Die Mitgliederversammlung des DDV
beschloss mit großer Mehrheit die Einführung der neuen Circle-Struktur und damit die Weiterentwicklung der bisherigen Kompetenz-Center in thematisch definierte, flexibler angelegte Arbeits- und Austauschplattformen. Ziel der Reform ist es, den Verband organisatorisch noch stärker an die heutigen Anforderungen von Markt, Technologie und Regulierung anzupassen und zugleich Beteiligung, Transparenz und thematische Dynamik zu stärken.
Jedes DDV-Mitglied wird einem Circle zugeordnet, anstelle der auf Unternehmenstypen ausgerichteten Kompetenzcenter treten inhaltlich ausgerichtete Circle.
Bei den turnusgemäßen Präsidiumswahlen bestätigte die Mitgliederversammlung Martin Nitsche und Patrick Tapp mit großer Mehrheit für eine weitere Amtszeit als Präsidenten des DDV. Zur neuen Vizepräsidentin Finanzen wurde Renata Majcunic (Deutsche Bank) gewählt.
Im Interview sprechen die beiden Präsidenten des DDV über die Hintergründe der Entscheidung, den Weg dorthin und warum das mehr ist als eine strukturelle Reform:
Patrick Tapp
Bild: DDV
Warum braucht der DDV Circle?
Patrick Tapp: Weil sich die Rahmenbedingungen für Marketing und Kommunikation fundamental verändert haben: technologisch, regulatorisch, aber auch organisatorisch. Dialogmarketing ist heute vielschichtiger, dynamischer, vernetzter. Diese Realität spiegelte sich in unseren bisherigen Strukturen nicht mehr ausreichend wider. Unser Anspruch ist es, als Verband nicht nur Schritt zu halten, sondern auch einen Schritt vorauszudenken. Nicht nur mit den Themen, sondern auch mit der Art, wie wir sie bearbeiten.
Martin Nitsche: Und weil unsere Mitglieder es verdient haben, in einem Verband organisiert zu sein, der Orientierung bietet und zugleich offen für Mitgestaltung ist. Was früher gut funktioniert hat - feste Gremien, klar abgegrenzte Themen - passt heute nur noch bedingt. Stattdessen braucht es mehr Flexibilität, mehr thematische Durchlässigkeit, aber auch klare Zuständigkeiten und Verbindlichkeit. Ein Verband muss sich jederzeit weiterentwickeln, um ein Ansprechpartner auf Augenhöhe zu sein. Das neue Circle-Modell ist unsere Antwort darauf.
Was soll die Circle-Struktur bringen?
Martin Nitsche: Die Circles sind thematische Arbeits- und Austauschplattformen. Jeder Circle bündelt Fachwissen, Erfahrung und Perspektiven aus unterschiedlichen Mitgliedsunternehmen zu einem konkreten Themenfeld. Sei es Customer Experience, digitaler Dialog, NGO-Kommunikation oder datengetriebenes Printmarketing. Im Gegensatz zu den bisherigen Kompetenz-Centern arbeiten die Circles in einer einheitlichen Struktur, mit definierten Rollen, klarer Governance und dennoch hoher Flexibilität.
War es ein mühsamer Weg zu einer neuen Struktur? Verbände sind ja nicht für Geschwindigkeit bekannt?
Patrick Tapp: Der Weg war - wie es sich für einen Verband gehört - geprägt von Beteiligung. Wir haben frühzeitig begonnen, Fragen und Erwartungen aus der Mitgliedschaft aufzunehmen. Es gab Dialoge mit den Vorsitzenden der bisherigen KCs, Workshops, Diskussionsrunden, und zuletzt ein umfangreiches FAQ, das wir auf Basis der Rückmeldungen erarbeitet haben.
Martin Nitsche
Bild: Martin Nitsche
Was ist aus Ihrer Sicht das größte Potenzial des neuen Modells?
Martin Nitsche: Dass wir als Verband schneller, klarer und relevanter werden. Die Circles ermöglichen eine frühzeitige Bearbeitung neuer Themen, sie machen Know-how und Ergebnisse sichtbarer und sie erleichtern es neuen Mitgliedern, sich zu orientieren und einzubringen.
Patrick Tapp: Außerdem stärken Circles den fachlichen Kern des DDV. Denn sie verbinden Expertise mit aktiver Beteiligung. Jedes Mitglied kann sich je nach Interesse, zeitlicher Kapazität oder fachlichem Fokus einbringen. Das ist nicht nur partizipativ gedacht, sondern auch strategisch klug: Wir wollen ein Verband sein, der sich permanent weiterentwickelt - mit seinen Mitgliedern, nicht über sie hinweg.
Gibt es schon erste Erfolge oder Signale, dass das Modell greift?
Patrick Tapp: Bereits im Vorfeld der Abstimmung wurden erste Circle-Profile aus bestehenden KCs heraus oder durch Zusammenführungen entwickelt.
Martin Nitsche: Und wir sehen, dass auch neue Themen und Formate entstehen, weil die Circles bewusst offen angelegt sind. Sie können dauerhaft bestehen oder temporär, etwa wenn es um Themen wie KI, Nachhaltigkeit oder neue regulatorische Anforderungen geht. Das schafft Innovationspotenzial.
Herr Tapp, Herr Nitsche - vielen Dank für das Gespräch.