26.11.2025 - Die Welt ist nicht gerade arm an Herausforderungen - eine davon wird 2026 darin bestehen, digitale Souveränität zu erlangen. Die "Zukunftskonferenz 26." zeigt, warum Unternehmen jetzt handeln müssen - und wie sie ihre technologische Unabhängigkeit zurückgewinnen.
von Dominik Grollmann
Digitale Souveränität ist längst Wettbewerbsfaktor - und Voraussetzung für Sicherheit, Wachstum und Innovationskraft in einer KI-beschleunigten Ökonomie. Die Debatten der vergangenen Monate - von der "Network and Information Security Directive 2" (NIS2) über KI-Regulierung bis hin zur europäischen Digitalpolitik - zeigen: Es geht nicht mehr darum, ob Unternehmen Souveränität brauchen, sondern wie schnell sie sie erreichen.
Das Thema beschäftigt daher auch zahlreiche Referenten der "Zukunftskonferenz 26.
", die der Hightext-Verlag vom 2. bis 4. Dezember als virtuelles Format durchführt (Anmeldung hier). Wir haben vorab mit den Speakern gesprochen.
Bild: Dirk Freytag
Souveränität bedeutet viel mehr Entscheidungsfähigkeit. Die Fähigkeit, selbst zu bestimmen, wie Technologie eingesetzt wird, wie Daten fließen, welche KI-Modelle man integriert und wie man sich gegen Bedrohungen schützt. "Für Eco ist sie der Entscheidungsraum, der Unternehmen, Behörden sowie Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, ihre IT-Systeme und deren Betrieb selbstbestimmt zu gestalten", führt Philipp Ehmann
, Referent in der Abteilung Recht & Regulierung im Eco-Verband
, aus, der am dritten Konferenztag die Keynote hält. Kurz gesagt: "Wer digital souverän agieren will, muss verstehen, wie Technologie funktioniert."
Das klingt selbstverständlich - ist aber für viele Unternehmen noch immer nicht Alltag. Sie nutzen KI, ohne deren Funktionslogik zu kennen, übernehmen Cloud-Strukturen, ohne ihre Risiken zu beurteilen, oder treffen Technologieentscheidungen nach reinen Kostenerwägungen, ohne die strategische Bedeutung zu bewerten. "Um digitale Souveränität zu erreichen, brauchen Unternehmen vor allem Bewusstsein: für die Konsequenzen technologischer Entscheidungen und für den Wert ihrer digitalen Ressourcen", warnt Ehmann. Das gilt insbesondere auch für den Einsatz von KI.
Bild: Philipp Ehmann
Diese Beobachtung hat auch Bruno Grünig
, Berater des Consulting-Unternehmens Bucher & Suter
, angestellt: "Die Kontrolle über Daten und Entscheidungen zu haben, bleibt der wahre Wettbewerbsvorteil", hat Grünig beobachtet, der auf der Konferenz anhand konkreter Praxisbeispiele über seine Erfahrungen bei KI-Projekten berichtet.
Insofern ist digitale Souveränität weniger das abstrakte Thema der internationalen Politik, als das sie oft wahrgenommen wird - sondern viel mehr ein Mittel, um die eigene Position im Wettbewerbsumfeld zu sichern. "Digitale Souveränität ist kein Bremsklotz", versichert Ecommerce One-Chef Brunst. "Sie ist der einzige Weg, langfristige Wettbewerbsvorteile zu sichern, die nicht kopierbar sind. Marken, die ihre Daten wie ein strategisches Asset behandeln und KI bewusst orchestrieren, setzen sich durch, nicht diejenigen, die am lautesten 'KI' rufen."
Bleibt die nicht kleine Herausforderung, den schönen Worten auch Taten folgen zu lassen. Für KI heißt das zunächst, folgende Fragen zu klären: "Wofür will ich sie einsetzen? Welche Lösung passt zu meinen Bedürfnissen? Was geschieht mit meinen Daten? Welche Alternativen gibt es, und wie wird die Betriebsfähigkeit gesichert?", sagt eco-Mann Ehmann.
Bild: ECOMMERCE ONE Group
Bild: Bruno Grünig
Auch eine Private Cloud oder hybride Cloud-Architektur kann digitale Souveränität stärken. Anstatt alles in die Public Cloud eines Hyperscalers zu geben, behalten Unternehmen kritische Daten in einer privaten Umgebung - sei es im eigenen Rechenzentrum oder bei einem lokalen Provider. Der Zugriff und die Datenflüsse sind transparenter und kontrollierbarer. Gleichzeitig lassen sich weniger kritische Workloads weiterhin in die Public Cloud auslagern, um von deren Flexibilität zu profitieren. Dieser Mix aus Kontrolle und Skalierbarkeit hilft, Sicherheitsrisiken zu reduzieren und trotzdem modernste Technologien zu nutzen.
Ein weiteres wichtiges Prinzip für eine souveräne Infrastruktur ist Zero Trust. Dabei gilt: Keinem Benutzer und keinem Gerät wird pauschal vertraut - jeder Zugriff wird verifiziert, unabhängig davon, ob er von innerhalb oder außerhalb des Netzwerks erfolgt. Durch diesen Ansatz ("Security by Design") werden Sicherheitslösungen von Grund auf so gestaltet, dass selbst bei kompromittierten Geräten oder Zugangsdaten ein Eindringen ins Kernsystem erschwert wird.
Bild: Spacenet AG
Auch BVDW-Präsident Freytag will eine moderne Digitalpolitik, die sicheren, interoperablen und fairen Zugang zu Daten sicherstellt. "Dabei spielt Simplification, wie es der Digital Omnibus verspricht, eine elementare Rolle", sagt er. Unter dem Begriff Digital Omnibus strebt die EU-Kommission derzeit eine Generalüberholung von Daten- und Verbraucherschutzregeln in der EU an. Während Kritiker eine Aufweichung fürchten, betont Freytag die positiven Aspekte: "Es geht um die einheitliche Auslegung bestehender Gesetze und die Reduzierung von Komplexität im europäischen Wimmelbild der Digitalgesetzgebung. Schon allein dadurch entsteht Vertrauen und damit der Raum für Innovation."
Im internationalen Maßstab sollte das Thema aber möglichst undogmatisch und pragmatisch, mit Blick auf die Nutzen-Bilanz, entschieden werden. "Europa muss unterscheiden, in welchen Bereichen eigene Lösungen notwendig sind, wo Kooperationen Sinn ergeben und welche außereuropäischen Technologien unter hohen Sicherheitsstandards integriert werden können", meint Freytag. "Genau diese pragmatische Abgrenzung verhindert Abhängigkeiten, ohne Wertschöpfungsketten zu kappen."
Die "Zukunftskonferenz 26.
" findet vom 2. bis 4. Dezember als virtuelles Format statt. Das komplette Programm und die Anmeldung finden Sie hier
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