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"Die 80 Cent sind definitiv vom Tisch"

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So teuer war der Brief noch nie in der Geschichte der Bundespost

12.02.2019 - Kommt jetzt die Chance für alternative Postdienstleister? Die Deutsche Post will das Briefporto deutlich erhöhen und bekommt dazu Unterstützung aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Um rund ein Viertel wird wohl das Porto im Sommer nach oben gehen - und eröffnet eine Chance für alternative Postdienstleister.

von Joachim Graf

Das Bundeswirtschaftsministerium will eine Verordnung ändern, auf deren Basis die Deutsche Post das Briefporto deutlich stärker anheben kann, als bisher geplant. Statt bisher alle sollen künftig nur die strukturell vergleichbaren Postgesellschaften anderer Länder zum Vergleich herangezogen werden. Das bildet die Entscheidungsgrundlage der Bundesnetzagentur, wie hoch das Porto steigen darf.

Die Änderung der Post-Entgeltregulierungsverordnung (PEntgV) sei "ist in Zeiten der Marktwirtschaft ein völlig veraltetes und für die Verbraucher und Postnutzer benachteiligendes Verfahren", betont Klaus Gettwart, Vorstand des Deutscher Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation e. V., DVPT e.V. Es würden die Gewinne von Postgesellschaften zum Vergleich herangezogen, die in anderen Ländern über monopolähnliche Stellungen verfügen und somit zu hoch bemessen sind.

Von bisher 70 Cent kann das Porto des Standardbriefs nun auf 85 bis 90 Cent steigen. Bisher hatte die Bundesnetzagentur der Post nur eine deutlich niedrigere Erhöhung in Aussicht gestellt. Tatsächlich kalkuliert man nun bei der Post mit einem beträchtlichen Portosprung: "Die 80 Cent sind definitiv vom Tisch", bestätigt ein Post-Insider der ONEtoONE-Redaktion.

Durch die Ändeurng der PEntgV wird das Porto allerdings auch später als ursprünglich geplant erhöht - statt April ist Juli angedacht. Denn erst muss die Verordnung in Kraft treten, dann entscheidet die Bundesnetzagentur über einen neuen Preisrahmen entscheiden. Danach kann die Post die Erhöhung beantragen, was dann die Bundesnetzagentur erneut genehmigen muss.

"Die von der Deutschen Post AG genannten Rückgänge bei den Briefmengen können die Preiserhöhung nicht rechtfertigen. Jährlich nehmen diese nämlich nur 1 bis 2% ab und das Briefgeschäft ist nach wie vor hoch profitabel" , klagt der DVPT. Die geplanten Preiserhöhungen passten zudem nicht zu gleichzeitig immer schlechterer Qualität. Die Zahl der Beschwerden bei der Bundesnetzagentur habe sich 2018 auf 11.830 fast verdoppelt. 2017 waren es 6.100 und 2016 rund 3.900 Beschwerden.

Das könnte eine Chance sein für die alternativen Postdienstleister, die bisher schon mit Preisen leicht unterhalb der Deutschen Post zu punkten versuchen. Vergrössert sich der Preisabstand, so die Hoffnung des einen oder anderen Anbieters, wirkt sich das positiv auf die Zahl der Neukunden aus. Davor hat der Gott des Zustellwesens allerdings umfassende Marketingkampagnen, gesetzt, um den von der Post enttäuschten Kunden erst einmal zu erzählen, dass es alternative Anbieter gibt. Doch Marketing - da sind sich die Experten einig - ist bei den alternativen Postdienstleistern bislang eine eher vernachlässigte Disziplin.