelflaschen sind es sogar 100 Prozent. Der Vorteil: Rezyklate sind oft günstiger als Neuware, die Verfügbarkeit schwankt jedoch je nach Marktlage.

Mehrweg bei Obst und Gemüse: Aldi testet Mehrwegnetze für Obst und Gemüse. Parallel wird vorverpacktes Obst und Gemüse reduziert. Gurken, Paprika und Zucchini gibt es zunehmend lose.

Kritikpunkte bleiben: Fleisch und Wurst sind fast ausschließlich vorverpackt. Bedientheken fehlen komplett. Die Plastikverpackungen für Käse und Aufschnitt sind oft überdimensioniert. Auch bei Transport und Logistik gibt es Verbesserungspotenzial.

Lidl: Mehrweg als Kernstrategie

Lidl investiert massiv in wiederverwendbare Verpackungssysteme und will damit Vorreiter im deutschen Lebensmittelhandel werden.

Mehrwegnetze für Obst und Gemüse: In über 40 Filialen testet Lidl Mehrwegnetze für Obst und Gemüse. Die Netze aus recyceltem Polyester kosten 1,99 Euro und sind jahrelang haltbar. Die Resonanz ist überwiegend positiv.

Pfandsystem für Joghurtgläser: Lidl führte 2022 ein Pfandsystem für Joghurtgläser ein. Kunden zahlen 10 Cent Pfand, die Gläser werden gereinigt und bis zu 50 Mal wiederbefüllt. Der Aufwand ist erheblich, aber die Investition lohnt sich langfristig.

Reduktion von Einwegverpackungen: Die Eigenmarke kommt mit minimal verpacktem Obst und Gemüse aus. Gurken ohne Folie, Paprika lose, Kartoffeln im Papierbeutel. Auch bei Non-Food optimiert Lidl konsequent.

Herausforderungen bei Mehrweg: Mehrwegsysteme sind komplex und teuer. Nicht alle Produkte eignen sich dafür. Die Ökobilanz hängt von Transportwegen, Reinigungsaufwand und tatsächlichen Umlaufzahlen ab.

Rewe: Kooperation und Innovation

Rewe setzt auf Partnerschaften und technologische Innovation. Der Konzern arbeitet eng mit Herstellern, Recyclern und Start-ups zusammen.

Druck auf Lieferanten: Rewe fordert von Lieferanten konkrete Verpackungsziele. Bis 2025 sollen alle Eigenmarken-Verpackungen recyclingfähig oder wiederverwendbar sein. Hersteller, die nicht mitziehen, riskieren Listungen.

Test innovativer Materialien: Rewe testet alternative Materialien. Brot kommt in kompostierbaren Beuteln. Obst liegt in Schalen aus Zellulose. Rewe kooperiert mit Start-ups, die essbare Beschichtungen für Obst entwickeln.

Wo Rewe Nachholbedarf hat: Rewe To Go produziert viel Verpackungsmüll. Fertigsalate, Snacks und Sandwiches kommen in aufwendigen Plastikverpackungen. Hier kollidieren Nachhaltigkeit und Convenience.

Was mittelständische Unternehmen lernen können

Nicht jedes Unternehmen kann Millionen investieren. Doch viele Prinzipien lassen sich übertragen.

Mit Bestandsaufnahme starten: Beginnen Sie mit einer systematischen Analyse. Welche Verpackungen nutzen Sie? Wo gibt es Einsparpotenzial? Eine strukturierte Bestandsaufnahme zeigt schnell die größten Hebel.

Mit Pilotprojekten beginnen: Starten Sie mit einem überschaubaren Pilotprojekt. Wählen Sie ein Produkt mit hohem Verpackungsanteil und optimieren Sie gezielt. Beispiele für Quick Wins: dünnere Folien, Verzicht auf Umverpackungen, recyclingfähige Monomaterialien.

Partnerschaften nutzen: Sprechen Sie mit Verpackungsherstellern über nachhaltigere Alternativen. Auch die dualen Systeme beraten kostenlos zur Recyclingfähigkeit.

Transparent kommunizieren: Kommunizieren Sie Ihre Nachhaltigkeitsbemühungen offen. Erklären Sie, warum Sie bestimmte Materialien verwenden. Transparenz schafft Vertrauen.

Rechtliche Pflichten bleiben bestehen

Wer Verpackungen in Verkehr bringt, muss diese bei der Zentralen Stelle registrieren und bei einem dualen System lizenzieren lassen.

Registrierung ist Grundvoraussetzung: Die Registrierung im LUCID-Register ist kostenlos und erfolgt online. Ohne Registrierung drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro. Die Registrierungspflicht gilt seit Juli 2022 für alle Verpackungsarten.

Systembeteiligung kostet Geld: Die Kosten richten sich nach Material, Menge und Recyclingfähigkeit. Gut recycelbare Verpackungen sind deutlich günstiger als schwer verwertbare Verbundmaterialien. Weniger Material bedeutet niedrigere Lizenzkosten.

Vollständigkeitserklärung ab Mengenschwellen: Unternehmen über bestimmten Mengenschwellen benötigen eine Vollständigkeitserklärung. Die Schwellen liegen bei 80 Tonnen für Glas, 50 Tonnen für Papier und 30 Tonnen für Kunststoffe pro Jahr.

Fazit: Von den Großen lernen und eigene Wege gehen

Die Beispiele von dm, Aldi, Lidl und Rewe zeigen: Nachhaltige Verpackungen sind machbar, wirtschaftlich sinnvoll und werden von Verbrauchern zunehmend erwartet. Auch mittelständische Unternehmen haben zahlreiche Hebel zur Optimierung. Systematische Bestandsaufnahme, überschaubare Pilotprojekte und clevere Partnerschaften führen zum Ziel. Jedes eingesparte Gramm zählt.

Die rechtlichen Pflichten bestehen unabhängig von allen Nachhaltigkeitsbemühungen. Registrierung, Lizenzierung und korrekte Datenmeldung sind verpflichtend. Wer hier sauber arbeitet, vermeidet Bußgelder. Die Verpackungswende ist in vollem Gang. Unternehmen, die jetzt handeln, positionieren sich als Vorreiter. Sie sparen Kosten, stärken ihr Image und bereiten sich auf kommende EU-Vorgaben vor.

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