Studie

D2C: Hersteller holen Händler bei Elektronik-Käufen zunehmend ein

23.09.2025 - Eine aktuelle D2C-Studie zeigt: Der Direktvertrieb setzt Händler im Elektronikmarkt unter Druck. Immer mehr Konsumenten kaufen Home- und Consumer-Electronics direkt bei den Marken. Vor allem Smartphone-Hersteller profitieren von diesem Trend. Für den Handel bedeutet das: Preisgestaltung, Service und Sichtbarkeit bleiben zentrale Wettbewerbsfaktoren.

von Susan Rönisch

Der Direktvertrieb gewinnt im Markt für Home- und Consumer-Electronics weiter an Bedeutung. Wie aus der aktuellen D2C-Studie von Simon-Kucher   hervorgeht, kaufen deutsche VerbraucherInnen bereits 17 Prozent ihrer Elektronikprodukte direkt in den Webshops, Apps oder Stores der Marken. Werden zusätzlich die von Herstellern betriebenen Markenshops auf Amazon berücksichtigt, steigt der Anteil sogar auf 56 Prozent. Damit verschiebt sich die Balance zwischen Herstellern und Händlern spürbar.

Besonders weit ist die Entwicklung im Smartphone-Segment: Rund 64 Prozent aller Käufe erfolgen direkt bei der Marke. Etwa die Hälfte davon entfällt auf Markenshops bei Amazon, die für Kunden oft nicht klar von klassischen Händlerangeboten zu unterscheiden sind. Im Bereich der großen Haushaltsgeräte (17 Prozent ohne Amazon-Shops) und Fernseher (12 Prozent) liegt der direkte Vertriebsanteil dagegen deutlich niedriger.

Die Studie zeigt auch: Preis bleibt der zentrale Hebel für Kaufentscheidungen. Ein Drittel der Konsumenten entscheidet sich nur dann für den Direktkauf, wenn er günstiger ist als beim Händler. Weitere 40 Prozent erwarten mindestens gleiche Preise. Lediglich ein Viertel der Befragten wäre bereit, für einen D2C-Kauf mehr zu zahlen - vor allem, wenn Service, Lieferoptionen oder Produktverfügbarkeiten einen Mehrwert bieten.

Anders sieht es im Gaming-Bereich aus: Hier geben 45 Prozent der Konsumenten an, bereit zu sein, für den Kauf direkt bei der Marke mehr auszugeben. Die emotionale Bindung an das Produkt spielt in diesem Segment eine stärkere Rolle. "Der Kauf einer Spielekonsole ist für viele Kunden ein Erlebnis - anders als der Kauf eines Toasters", erklärt Björn Dahmen, Senior Partner bei Simon-Kucher. Für Hersteller bedeutet das: D2C funktioniert besonders dann, wenn Produkte emotional aufgeladen sind und ein positives Preisimage aufgebaut werden kann.

Trotz steigender Anteile bleiben viele Hersteller-Shops noch hinter ihrem Potenzial zurück. Zwar informieren sich 43 Prozent der Kunden vor einem Kauf auf den Websites der Marken, nur ein Bruchteil schließt den Kauf jedoch dort ab. "Websites werden oft als Schaufenster genutzt, nicht als Shop", so Kai Füller, Director bei Simon-Kucher. "Kunden vergleichen, prüfen Details - und kaufen dann dort, wo es am günstigsten ist."

Für Händler ergeben sich daraus zwei zentrale Handlungsfelder. Erstens: Preiswettbewerb bleibt unvermeidlich, denn Konsumenten vergleichen zunehmend transparent zwischen Hersteller- und Händlerangeboten. Zweitens: Service und Differenzierung gewinnen an Gewicht. Zusatzleistungen wie schnelle Lieferung, Installationsservices, verlängerte Garantien oder personalisierte Beratung können helfen, Kunden vom Händlerkanal zu überzeugen.

Die Studie verdeutlicht: Der Direktvertrieb der Hersteller wird den Wettbewerb weiter verschärfen. Gleichzeitig bleibt für Händler Raum, ihre Rolle als erste Anlaufstelle zu behaupten - vorausgesetzt, sie reagieren mit klaren Mehrwerten und einer konsequenten Kundenzentrierung.

Ihr Guide im New Marketing Management - ab 6,23 im Monat!

Hat Ihnen diese Beitrag weiter geholfen? Dann holen Sie sich die ONEtoONE-Premium-Mitgliedschaft. Sie unterstützen damit die Arbeit der ONEtoONE-Redaktion. Sie erhalten Zugang zu allen Premium-Leistungen von ONEtoONE, zum Archiv und sechs mal im Jahr schicken wir Ihnen die aktuelle Ausgabe.

Mehr zum Thema:
Diskussion:

Vorträge zum Thema:

  • Bild: ECOMMERCE ONE Group
    Dr. Alexander Brunst
    (Makaira - ECOMMERCE ONE Group)

    Gegen die Marktplätze bestehen: Der neue Standard für Produktfindung im eigenen Shop

    Marktplätze wachsen schneller als klassische Onlineshops - laut bevh-Zahlen für Q2 2026 legten sie um 6,4 % zu, während klassische Onlineshops nur 3,8 % erreichten.
    Der Grund liegt selten im Preis, sondern in der Auffindbarkeit: saubere Produktattribute, funktionierende Filter, sauberes Variantenhandling und kuratiertes Ranking. Marktplätze haben damit den Standard gesetzt, an dem heute jeder Shop gemessen wird - unabhängig davon, ob er dort verkauft oder nicht.
    Die gute Nachricht: Dieser Standard lässt sich im eigenen Shop herstellen. Es ist keine Plattformfrage, sondern Produktdaten- und Merchandising-Arbeit. Der Vortrag zeigt anhand von Praxisbeispielen, wie Händler die Discovery-Qualität von Marktplätzen im eigenen System erreichen - und was das für Umsatz und Kundenbindung bedeutet.

    Vortrag im Rahmen der Transformation des Handels 26 am 20.10.26, 10:30 Uhr

www.hightext.de

HighText Verlag

Mischenrieder Weg 18
82234 Weßling

Tel.: +49 (0) 89-57 83 87-0
Fax: +49 (0) 89-57 83 87-99
E-Mail: info@onetoone.de
Web: www.hightext.de

Kooperationspartner des

Besuchen Sie auch:

www.press1.de

www.ibusiness.de

www.neuhandeln.de