23. Februar 2010
Briefmarkt
Volksbanken wollen Postschalter eröffnen
Die Volks- und Raiffeisenbanken suchen den Dialog mit dem Kunden
Die Idee klingt verlockend: Ab April wollen die Volks- und Raiffeisenbanken möglichst flächendeckend Postdienstleistungen anbieten. Die Kunden sollen ihre Briefe, Postkarten und Päckchen auch in der Bankfiliale aufgeben können. Ob sich damit aber tatsächlich Geld verdienen lässt, ist äußerst fraglich.
Hintergrund: Die Deutsche Post schließt bis Ende 2011 alle selbst betriebenen Filialen. In diese vermeintliche Service-Lücke wollen nun die Volks- und Raiffeisenbanken stoßen. Immerhin vertritt der Genossenschaftsverband, der das Projekt jetzt ankündigte, nach eigenen Angaben mehr als 1.800 Mitgliedsgenossenschaften in 13 Bundesländern mit mehr als vier Millionen Mitgliedern und 88.000 Mitarbeitern. Volks- und Raiffeisenbanken sind auch dort noch präsent, wo selbst Sparkassen nicht mehr zu finden sind. Die Kreditgenossenschaften wären also geradezu prädestiniert, flächendeckende Postdienstleistungen anzubieten.
Allerdings verschwindet die Deutsche Post nicht einfach so aus der Fläche. Die Postannahme wird lediglich von Partner betrieben – zum Beispiel von Tankstellen oder Supermärkten. Außerdem gibt die Deutsche Post ihre eigenen Filialen nicht ohne Grund auf: Sie sind ihr einfach zu teuer geworden. Auch die Idee, Postdienstleistungen in Banken anzubieten, ist nicht neu. Das hatte 2006 schon die Paketeria versucht. Die Paketeria ist seit 2009 insolvent.
Dennoch übt sich der Genossenschaftsverband in Optimismus. „Natürlich ist es unser Ziel, mit diesem Projekt schwarze Zahlen zu schreiben“, sagte Michael Bockelmann, Präsident des Genossenschaftsverbands. Der Verband hat Ende vergangenen Jahres eigens die Genopost als eingetragene Genossenschaft gegründet. Diese Genopost verfügt über die notwendigen Lizenzen. Die eigentliche Zustellung sollen dann externe Dienstleister erledigen, natürlich auch die Deutsche Post.
Bockelmann zufolge haben bundesweit 240 Banken ihr grundsätzliches Interesse signalisiert. Zehn Häuser hätten bereits angekündigt, das Postmodell umzusetzen. Erste Erfahrungen liegen auch schon vor. So hatte die Volksbank Meißen Großenhain zunächst mit der Paketeria Postdienstleistungen angeboten. Das lief offenbar so gut, dass die Volksbank den Service nun – nach der Paketeria-Insolvenz – allein betreibt. Wer im Internet www.paketeria.de eingibt, landet automatisch bei der Volksbank. Aber nicht überall sind die Erfahrungen in den Banken positiv. Bei der Sparkasse in Leipzig konnten Kunden seit 2006 Briefe und Pakete aufgeben. Nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ lief es allerdings nicht so gut wie erhofft. „Die Kunden haben die Dienstleistung nicht genug nachgefragt“, sagte eine Sprecherin der Zeitung. Dadurch habe man auch nicht so viele Bankprodukte verkaufen können, wie man sich erhofft habe. Laut „Süddeutsche“ will die Bank das Postgeschäft im März wieder aufgeben.
Hauptinteresse der Volks- und Raiffeisenbanken ist es ohnehin nicht, ins komplizierte Geschäft mit Postdienstleistungen einzusteigen. Im Zeitalter des Online-Bankings wollen sie vielmehr den Kontakt zu ihren Kunden wiedergewinnen. „Den Beteiligten wird die Chance eröffnet, komplett neue Kundengruppen zu gewinnen“, sagt Bockelmann. Das Modell scheint ausbaufähig. Der oberste Genossenschaftler: „Neben den vertraglichen Regelungen mit den externen Postdienstleistern, die das Verteilen der Post übernehmen, wird die Genopost in weiteren Schritten zusätzliche Mehrwertleistungen für das Filialgeschäft zur Verfügung stellen.“ Was das bedeuten könnte, weiß man noch aus Paketeria-Zeiten: Kopiermöglichkeiten, Internet-Terminals, Druckerpatronen-Befüllungs-Service etc. (te)
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