26. Oktober 2009
Blog-Beitrag
Suchst Du noch oder findest Du schon?
Es hat gerade einmal ein paar Stunden gedauert, dass die neue Suchmaschine <a href="http://www.bing.com">Bing</a> sich Hoffnungen auf einen Wettbewerbsvorteil gegenüber <a href="http://www.google.com">Google</a> machen durfte. Die <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,656595,00.html">Meldung</a>, dass sich <a href="http://www.microsoft.com">Microsoft</a> mit <a href="http://www.twitter.com">Twitter</a> auf eine Zusammenarbeit in Sachen Echtzeit-Suche ("Real-Time-Search") geeinigt habe, war gerade einmal ein paar Stunden alt, als Google-Produktchefin <a href="http://www.google.com/corporate/execs.html#marissa">Marissa Mayer</a> auf der <a href="http://www.web2summit.com/">Web 2.0 Summit</a> in San Francisco <a href="http://www.techcrunch.com/2009/10/21/web-2-0-summit-marrisa-mayer-shows-off-social-search-results-from-your-social-netowrk/">mitteilen</a> konnte, dass man ebenfalls die vieldiskutierte Einigung erzielt habe.
Beide Suchmaschinen erhalten somit direkten Zugang zu den öffentlichen Tweets des Microblogging-Dienstes Twitter. Zwar ist derzeit noch nicht klar, wie sie den gewaltigen Echtzeit-Datenstrom bewältigen und aufbereiten wollen, Fakt ist aber, dass diesen Inhalten offenbar eine ziemlich große Bedeutung beigemessen wird.
Googles Reintegration der Nachrichtenelite
Was auf den ersten Blick ziemlich unspektakulär zu sein scheint, schließlich konnten die öffentlichen Tweets ja auch so schon zwischen den vielen Suchergebnissen, die zu bestimmten Schlagwörtern aufgelistet wurden, gefunden werden, entfaltet bei genauerem Hinsehen erst die volle Kraft. Die Kommunikation via Twitter und Social Networks (für die Google aufgrund der Passwortmauer bisweilen blind ist), hat in den letzten Monaten Fahrt aufgenommen. In einer Zeit der Linkökonomie (siehe auch Charles Leadbeater: "You are what you share") ist das Verbreiten, Empfehlen und Bewerten von Inhalten jeglicher Art (Nachrichten, Kommentare, aber auch Produkte und/oder Shops) elementar geworden. Google wird nicht müde, seinen Anspruch, alle Inhalte im Web strukturiert und schnell auffindbar machen zu wollen, zu betonen. Dienste wie Friendfeed, Twitter, Socialmedian, Digg oder Yigg, die Informationen in zum Teil geschützten Kreisen kursieren lassen und den Beteiligten Orientierung hinsichtlich des Gehaltes und der Relevanz der Info-Häppchen zuteil werden lassen, haben Google bisher mehr oder minder abgeschnitten. Es hat sich eine Art "Kommunikationselite" in diesen Nachrichtennetzwerken gebildet, die im Zweifel auf Google nicht mehr angewiesen war. Mit dem nun annoncierten Deal hat Google (und auch Bing) dieses Problem gelöst - zum vermeintlichen Ärger von Facebook, die sich mit der Akquisition von Friendfeed hier den größten Vorteil verschafft hatten.
Social Search - Google's semantische Suche
Ausgiebig wurde in den letzten Jahren über die Entwicklung semantischer Suchlösungen philosophiert. Ask.com, Hakia oder auch die vom gleichnamigen Erfinder in diesem Jahr gestartete Suchmaschine Wolfram Alpha haben sich zum Ziel gesetzt, Fragen zu beantworten und nicht Suchbegriffe in Webfundstellen umzuwandeln. Es ist ja nicht so, dass es zu google keine Alternative geben würde. Es gibt sie, nur heißen sie nicht mehr Fireball oder Altavista (beide gibt es übrigens noch) und leider kennt sie auch kaum jemand. Daher sollten sie wenigstens hier einmal erwähnt werden. Dazu zählen Lösungen wie die Metasuche clusty.com oder das von Ex-Google-Leuten gegründete cuil.com (gesprochen: cool). Der menschliche Faktor soll vor allem bei chacha.com oder mahalo.com eine Rolle spielen. Letztlich geht es allen um das Gleiche: Relevante Suchanfragen möglichst schnell und lückenlos zu beantworten.
