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Handel schöpft Datenpotenzial nicht aus

02.06.2021 - Datensilos, Legacy IT und mangelndes Vertrauen in die Datenqualität hindern viele Einzelhändler und Unternehmen der Konsumgüterbranche daran, ihre Daten umfassend zu nutzen. Datengetriebene Unternehmen profitieren dagegen einer Studie zufolge messbar und setzen Daten zudem für mehr Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft ein.

von Frauke Schobelt

Datengetriebene Einzelhändler und Konsumgüterhersteller haben gegenüber ihren Wettbewerbern messbare Vorteile. Dies zeigt die Studie 'The Age of Insight: How Consumer Product and Retail Organizations can accelerate Value Capture from Data' des Capgemini Research Institute   , für die weltweit 200 Konsumgüterhersteller und Einzelhändler befragt wurden. Demnach erzielen drei von vier Unternehmen (73 Prozent), die über den höchsten Reifegrad bei der Datennutzung verfügen, einen quantifizierbaren Wertbeitrag durch den Einsatz von Daten. 62 Prozent der führenden datengetriebenen Unternehmen sind in der Lage, ihre KI- und Analysekonzepte zu skalieren. Im Vergleich zum Branchendurchschnitt erreichen diese 'Data Master' eine 30 Prozent höhere Gewinnmarge. Zudem setzen sie Daten zielgerichtet für Innovationen und Geschäftszwecke ein.

Datengetriebene Unternehmen, die bereits vor der Pandemie über eine gute Datengrundlage verfügten, ist es der Studie zufolge leichter gefallen, sich an die neue Digital-First-Umgebung anzupassen. Sie konnten ihre Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zügig an den aktuellen Marktbedürfnissen und Kundenwünschen ausrichten und sich so erfolgreich gegenüber dem Wettbewerb behaupten. Allerdings erreichen nur 16 Prozent der Konsumgüterhersteller und 6 Prozent der Einzelhändler diesen Status als Data Master.

Data Master erzielen laut Studie höhere Gewinnmargen aufgrund der hohen Datenqualität und eines fortschrittlichen Datenmanagements. Dazu gehört die automatisierte Datenerfassung, die Verknüpfung interner und externer Daten sowie das Prinzips 'Data Quality by Design'. Durch einen vollständigen Überblick über Kunden und Betrieb sind sie zudem handlungsschnell und können Datenlücken zügig identifizieren.

Datengetriebene Unternehmen profitieren vom Trend zu mehr Nachhaltigkeit

Für 79 Prozent der Verbraucher spielt Nachhaltigkeit mittlerweile eine wesentliche Rolle, wie die Capgemini-Studie 'How Sustainability is fundamentally changing consumer preferences' zeigt. Konsumgüterhersteller und der Einzelhandel nutzen daher Daten und Analysen zur Etablierung von Geschäftsmodellen, die auf dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft basieren: 47 Prozent der befragten Unternehmen investieren in Künstliche Intelligenz (KI), maschinelles Lernen und in Sensoren des Industrial Internet of Things (IIoT), um ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. 77 Prozent versprechen sich durch Nachhaltigkeitsmaßnahmen eine stärkere Kundenbindung, während 63 Prozent höhere Umsätze erwarten.

"Der Wettbewerbsdruck ist gerade in der Konsumgüterbranche und im Einzelhandel hoch. Unternehmen sollten sich bewusst sein, dass Daten eine essenzielle Grundlage ihres Geschäftsmodells sind und ein hoher Reifegrad im Data Management und Governance über den langfristigen Erfolg entscheidet. Daher sollten sie darauf fokussieren, ihre Datenplattformen zu modernisieren und das Vertrauen in die Datenqualität und eine datenbasierte Entscheidungsfindung zu stärken", rät Tobias Weisel , Head of Consumer Products, Retail, Distribution & Transportation bei Capgemini Invent für die DACH-Region. "Zudem müssen Unternehmen Veränderungen im Verbraucherverhalten antizipieren und bereits handeln, bevor der Trend sich voll entfaltet.". So konnten Data Master die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit frühzeitig erkennen und entsprechend handeln. "Mit Hilfe der Datenerkenntnisse waren diese Unternehmen deutlich schneller in der Lage, ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen und im Sinne einer Kreislaufwirtschaft weiterzuentwickeln."

Datenplattformen und datengetriebene Unternehmenskultur für Erfolg entscheidend

Zu den größten Hindernissen, um Daten gewinnbringend zu nutzen, zählen Datensilos, fehlendes Fachwissen sowie mangelndes Vertrauen in die Datensätze. 57 Prozent der befragten Unternehmen geben dabei monolithische und Legacy-IT-Systeme als wesentliche Hürden an, die eine nahtlose Anwendererfahrung und den umfassenden Einsatz von KI und Automatisierung verhindern. Ihre Entscheidungsfindung bezeichnen 44 Prozent der Konsumgüterhersteller und 43 Prozent der Einzelhändler als vollständig datengetrieben. Zum Vergleich: Bei Banken und Versicherungen liegt der Anteil bei 65, beziehungsweise 55 Prozent.

Unternehmen, die ihre Daten gewinnbringend einsetzen möchten, empfiehlt die Studie einen Fokus auf vier Aspekte:
  • Die Förderung einer datengestützten Unternehmenskultur und der Bereitstellung von Daten an den jeweiligen Bedarfspunkten
  • Eine Modernisierung der Datenplattform, um gewonnene Erkenntnisse schneller zu nutzen
  • Eine Datenethik und -steuerung, die das Vertrauen in Daten stärkt
  • Die Anbindung an externe Datenökosysteme, um neue Geschäftsmodelle umzusetzen und ein tieferes Verständnis von Kunden und Betriebsabläufen zu erlangen

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