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Mehrheit der Beschäftigten sieht kaum Perspektiven im Job

14.11.2022 - Fachkräftemangel und demografischer Wandel gefährden schon heute die Produktivität der deutschen Wirtschaft. Für die Zukunft zeichnet sich ein weiterer bedrohlicher Aspekt ab: Ein Großteil der abhängig Beschäftigten in Deutschland sieht im Beruf nur wenig Perspektiven.

von Susan Rönisch

Die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Civey im Auftrag von Das Demographie Netzwerk e.V. (ddn)   zeigen, dass Arbeit hauptsächlich als Existenzsicherung empfunden wird und die Mehrheit der Beschäftigten sich einen frühen Renteneintritt wünscht. Und das, obwohl fast die Hälfte der Erwerbstätigen mit einer schlechten Absicherung im Ruhestand rechnet.

Perspektiven im Beruf

Im Mittelpunkt der Umfrage standen die Perspektiven der Arbeitswelt. Die Teilnehmenden wurden gefragt, inwieweit sie der Aussage zustimmten, "In meiner beruflichen Zukunft erwarten mich noch viele Möglichkeiten". Dabei zeigt sich, dass 49,5 Prozent der Befragten dieser Aussage nicht zustimmen konnten. Insbesondere bei den älteren Jahrgängen jenseits des 50. Lebensjahrs schwinden die Perspektiven. 62,1 Prozent in der Gruppe 50 bis 64 Jahre und 63,5 Prozent in der Gruppe über 65 Jahre, die noch erwerbstätig ist, sehen wenige Möglichkeiten für sich.

Erschreckend hoch erscheint dieser Wert auch in der jungen Altersgruppe von 18 bis 29 Jahre. 34,4 Prozent und damit mehr als ein Drittel der jungen Menschen im Berufseinstieg sehen für sich nicht viele Möglichkeiten, obwohl der Großteil des Arbeitslebens noch vor ihnen liegt. Und selbst bei den in Ausbildung befindlichen jungen Menschen rechnen bereits 20,5 Prozent nur mit wenigen Möglichkeiten in ihrem Berufsleben. Neben den Altersunterschieden bei dieser Frage lassen sich auch substantielle Geschlechts- und soziale Unterschiede feststellen. Frauen erwarten mit 58,2 Prozent gegenüber 41,1 Prozent der Männer nicht mehr viele Möglichkeiten für sich, und fast zwei Drittel der Arbeiter (65,1 Prozent) teilen den Pessimismus.

Arbeit ist Existenzsicherung

Für 83,2 Prozent der befragten Beschäftigten bedeutet Arbeit entsprechend erst einmal Existenzsicherung. Auf Platz zwei der Motive folgt das Ausüben einer sinnvollen Tätigkeit, das bei 50,7 Prozent eine wesentliche Rolle spielt, gefolgt vom Bedürfnis, Kontakt zu anderen Menschen zu haben mit 43,8 Prozent. Medial sehr präsente Motive wie "Etwas zur Gesellschaft beitragen" (34 Prozent) oder "Spaß haben" (26 Prozent) rangieren mit deutlichem Abstand dahinter. Auch der Faktor Wissen spielt eine Rolle: Für 31,4 Prozent gehört persönliche Weiterentwicklung zur Arbeit, und 23,6 Prozent sehen ausdrücklich einen Sinn darin, "Wissen an die nächste Generation weiterzugeben". In den Meinungen zur Bedeutung der Arbeit spiegeln sich stark die Perspektiven unterschiedlicher Lebensphasen und -situationen. So spielen für die Altersgruppen ab 50 Jahren verstärkt die Erfahrung von Akzeptanz und Wertschätzung sowie der Kontakt zu anderen Menschen eine Rolle. Tendenziell liegt hier ebenfalls ein kleiner Geschlechterunterschied, auch für Frauen sind beide Faktoren wichtiger.

Mehrheit will früher in Rente gehen

Trotz des existenzsichernden Charakters der Arbeit sehnt sich eine Mehrheit nach einem frühen Renteneintritt. 54,2 Prozent der abhängig Beschäftigten wollen mit 62 Jahren oder früher aus dem Berufsleben ausscheiden, hingegen wollen nur 10,7 Prozent bis 67 oder länger arbeiten. Damit bestätigen sich die Ergebnisse einer gleichlautenden Befragung aus dem Vorjahr. 2021 wollten 53 Prozent mit 62 Jahren oder früher in Rente gehen. 13,4 Prozent waren bereit, bis 67 oder länger zu arbeiten. Eine deutliche Verschiebung der Perspektive gab es dabei in der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre. Wollten 2021 noch 62,3 Prozent bis zum 62. Lebensjahr in Rente gehen, waren es in diesem Jahr 73,5 Prozent. Die Studienmacher sehen hierin einen Hinweis auf eine mögliche Mehrfachbelastung dieser Altersgruppe in der Corona-Pandemie.

Schlechte Absicherung im Alter

Auch unsichere wirtschaftliche Aussichten scheinen den Wunsch nach einem frühen Ruhestand nicht aufzuhalten. Auf die Frage nach der persönlichen finanziellen Absicherung im Ruhestand gaben 19,7 Prozent an, diese sei "sehr schlecht" und weitere 25,4 Prozent "eher schlecht". Zusammengenommen fühlen sich also 45,1 Prozent der abhängig Beschäftigten unzureichend abgesichert. Ein knappes Viertel (23,1 Prozent) war bei dieser Frage unentschieden, ein gutes Viertel (25,7 Prozent) erwartet eine finanzielle Absicherung die "eher" gut ist und gerade einmal 6,1 Prozent sehen für sich die Absicherung als "sehr gut" an.

Auch bei dieser Frage sind deutliche soziodemografische Ungleichheiten erkennbar. Schlecht abgesichert fühlen sich vor allem Menschen ohne Berufsabschluss (67,7 Prozent), ArbeiterInnen (67 Prozent) und die Jüngeren unter 30 Jahren (56,9 Prozent). Auch eine Geschlechterdifferenz ist erkennbar. Während sich durchschnittlich 50,6 Prozent der Frauen schlecht abgesichert fühlen, sind es bei den Männern nur 39,8 Prozent.

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