Social Search beseitigt Googles blinde Flecken - wenn der User mitspielt
Zwar ist in diesem Kontext die Diskussion um die Suche nach semantischen Aspekten etwas abgeebbt, dürfte aber durch das von Marissa Mayer bei der gleichen Gelegenheit vorgestellte neue Produkt "Social Search" (siehe Videoclip) eine Renaissance erfahren. Der Begriff Semantik, also "Sinn", impliziert, dass bei der Eingabe von Suchbegriffen der Kontext, also was sich der Nutzer dabei gedacht hat, erfasst wird. Aus unterschiedlichen Gründen halte ich es für schlicht nicht möglich, den neuronalen und emotionalen Kontext bei der Websuche zu berücksichtigen. Daher scheint mir das Vorgehen Googles an dieser Stelle - mal wieder - die einzig vernünftige Variante. Die Suchmaschine wird - das ist nach Betrachtung des Prototyps, der ja dann noch um die Echtzeitsuche erweitert wird, recht offensichtlich - in zunehmendem Maße zu einem Cockpit, bei der der Suchende selbst bestimmt, wohin seine Suche zielt. Videos, Bilder, News, Websuche - diese Unterscheidung existiert ja bereits, hinzu kommen Suchen in Blogs, Google-Groups, Büchern oder Produkte wie Google Maps und Google Insights, die unterschiedliche Erkenntnisbedürfnisse befriedigen. Da ist es nur logisch, das vorhandene Dashboard um die Suche in den eigenen Netzwerken und in Echtzeit (und das möglicherweise noch in Kombination) zu ergänzen. Denn genau das ist es, was Google noch zur "allwissenden Müllhalde"* fehlt.
Keine soziale Suche ohne Google-Account
Die Treffer, die sich aus der Suche in den sozialen Netzwerken der eigenen, persönlichen Web-Hemisphäre ergben, sind mitunter die relevantesten. So dürfte bei der Suche nach Restaurants, Reparaturwerkstätten oder sonstigen Dienstleistungen oder auch Produkten, nicht allein entscheidend sein, wo etwas zu finden ist, sondern auch, was mein persönliches Umfeld empfehlenswert findet oder sonstwie darüber denkt.
Aber: Google wäre nicht Google, wenn es hier nicht einen Haken geben würde. Um die soziale Suche tatsächlich nutzen zu können, ist nicht nur der Google-Account nötig. Nutzer sind darüber hinaus angehalten, ihre Netzwerkprofile bei Google zu hinterlegen. Logisch, dass das nicht anders funktionieren kann. Logisch aber auch, dass die Bedenken der Datenschützer angesichts dieser zusätzlichen Fülle an persönlichen Daten, die zur Verfügung gestellt werden, nicht geringer werden. Ich empfehle in diesem Zusammenhang übergangsweise einfach mal yiid.com. Nicht nur, weil ich deutschen Anbietern per se größeres Vertrauen entgegenbringe, sondern weil ich immer noch hoffe, dass dieses Produkt sich irgendwann mit entsprechenden Zusatzfunktionen zu einer - wie auch immer gearteten Alternative - entwickeln könnte. Wie auch immer: Es bleibt spannend!
*Die entsprechende Domain führt übrigens interessanterweise zur Suchmaschine, was mir bei einem vorübergehenden Ausfall von google.com schon einmal die weitere Bearbeitung von Suchanfragen via Google ermöglicht hat.
Update: Inzwischen gibt es Gerücte, dass auch Yahoo! die eigene Suche um eine Echtzeit-Komponente erweitern möchte. Im Gegensatz zu Google und Microsoft setzt man dabei aber nach Einschätzung von Techcrunch auf eine Real Time Search Engine (OneRiot?) - laut offiziellem Statement befindet man sich jedoch derzeit noch in einer Testphase, um nach Abschluss der internen Abwägungen die Echtzeitsuche einzuführen. Echtzeit-Überlegungen wären auch nicht schlecht....
(Christoph Salzig)
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