22. Februar 2010
E-Shops
Günstiger, aber besser als vor drei Jahren
Vom der großen Online-Mall bis zum spezialisierten Kleinstanbieter – der E-Shop-Softwaremarkt bietet heute für alles eine optimale Lösung (Foto: Ebay)
Der Markt für Onlineshop-Software differenziert sich: Nachdem anfangs noch Ebay und Amazon das Maß aller Dinge waren, haben Betreiber heute eine breite Auswahl aus Mietshops, Open-Source-Software und großen Plattformen.
„Die Art des Handelns wird sich verändern.“ Diese Erkenntnis hatte Uday Shah, Lederwarenhändler sowie Gründer und Inhaber der Firma Shalimar, bereits in den 90er Jahren mit der Verbreitung der ersten Zugangsmöglichkeiten zum Internet – und bewies damit mehr Weitsicht als mancher andere Handelsriese. Der in Haibach bei Aschaffenburg ansässige gebürtige Inder designt Taschen. Zuerst verkaufte er diese an Zwischenhändler wie Karstadt, Quelle oder Hertie. Mit dem Aufkommen und der Verbreitung des Webs war sich der Lederwarenverkäufer sicher, dass sich sein Geschäft verändern werde.
Wie heute jeder weiß, hat Shah Recht behalten. Laut einer Statistik des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (BVH) wurden im vergangenen Jahr mit dem Verkauf über das Internet 15,5 Milliarden Euro umgesetzt. Der BVH schätzt die Gesamtzahl aktiver Online-Shops auf etwa 50.000 deutschlandweit. Davon entstanden etwa 50 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Der Anteil traditioneller Bestellwege wie Telefon oder Brief geht im Versandhandel stark zurück; der Nutzungskomfort des mittlerweile nahezu allgegenwärtigen Netzes lässt die Verbraucher immer häufiger die Maus klicken, um einen Einkauf zu tätigen.
Anforderungen an Shops steigen
Mit dem zunehmenden Handelsvolumen steigen auch die Anforderungen an die Händler: Um sich von den Mitbewerbern unterscheiden und den Erwartungen der Kunden gerecht werden zu können, braucht jeder Internet-Versandhändler verlässliche Shopsoftware – schließlich verwaltetet die im Hintergrund auch viele Prozesse, die der Verbraucher nicht sieht, die aber, wie etwa die Verfügbarkeitsprüfung des Artikels, immer wichtiger werden. Denn traf man früher im Versandhandel in einem Warensegment als Anbieter vielleicht auf zwei bis drei relevante Mitbewerber, so werden die Nischen heute immer kleiner und die Flut der Anbieter aufgrund der niedrigen Eintrittsschwelle immer größer. Und findet der Kunde die gewünschte Ware bei einem Shop nicht vorrätig, weil die Software den Verkauf des letzten Artikels nicht rechtzeitig gemeldet und der Händler nicht rechtzeitig nachgeordert hat, kauft der Kunde woanders; und der Händler geht leer aus.

Uday Shah von Shalimar
Der Lederwarenhändler Shah nutzt heute für seinen Verkauf das Online-Shopsystem von Plentymarkets. In den E-Commerce eingestiegen ist er Ende der 90er Jahre aber mit dem Verkauf über die Online-Auktionshäuser Alando und Ebay. Seine persönliche Geschichte ist somit auch eng mit der Entwicklung des Marktes verknüpft. Shah stieg zu einem der ersten 100 deutschen Powerseller bei Ebay auf, wo er zunächst noch mit einem 486er-Rechner und Modem einzelne Artikel einstellte: „Das hat gleich wunderbar funktioniert.“ Schließlich reduzierte er seine Aktivitäten im Großhandel immer weiter und verlagerte das Geschäft mehr ins Netz. „Ebay ist dann rasant gewachsen.“ Noch heute zählt das Unternehmen zu den E-Commerce-Top-Playern. Seit 1999 wurden auf Ebay.de laut Unternehmensangaben mehr als 4,4 Milliarden Gebote abgegeben und mehr als 1,1 Milliarden Artikel verkauft. Der Gesamtwert der seit der Gründung des deutschen Marktplatzes verkauften Produkte soll 42 Milliarden Euro betragen.
Das Geschäft mit professionellen Händlern wie Shah hat in dieser Zeit zugenommen. Heute liegt laut Ebay der Anteil verkaufter Artikel von gewerblichen Verkäufern mit dem des Anteils privater Verkäufer mit jeweils circa 50 Prozent gleich auf. Ab etwa 2007 habe das Unternehmen jedoch einiges falsch gemacht, so Shah. „Da wurden zu viele Händler zugelassen, die minderwertige Ware verkauft haben. Das hat den Markt kaputt gemacht“, so der E-Commerce-Experte.
Amazon gräbt Ebay das Wasser ab
Auftritt Amazon: Der zweite E-Commerce-Riese öffnete im Jahr 2002 seine deutsche Verkaufsplattform für Fremdhändler, vergrößerte sein anfangs hauptsächlich aus Medienprodukten und Büchern bestehendes Sortiment mit den Jahren immer weiter und nahm so Ebay langsam die Butter vom Brot. Ein knappes Drittel der über die Amazon-Plattform verkauften Artikel stammt mittlerweile von anderen Händlern. „Amazon hat von Anfang an vieles richtig gemacht, wie beispielsweise den Kauf einfach und leicht zu gestalten, etwa durch 1-Click-Shopping“, sagt Shah. „Und mit den Qualitätsstandards bei den Händlern bot Amazon den Käufern die notwendige Sicherheit.“
Shah verkauft mittlerweile 15 bis 20 Prozent seiner Ware über Amazon. Über Ebays Plattform setzt er nur noch im einstelligen Prozentbereich ab. Der größte Teil seiner Kunden kauft direkt in seinem Onlineshop, für den sich Shah frühzeitig die Domains Lederwaren.com, .org und .net gesichert hat. Seit 2007 betreibt er unter diesen Adressen nun mit der Plentymarkets-Software einen eigenen Shalimar-Shop. „Durch die Multi-Channel-Fähigkeit der Plattform konnte ich auf mehreren Marktplätzen gleichzeitig verkaufen und mein Geschäft im Grunde einfach so weiterführen.“ Da er nun keine Handelsvertreter mehr beschäftigen muss und die Software diverse Prozesse optimiert, erzielt er mit weniger Mitarbeitern mehr Umsatz.
- 1. Teil: Günstiger, aber besser als vor drei Jahren
- 2. Teil: Mietshops bieten Gesamtpaket
- 3. Teil: Open-Source mischt den Markt auf
- 4. Teil: Leitfäden und Shop-Auflistungen helfen bei der Shop-Auswahl
- 5. Teil: Wie werde ich mit meinem Shop sichtbar?
- 6. Teil: Noch zu wenig Kundendialog
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