Marketing- und Retail-Trends: Fair-Trade-Daten und künstliche Intelligenz als Gatekeeper

von UserTesting

Wie können Unternehmen im Jahr 2026 ihre Zielgruppen besser erreichen und ihre Kunden begeistern? Johann Wrede, Chief Marketing Officer von UserTesting, untersucht die wichtigsten Trends.

KI definiert das Thema Personalisierung neu:

Künstliche Intelligenz (KI) wird die Art und Weise, wie Verbraucher Produkte entdecken und bewerten, in diesem Jahr grundlegend beeinflussen. Der Wandel hat bereits begonnen. Über die Hälfte der deutschen Verbraucher haben KI schon beim Shoppen genutzt; 40 Prozent glauben, dass KI ihre Einkaufsgewohnheiten in den nächsten drei Jahren sogar ?erheblich? verändern wird. Diese Dynamik signalisiert einen klaren Wendepunkt: KI-gestützte Produktentdeckung wird zum Standard-Einstiegspunkt in die Einkaufsreise.

Damit steigt auch die Erwartung der Kunden an eine ansprechende Personalisierung. Konsumenten formulieren ihre Suchanfragen zunehmend in natürlicher Sprache und erwarten von Händlern, dass diese ihnen sofort personalisierte, kontextbezogene Empfehlungen liefern. Shops, die KI direkt in die Produktsuche integrieren, reduzieren Reibungsverluste und beschleunigen die Konversion. Diejenigen, die es versäumen, ihre Suchfunktionen zu modernisieren, laufen dagegen Gefahr, Kunden an Wettbewerber zu verlieren, die den Kaufprozess einfacher und intuitiver gestalten.

Abschied von oberflächlichen Metriken:

So genannte Vanity Metrics wie Klicks und Impressions, die lange Zeit die Marketing-Dashboards dominiert haben, werden durch aussagekräftigere KPIs ersetzt, bei denen es um Kundenengagement und Kaufabsichten geht. Der wahre Differenzierungsfaktor wird nicht mehr sein, wie viele Menschen eine Kampagne sehen, sondern wie intensiv sie mit ihr interagieren und was sie als Nächstes tun.

Marketer müssen sich darauf konzentrieren, die Motivationen ihrer Zielgruppe nicht nur zu messen, sondern auch zu verstehen. Kundenerkenntnisse werden dabei entscheidend sein. Es gilt, Dashboards anders aufzusetzen, Erfolg neu zu definieren und Teams dazu zu befähigen, über die Leistungskennzahlen des Performance-Marketings hinauszublicken.

KI übernimmt die Rolle der Homepage:

Unternehmen werden den ersten Eindruck, den sie bei ihren Kunden hinterlassen, bald nicht mehr selbst in der Hand haben. Stattdessen wird häufig KI bestimmen, wie die erste Begegnung mit einer Marke ausfällt. Statt die Website zu besuchen und kurierten Content zu lesen, werden Verbraucher KI-generierte Zusammenfassungen sehen ? verdichtet und gefiltert durch Algorithmen, die auf öffentlicher Wahrnehmung trainiert sind. Kurz: KI wird zum Gatekeeper.

Für Marketer bedeutet das eine grundlegende Machtverschiebung. Die Ära der Suchmaschinenoptimierung geht zu Ende; jetzt geht es um die Optimierung für KI-Zusammenfassungen sowie das Verständnis dafür, wie die Marke von LLMs interpretiert, kontextualisiert und dargestellt wird. Die innovativsten Marken werden ebenso bewusst für Maschinen wie für Menschen kommunizieren und kontinuierlich testen, wie KI-Systeme ihre Botschaften wahrnehmen. Und sie werden KI als eigenen Kanal begreifen, dessen Einfluss aktiv gesteuert werden muss.

Der Aufstieg von Fair-Trade-Daten:

Die Datenerhebung wird sich verändern. Über Jahre hinweg haben Konsumenten sich durch endlose Cookie-Banner klicken müssen, sich mit umständlichen Einwilligungseinstellungen auseinandergesetzt und manipulative Dark Patterns in der Benutzerschnittstelle ertragen, die gezielt darauf ausgelegt waren, ihren Widerstand zu zermürben. Für manche mag es sich angefühlt haben, als müssten sie bei jedem Besuch einer Webseite oder eines Online-Shops um den Datenschutz ringen. Marken haben mit solchen Benutzererfahrungen das Vertrauen ihrer Kunden riskiert.

Besser ist es, dieses Muster zu durchbrechen und stattdessen eine einfache Frage zu stellen: ?Welche Art von personalisiertem Erlebnis wünschen Sie sich?? Dieser Ansatz wird bald eine neue Ära der einwilligungsbasierten Personalisierung einläuten, in der Konsumenten ihre Daten zu ihren eigenen Bedingungen teilen. Und zwar im Austausch für Erlebnisse, die wirklich Mehrwert bieten und nicht als invasiv empfunden werden. Mit solchen Fair-Trade-Daten entsteht mehr Transparenz. Und das Vertrauen der Kunden zu erlangen wird zur wertvollsten Marketing-Disziplin.

Der Kunde hat immer Recht, zuhören lohnt sich:

Die Marken, die am erfolgreichsten sein werden, sind diejenigen, die jede Kundeninteraktion als neue Chance zum Lernen und Verbessern ihrer Angebote verstehen. Der Satz ?Der Kunde hat immer Recht? mag ein Klischee sein. Doch erstaunlich wenige Unternehmen holen tatsächlich regelmäßig und systematisch Feedback von ihren Kunden ein und lassen es in Produkt-, Marketing- oder CX-Entscheidungen einfließen. So entsteht eine wachsende Erfahrungslücke, in der Unternehmen die Qualität ihres Kundenerlebnisses im Vergleich zu dem, was die Kunden tatsächlich empfinden, weit überschätzen.

Diese Diskrepanz entsteht vor allem dort, wo Entscheidungen auf Annahmen und rein quantitativen Daten basieren. Das gilt umso mehr in einer Welt, in der KI viele Prozesse automatisiert und der menschliche Kontakt leicht verloren geht. Erfolgreiche Marken setzen deshalb auf echte Kundeneinblicke in Echtzeit: Sie sprechen mit ihren Nutzern, beobachten deren Verhalten und verstehen die Motive hinter Entscheidungen ? nicht nur die Zahlen. Kontinuierliches, qualitatives Feedback wird damit zum zentralen Erfolgsfaktor, um Erlebnisse zu entwickeln, die relevant bleiben, Vertrauen schaffen und auch im KI-Zeitalter konsequent am Menschen ausgerichtet sind.

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