Arbeitsmarkt & Fachkräfte

Rekordniveau: Jeder Vierte sucht nach einem neuen Job

22.08.2023 - Beschäftigte in Deutschland sind auf dem Sprung, die Wechselbereitschaft unter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist aktuell so hoch wie noch nie: Derzeit sucht mehr als jede und jeder Vierte (26 Prozent) aktiv oder gelegentlich nach einer neuen Stelle. 37 Prozent geben an, interessiert zu sein, wenn sich etwas Passendes ergebe.

von Susan Rönisch

Nur etwas mehr als jede beziehungsweise jeder Dritte Befragte (37 Prozent) gibt an, sich nicht mit einem neuen Job zu beschäftigen. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren war es noch mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Angestellten, 2017 sogar mehr als vier von fünf Beschäftigten (82 Prozent), für die ein Jobwechsel kein Thema war.

Drei von vier Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern (76 Prozent) haben schon einmal den Job gewechselt. Die Gründe? Mehr als ein Drittel (34 Prozent) der Befragten erklärte, dies wegen zu niedriger Bezahlung getan zu haben. Ein ähnlich wichtiger Faktor: das Führungsverhalten der Vorgesetzten. Aus Unzufriedenheit mit ihrer Chefin oder ihrem Chef hat fast ein Drittel (29 Prozent) der Angestellten schon einmal seinem Arbeitgeber den Rücken gekehrt. Weitere Gründe waren - beziehungsweise sind - eine schlechte Unternehmenskultur (23 Prozent), eine interessante Position bei einer anderen Firma (22 Prozent), private Gründe (19 Prozent) und eine zu hohe Arbeitsbelastung (18 Prozent).

Das sind Ergebnisse der alle zwei Jahre durchgeführten EY-Jobstudie   , für die 1.555 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland repräsentativ befragt wurden.

Vor allem bei jungen Angestellten spielt das Führungsverhalten der Vorgesetzten eine wichtige Rolle. So gaben 32,4 Prozent der Befragten im Alter von 21 bis 35 Jahren an, in ihrem relativ kurzen Berufsleben schon einmal aus Unzufriedenheit über das Verhalten ihrer Chefin oder ihres Chefs gekündigt zu haben. In der Altersgruppe der 51- bis 65-Jährigen sind es mit 27,8 Prozent weniger - und das, obwohl diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon deutlich länger beruflich tätig sind. Auch bei der Bezahlung lassen sich Generationsunterschiede feststellen: So sagen 41,4 Prozent der jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass sie wegen zu geringer Bezahlung wechselten. Bei den Beschäftigten mittleren Alters sind es 37 Prozent, in der Gruppe der ältesten Arbeitnehmer nur 26 Prozent.

Gefühl der Verbundenheit zum Arbeitgeber schwindet

Dies spiegelt auch die gefühlte Arbeitsplatzsicherheit der Angestellten wider. Nur noch etwas mehr als jeder Dritte (36 Prozent) schätzt seinen Job als sehr sicher ein - dies markiert den niedrigsten Wert seit 2015. Eine Entwicklung, die ein ohnehin schwächer werdendes Gefühl der Verbundenheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ihrem Arbeitgeber weiter schmelzen lässt: Nur noch 13 Prozent der Befragten sagen von sich, sich mit ihrem Unternehmen sehr eng verbunden zu fühlen - auch dieser Wert war nie geringer. Zum Vergleich: 2017 sagte noch jede bzw. jeder dritte Beschäftigte (34 Prozent), dass er eine sehr enge Verbundenheit zu seinem Arbeitgeber spüre. Dazu passt: Immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehen sich aktuell perspektivisch bei einem neuen Arbeitgeber (19 Prozent) ? auch das ein Höchststand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2015.

Außerdem stehen bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern flexible Arbeitszeitmodelle, egal ob beispielsweise die Vier-Tage-Woche, Teilzeitmöglichkeiten oder Gleitarbeitszeit, schon jetzt hoch im Kurs: 63 Prozent der Befragten sagen, dass flexible Arbeitszeitmodelle ein Benefit sind, den Arbeitgeber anbieten sollten. Dahinter folgen Überstundenkompensation (58 Prozent) sowie Weiterbildungsmöglichkeiten (57 Prozent). An Bedeutung verlieren dagegen Leistungen wie Firmenwagen, den sich nur noch jede beziehungsweise jeder fünfte Befragte (20 Prozent) wünscht oder kostenfreie Snacks im Büro, die sich weniger als ein Drittel (31 Prozent) wünscht.

Außerdem liege den Studienautoren zufolge eine weitere Herausforderung, die den Arbeitsmarkt hierzulande in den kommenden Jahren prägen wird: Der geburtenstarke Jahrgang der Babyboomer wird sukzessive und in hoher Zahl in den Ruhestand gehen - und dabei Lücken hinterlassen, die schwer zu füllen sein werden.

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