Bild: Sebastian Halm/KI-generiert mit ChatGPT
Im Rahmen unseres vierteljährlichen SEO-Listings haben wir nun erstmals analysiert, wie sichtbar SEO-Agenturen in KI-gestützten Suchsystemen wie Gemini
, ChatGPT
, Copilot
und Perplexity
sind. Grundlage ist ein neu entwickelter GEO-Score, der den "Share of Voice" (SOV) einer Domain innerhalb der Antworten dieser Systeme misst. Je höher der Wert, desto stärker ist die Präsenz einer Agentur in den KI-generierten Ergebnissen. Ein GEO-Score von eins entspricht dabei einem Anteil von einem Prozent an allen Domain-Nennungen, die im Kontext eines umfangreichen Fragenkatalogs ermittelt wurden.
Für die Auswertung wurden den vier KI-Engines zahlreiche praxisnahe Suchanfragen gestellt - etwa nach den Top zehn SEO-Agenturen in Deutschland, den besten Anbietern für den Mittelstand, spezialisierten Agenturen für Google Ads oder Experten für technisches SEO, E-Commerce, Content Marketing und KI-gestützte Optimierung. Die Fragen decken ein breites Spektrum typischer Nutzerintentionen ab und reichen von allgemeinen Rankings bis hin zu sehr spezifischen Leistungsanforderungen.
Erhoben wurde der GEO-Score in diesem Quartal erstmals in Zusammenarbeit mit dem Datenpartner Morefire. Perspektivisch soll die Kennzahl auch in die etablierte SEO-Liste von iBusiness integriert werden und damit eine neue, KI-basierte Dimension der Sichtbarkeitsbewertung im Agenturmarkt liefern.
Zusammenhang zwischen GEO-Score und Listing
Die Analyse zeigt einen moderaten negativen Zusammenhang zwischen Ranking und GEO-Score (Korrelation: 0,41). Das bedeutet: Je besser eine Agentur platziert ist, also je näher sie an Rang eins liegt, desto höher ist tendenziell ihr GEO-Score. Dieser Zusammenhang ist der stärkste innerhalb der untersuchten Variablen.
Allerdings ist die Korrelation nicht stark genug, um von einem direkten oder deterministischen Zusammenhang zu sprechen. Es gibt also durchaus Agenturen, die gut ranken, aber im GEO-Score schwächer abschneiden - und umgekehrt. Dennoch lässt sich festhalten, dass klassische SEO-Sichtbarkeit eine wichtige Grundlage für Präsenz in Chatbots ist.
Zusammenhang mit der Mitarbeiterzahl
Ein weiterer relevanter Faktor ist die Größe der Agenturen, gemessen an der Mitarbeiterzahl. Hier zeigt sich eine moderate positive Korrelation von +0,33. Größere Agenturen weisen also tendenziell höhere GEO-Scores auf. Das lässt sich plausibel erklären: Größere Unternehmen verfügen häufig über mehr Ressourcen für Content-Produktion, PR und Markenaufbau. Dadurch steigt ihre Präsenz im Web, was wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöht, in den Trainingsdaten und Antworten von LLMs aufzutauchen.
Korelation des SEO-Agentur-Rankings mit dem GEO-Score: die besser platzierten Agenturen haben die bessere KI-Sichtbarkeit
Grafik: Hightext Verlag/ChatGPT (Grafik)
Zusammenhang mit den Expertise-Bewertungen
Deutlich überraschender fällt die Analyse der fachlichen Expertise aus. Die verschiedenen Kompetenzbereiche - Universal Search, internationales SEO, Linkaufbau, Onpage-Optimierung sowie Shops/Long-Tail - zeigen insgesamt nur sehr schwache oder gar keine Zusammenhänge mit dem GEO-Score.
Die Korrelationen bewegen sich zwischen ?0,20 (Onpage) und +0,10 (Shops/Long Tail) und sind damit statistisch kaum relevant. Besonders auffällig ist, dass Onpage-Optimierung sogar leicht negativ korreliert. Das bedeutet: Agenturen mit hoher Onpage-Kompetenz sind nicht automatisch stärker in Chatbots sichtbar.
Das deutet darauf hin, dass der GEO-Score nicht die tatsächliche fachliche Qualität oder Spezialisierung misst, sondern andere Faktoren widerspiegelt.
Beim Gründungsjahr zeigt sich praktisch kein Zusammenhang mit dem GEO-Score: Weder etablierte, langjährige Anbieter noch jüngere Agenturen haben hier einen systematischen Vorteil.
GEO? Logisch Gesamtinterpretation der Ergebnisse
In der Gesamtbetrachtung wird deutlich, dass der GEO-Score kein klassischer Qualitätsindikator ist. Stattdessen scheint er vor allem die allgemeine Sichtbarkeit und Präsenz einer Agentur im digitalen Raum abzubilden. Die wichtigsten Einflussfaktoren sind dabei das Ranking in Suchmaschinen und - in geringerem Maße - die Unternehmensgröße. Fachliche Spezialisierung oder nachgewiesene SEO-Expertise spielen hingegen kaum eine Rolle - zumindest, was klassische SEO-Disziplinen wie Linkaufbau et altera angeht. Was der GEO-Score jedoch mag und belohnt, sind zwei Faktoren:
Regionalität - man kommt aus der Nähe des Suchenden, befindet sich in dem Gebiet, das der Suchende eingegrenzt hat (dies ist bei SEO allerdings kein relevanter Faktor für den Erfolg der Agentur).
