Marketingverantwortliche bewerten die vorangegangene Ausgabe
Kampagne des Monats
Die Wahl der Kampagne des Monats erfolgt durch jeweils drei Marketingverantwortliche namhafter Werbungtreibender.
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Simone Wastl
leitet den Bereich Marketing und Kommunikation der SEB AG in Frankfurt
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Günter Baumgartner
ist Vice President Market Communication der Siemens AG in Erlangen
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Andreas Heinrich
ist Werbeleiter der EulerHermes Kreditversicherungs-AG in Hamburg
Interaktive Tierrettung
„Sei nett zu Tieren – du könntest selbst eins sein“, sagte einmal unser ehemaliger Arbeitsminister Norbert Blüm. Was aber nichts nutzt, wenn die Tiere die Welt erkunden wollen und ausbüxen.
Die Kampagnen des Monats
So jedenfalls geschah es dem Weihnachtsmann vor einem Jahr. Ihm waren die Rentiere weggelaufen. Damit das Weihnachtsfest nicht ohne Geschenke stattfinden muss, rief die Deutsche Lufthansa ihre Newsletter-Abonnenten dazu auf, webweit nach Rudi & Co. zu suchen. Die Suche sollte natür-lich nicht umsonst sein. Je mehr Rentiere die Teilnehmer fanden, desto größer waren ihre Gewinnchancen. Damit am Ende alle entlaufenen Tiere zurück in ihrem Gehege waren und frisch gestärkt den Schlitten ziehen konnten, wurden jeden Tag neue Rentiere zur Fahndung ausgeschrieben, inkl. Tipps, wo sie denn sein könnten. Am Ende der Suchaktion waren 26.500 Rentiere zurück ins Gehege gebracht worden. Außerdem hatte die Lufthansa 10.000 neue Newsletter-Abonnenten.
Einem solchen Erfolg konnten sich weder die Jurys der einschlägigen Dialogmarketing-Awards entziehen noch die Juroren zur Kampagne des Monats, die den ersten Platz an die Rentierrettung vergaben. Andreas Heinrich: „Eine wirklich innovative Idee, im Idealfall 24 Tage lang dafür zu sorgen, dass Mitspieler täglich nach dem aktuellen Rentierausreißer auf der LH-Webseite suchen. Und damit quasi nebenbei durch die LH-Webpages stöbern. Die Erfolgs-bilanz – ein Drittel mehr LH-Newsletter-Abonnenten – spricht im Übrigen klar für sich.“ Auch Günter Baumgartner findet die Inszenierung des eigentlich alten Spielethemas und -designs pfiffig und witzig. Ihn überzeugten besonders die Einfachheit der Idee und die schnelle Anwendung.
Auf Platz zwei sind die Tiere nicht entlaufen. Das würde laut WWF wahrscheinlich auch nicht weiter auffallen, denn die Tiger sind massiv vom Aussterben bedroht. Laut aktueller Zählung sollen weltweit nur noch 3.200 Exemplare dieser imposanten Raubkatze in freier Wildbahn leben. Um zumindest diesen Bestand zu erhalten und im Idealfall wieder auszubauen, startete der WWF eine Aktion, die die Men-schen dazu bewegen sollte, eine Petition zu unterschreiben. Diese Petition war dazu bestimmt, den am Internationalen Tiger-Gipfel teilnehmenden Politikern überreicht zu werden. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, setzte man auf das Zusammenspiel unterschiedlicher Kanäle, wie Street-Art, Guerilla, Internet und Flyer. Günter Baumgartner: „Das Tier ist der Botschafter. Der Tiger emotionalisiert das Thema selbst. Keine Schnörkel. Direkt, ohne Umwege. Medial spannend und gut inszeniert.“
Den dritten Platz vergaben die Juroren an eine Kampagne, die nur im übertragenen Sinn etwas mit Tieren zu tun hat, nämlich mit Mäusen. Es geht um die quirin bank, die sich als erste Privatbank profilieren möchte, deren Berater aus-schließlich erfolgsbezogen honoriert werden. Dazu wurde durchgehend auf Ironie gesetzt. Unter dem Motto „Die quirin bank ist die unbeliebteste Bank. Bei den Banken“ war zu sehen, wie ver-zweifelte und ohnmächtige Bankberater reagieren, wenn das erfolgreiche Geschäftsmodell der Großbanken von einer kleinen Privatbank in Frage gestellt wird. Andreas Heinrich meint: „Endlich einmal eine Bank, die sich selbst nicht so ernst nimmt und damit Humor beweist! Solche Kampagnen bereichern wirklich die Werbewelt und lassen einen gerne schmunzeln. Nebenbei bleibt zumindest der Name quirin bank hängen, den man ansonsten vermutlich nie gehört und sich ganz sicher nie gemerkt hätte, und zwar selbst dann, wenn man dort nicht zum Kunden wird.“







