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Mitarbeiterbindung

Work-Life-Balance: Agentur und Familie

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Agenturen versuchen, auch 
Führungskräften das Arbeiten in Teilzeit zu ermöglichen (Foto: Doble D / Fotolia)

Werbeagenturen galten noch nie als familienfreundlich. Immer mehr von ihnen bemühen sich aber offenbar, umzustrukturieren. Wir sprachen mit verschiedenen Agenturgeschäftsführern, die sich Familienfreundlichkeit auf die Fahne geschrieben haben.

“Werbeagenturen stecken mitten in der Image-Krise“, lautete die Headline der Titelgeschichte von ONEtoONE-Ausgabe 09/13. Es ging dabei um einen akuten Nachwuchsmangel, der in Agenturen herrschte. Raphael Brinkert, im Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA verantwortlicher Vorstand für den Nachwuchs, sagte damals: „Es wird Zeit, dass wir uns der Kritik stellen, Antworten finden, aber auch Vorverurteilungen gegenüber der Branche bekämpfen.“ „Agenturen haben ein Attraktivitätsproblem. Junge Talente gehen vermehrt lieber in Start-ups, in Unternehmen oder in die Selbstständigkeit“, sagte Agenturberater Jörg Jelden. Gegen das Image des schlechten Arbeitgebers wehren sich aber offenbar immer mehr Agenturen. Einige kommunizieren sehr offen die positiven Seiten, die sie Angestellten zu bieten haben, auch zum Beispiel im Bereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Hamburger Kommunikationsagentur Achtung beschäftigt beispielsweise verschiedene Teilzeitkräfte in Führungspositionen und hat 2013 von der Hamburger Allianz für Familien ein Familiensiegel erhalten. Mirko Kaminski, Inhaber und Geschäftsführer der Agentur, sagte: „Wir freuen uns sehr über das Siegel. Als Vater von zwei Kindern weiß ich selbst, wie wichtig es ist, dass man beides hinbekommt und miteinander verbinden kann. Und über die Eltern in Teilzeit kann ich sagen: Sie gehören immer zu den Loyalsten und Besten.“ Gleichzeitig räumt die Agentur laut Gpra.de ein, dass das Engagement auch ganz egoistische Gründe habe. „Gute Kandidaten müssen sich eigentlich schon lange nicht mehr bei Unternehmen bewerben, sondern Unternehmen heute eher bei den Kandidaten. Gute Köpfe sind rar geworden. Deshalb ist die eigene hohe Attraktivität als Arbeitgeber heute ein echter Wettbewerbsvorteil“, sagte Sybille Gast, Personalleiterin bei Achtung.

GWA-Agentur in Top 5 bei „Great Place to work“

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Markus Hanauer, Geschäftsführer und CEO bei Spirit Link Medical

Die GWA-Agentur Spirit Link Medical (60 Mitarbeiter) erhielt 2014 zum zweiten Mal in Folge eine Auszeichnung bei dem Preis „Great place to work“, in diesem Jahr erreichte die Healthcare-Agentur sogar den fünften Platz unter 500 Arbeitgebern, eine untypisch hohe Auszeichnung für eine Werbeagentur. „Ich will als Unternehmer nicht nur wirtschaftlichen Erfolg haben, sondern auch ein guter Arbeitgeber für die Angestellten sein, das ist mir persönlich wichtig. Außerdem sind Mitarbeiter kreativer und produktiver, wenn sie zufrieden sind“, sagt Geschäftsführer Markus Hanauer. „Wir brauchen als Healthcare-Agentur Mitarbeiter mit Erfahrung, da Gesundheitsthemen meistens sehr komplex sind. Das erwarten auch unsere Kunden von uns. Allein deshalb müssen wir dafür sorgen, dass besonders Mitarbeiter mit Kindern, die oft auf Senior-Ebene arbeiten, Beruf und Familie gut unter einen Hut bringen können. Wir leben dies auch von der Geschäftsführung vor, denn die Grundhaltung im Unternehmen ist hier entscheidend: Drei von fünf Partnern im Führungsteam sind Frauen, die alle in Teilzeit arbeiten. Und auch ich als Geschäftsführer habe Elternzeit genommen.“