Spezialisierung/Nischenbildung - Der eigentliche Sichtbarkeitsbooster in KI-Suchen. Besitzt eine SEO-Agentur eine thematische Expertise, hat sich also beispielsweise in der Nische 'SEO für mittlere Fahrradhändler' etabliert, dann fallen zum Teil deutlich höhere GEO-Scores an, als sie unsere Analyse allgemeiner Anfragen abbildet. Die komplette Liste mit Namen der SEO-Agenturen, Expertise und GEO-Score
gibt es hier
.
Die Liste der Top-100-SEO-Agenturen
Die Redaktion stellt seit 2004 ein Listing der Top-100-SEO-Agenturen zusammen. Rankingfaktoren sind dabei die Suchmaschinen-Sichtbarkeit der Firma für wichtige Business-Keywords, Siegel, Speakerships der leitenden MitarbeiterInnen auf SEO-Veranstaltungen. SEO-Agenturen geben bei der Bewerbung für das Listing der Top-100 SEO-Agenturen
neben Mitarbeiterzahl und weiteren Rahmendaten auch an, wo genau sie ihre eigenen Kompetenzschwerpunkte sehen. In einem Punktesystem können die SEO-Firmen sich selbst insgesamt 15 Punkte in fünf verschiedenen Feldern geben:
- Universal Search
- Internationales SEO
- Linkaufbau
- Onpage-Optimierung
- Optimierung für Shops/Longtail
Agenturen können die Punkte gleichmäßig verteilen oder Schwerpunkte setzen - so ist es auch möglich, als spezialisierte Fachagentur alle Punkte einer einzelnen Disziplin zuzuordnen, um sich beispielsweise als Fach-Linkaufbau-Agentur zu positionieren. In unserem Listing (
hier online nachlesen) analysieren wir, welche SEO-Disziplin insgesamt wie viele Punkte erhält und welcher Anteil ihr damit am Volumen der SEO-Leistungen unter den Top-100-Agenturen zukommt.
Die Langfrist-Analyse: Eine Branche im Wandel ohne Bruch
Die SEO-Branche verändert sich über die Jahre deutlich, aber nicht sprunghaft. Statt eines Umsturzes zeigt sich eine kontinuierliche Verschiebung der Schwerpunkte. Besonders sichtbar wird das beim Linkaufbau: Einst ein Kerngeschäft, verliert er seit Jahren an Bedeutung und ist heute vor allem eine Nischendisziplin.
Gleichzeitig bleiben zentrale Grundlagen bestehen. Onpage-Optimierung ist durchgehend die wichtigste Kompetenz und bildet den gemeinsamen Nenner der Branche. Ergänzt wird sie zunehmend durch Universal Search, die den Wandel der Suche widerspiegelt: weg von reinen Rankings, hin zu Antworten, strukturierten Ergebnissen und Sichtbarkeit in Systemen wie Chatbots. KI erscheint damit weniger als Bruch, sondern als logische Fortsetzung dieser Entwicklung.
Während einige Disziplinen wie internationales SEO stabil bleiben und Shop-Optimierung sich nach einem pandemiebedingten Boom einpendelt, zeigt sich insgesamt eine zunehmende Spezialisierung. Onpage wird am höchsten bewertet, während komplexere Felder wie internationales SEO und Linkaufbau zurückhaltender eingeschätzt werden.
Fast anderthalb Jahre Analyse der SEO-Rankings zeigt, wie Linkbuilding als am meisten angebotene Disziplin immer mehr Boden an die Onpage-Optimierung verloren hat.
Grafik: iBusiness; Grafik: Hightext Verlag
Parallel dazu verändert sich die Marktstruktur. Viele Agenturen wurden in den 2010er-Jahren gegründet und treten mit kleinen Teams und klaren Profilen an. Daraus entsteht eine Zweiteilung: größere, breit aufgestellte Anbieter auf der einen Seite und spezialisierte Boutique-Agenturen auf der anderen. Kleine Agenturen fokussieren sich vor allem auf operative Disziplinen wie Onpage und Universal Search, während größere Häuser ein breiteres Leistungsspektrum abdecken.
Ein fragmentierter, aber durchaus stabiler Markt
Trotz dieser Unterschiede gibt es keine klaren Hierarchien. Weder Größe, Alter noch Standort stehen in einem eindeutigen Zusammenhang mit Ranking oder wahrgenommener Expertise. Der Markt ist stark fragmentiert und von unterschiedlich positionierten Anbietern geprägt.
Gleichzeitig bleibt seine Gesamtgröße stabil. Die Branche wächst nicht mehr stark, sondern entwickelt sich innerhalb bestehender Strukturen weiter. Der zentrale Trend liegt daher in der Neuordnung der Schwerpunkte: weniger Linkaufbau, mehr Onpage, mehr strukturierte Inhalte und zunehmende Bedeutung von Antwortsystemen.
SEO bleibt damit ein Zusammenspiel aus Technik, Inhalt und Sichtbarkeit - konstant in den Grundlagen, aber im Detail permanent im Wandel.