19. August 2010
Augmented-Reality-Special
„Süddeutsche“ erweitert die Realität übers Handy
Das SZ-Magazin-Titelbild von TV-Moderatorin Sandra Maischberger erwacht auf dem Handydisplay zum Leben
Die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) hat die morgen erscheinende 34. Ausgabe ihres Magazins mit multimedialen Inhalten angereichert, die über das Mobiltelefon abgerufen werden können. Betrachten die Leser das Heft durch ihre Handykamera, geraten auf dem Display die Bilder der Printausgabe in Bewegung oder werden durch weitere Informationen ergänzt. Ein Special dieser Art habe die Welt noch nicht gesehen, sind sich die Macher sicher.

Insgesamt fünf Teile des Heftes werden über das Mobiltelefon „erweitert“. Das Titelbild von Sandra Maischberger erwacht etwa auf dem Handy zum Leben. Während die TV-Moderatorin sich auf dem Print-Foto hinter ihren Händen versteckt, sehen die Leser auf dem Handydisplay eine Animation, in der sie fröhlich lächelt. In der Rubrik „Sagen Sie jetzt nichts“, in der Prominente nur durch Gesten und Mimik Fragen beantworten sollen, erscheinen innerhalb der Bilder von Grand-Prix-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut Sprechblasen mit Kommentaren, die sich die Sängerin doch nicht verkneifen konnte. Die Kolumne von Axel Hacke ist auf dem Handy durch eine dreidimensionalen Animation vom SZ-Magazin Illustrator Dirk Schmidt erweitert. Zuguterletzt finden die Leser auf dem Handy einen virtuellen Stadtführer als exklusiven Inhalt, in dem die Redakteure und Autoren des SZ-Magazins ihre Lieblingsorte in München, Berlin und Hamburg verraten. Richtet der Leser die Kamera eines Smartphone in Hamburg, München oder Berlin auf seine Umgebung, sieht er Wegweiser zu Restaurants, Bars, Clubs Läden und Hotels in die reale Umgebung überblendet.

Der virtuelle Stadtführer des SZ-Magazins
Das Special basiert auf dem Prinzip der so genannten Augmented Reality (AR). Dabei wird die Offline-Welt mit Diensten oder Daten aus der Online-Welt verknüpft. Im Print-Bereich geschah dies bisher häufig über die Webcam von statischen Rechnern: Hält der Nutzer ein Objekt ins Bild, wird dies auf dem Monitor seines Rechners durch weitere Inhalte wie etwa Animationen ergänzt. Mit dem morgigen Special ist das SZ-Magazin das erste Printmedium, das die gedruckte mit der digitalen Welt über das Handy kombiniert, glauben die Macher. „Statt nur über Augmented Reality( AR) zu berichten, haben wir Dank der Unterstützung unseres Dienstleisters Metaio ein Heft entwickelt, das die neue Technologie für unsere Leser erstmals in einem journalistischen Format erlebbar macht“, sagt SZ-Magazin-Chefredakteur Dominik Wichmann. Eigentlich plante die SZ-Magazin zunächst einen Bericht über Augmented Reality. Schnell erwuchs jedoch die Idee, dem Leser die Technologie durch direkte Anwendung zu veranschaulichen. „Neue kulturelle oder technische Entwicklungen werden beim SZ-Magazin nicht nur beschrieben, sondern auch praktiziert“, sagt Wichmann.
In den Genuss des Specials können Besitzer eines iPhones oder eines Smartphones kommen, das als Betriebssystem Googles Android nutzt. Sie müssen entweder Apples iTunes Store oder den Googles Android-Market ansteuern und sich dort den kostenlosen „Augmented-Reality-Browser“ Junaio des Müncher AR-Entwicklers Metaio herunterladen. Dieser vereint alle technologischen Komponenten, die für das Augmented-Reality-Surfen notwendig sind in einer App, die über so genannte Kanäle die unterschiedlichsten Inhalte anbietet.
Bisher sind nur redaktionelle Inhalte durch das Special erweitert. Die Erweiterung von Print-Anzeigen sei jedoch lediglich wegen der kurzen Vorlaufszeit nicht durchgeführt worden, erklärte ein Metaio-Sprecher gegenüber ONEtoONE. Es erscheint also durchaus denkbar, dass in naher Zukunft die Brücke von der Offline- in die digitale Werbewelt über das Handy führt. (re)
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