Die Agentur setzt dabei auch auf gegenseitiges Vertrauen. Bei Spirit Link wird so gearbeitet, dass jeder Mitarbeiter selbstständig seine Überstunden einträgt und diese wahlweise ausgleichen kann oder ausgezahlt bekommt. Zudem gibt es pauschal für alle Mitarbeiter fünf Tage pro Jahr frei, wenn das Kind krank ist, ohne dass ein Attest nötig ist. Erst nach diesen fünf Tagen greifen die gesetzlichen Regelungen. „Man muss entscheiden, welche Art von Dienstleister man sein will. Nach unserer Gründung vor 15 Jahren waren wir eine Art ,Feuerwehrdienstleister‘ und haben uns über Geschwindigkeit und den Preis etabliert. Damals haben wir auch immer wieder Kollegen an Kunden verloren. Nach ein paar Jahren haben wir umgedacht, und mittlerweile kommt kein Kunde mehr zu uns, weil wir schnell sind, sondern es geht um strategisches Denken, um die Ideen und um die Prozesse. Wochenendarbeit war am Anfang die Regel und ist nun absolute Ausnahme. Mittlerweile verlieren wir keine Mitarbeiter mehr wegen schlechter Arbeitsbedingungen.“

Hirschen Group etabliert Team für Personalbindung

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Julian Scholl, Geschäftsführer Zum Goldenen Hirschen

Auch bei vergleichsweise großen Agenturen wie Zum goldenen Hirschen (370 Mitarbeiter) spielen Themen wie Familienfreundlichkeit eine Rolle. „Der auch in unserer Branche zunehmende Fachkräftemangel bringt das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf zunehmend auf die Agenda, und wir arbeiten agenturübergreifend an Modellen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, sagt Julian Scholl, Geschäftsführer bei Zum goldenen Hirschen Berlin und im Rahmen der Hirschen Group zuständiger Partner für den Bereich Personal. „Eine einheitliche Lösung gibt es nicht. An jedem Standort wird im Einzelfall eine optimale Lösung gesucht mit passendem Stundenkontingent, Teamstruktur und natürlich entsprechend dem Aufgabengebiet des Einzelnen. Entscheidend ist dabei die transparente Kommunikation Richtung Kunde und das Twinning mit anderen Mitarbeitern, damit die Erreichbarkeit für den Kunden gewährleistet bleibt. Dabei geht es nicht nur um den Ausgleich von Wochenstunden, sondern auch um flexible Lösungen im Falle von Krankheiten oder organisatorischen Notwendigkeiten. Außerdem unterstützen wir Wiedereinsteiger, ihre Karrieren fortzusetzen, sodass zum Beispiel die geringere Möglichkeit zu reisen kein Hindernis darstellt.“

Die Agenturgruppe hat ein standortübergreifendes Projektteam installiert, das die Themen Personalentwicklung und -bindung sowie die Förderung von Frauen in Führungspositionen erarbeitet. Dazu gehört unter anderem auch die Erweiterung des bestehenden Academy-Angebots um eine gezielte Förderung, zum Beispiel durch Mentoring-Angebote. „Im Rahmen einer umfangreichen Mitarbeiterbefragung haben wir festgestellt: Die Kultur stimmt. Die Mitarbeiter empfinden eine starke Bindung und Loyalität zur Agentur. In diesem Zusammenhang wurde uns auch signalisiert, wie wichtig eine umfassende interne Kommunikation und der Dialog mit den Mitarbeitern ist“, sagt Julian Scholl.

Die offene und transparente Kommunikation nach innen stuft auch Markus Hanauer von Spirit Link Medical als wichtig ein. „Alle zwei bis drei Monate legen wir in großer Runde alle Kennzahlen des Unternehmens für die Mitarbeiter offen, damit jeder weiß, woran er ist. Diese Transparenz schafft Vertrauen und Respekt. Insgesamt geht es unseren Mitarbeitern, ob mit oder ohne Kinder, um Vertrauen, Respekt, Freiheit, Spaß an der Arbeit, Transparenz und die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und dazuzulernen“, sagt Hanauer. Aktuell erarbeitet Spirit Link Medical mit externen Theologen ein Positionspapier, das die eigenen Werte der Agentur herausstellt und erklärt. Dies soll künftigen und potenziellen Mitarbeitern zur Orientierung an die Hand gegeben werden.

Zum goldenen Hirschen arbeitet mit wöchentlichen internen Newslettern mit Mitarbeiter- und Standortportraits, der Vorstellung von Cases mit Wissenswertem aus dem Arbeitsalltag und „bunten“ Themen wie der Teilnahme an Events. Ein Videoreporter, der die Veranstaltungen und Büros besucht, produziert hierfür Filme und Fotos, die zum Teil auch auf Facebook zu sehen seien. Im Rahmen eines Personalentwicklungs- und Kulturprojektes arbeite man daran, den „Best-place-to-work“ zu bieten. (db)

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