10. März 2010
Bilanz und Ausblick
Springers Weg aus der Krise führt durchs Web
Dr. Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer
Axel Springer will der deutschen Verlagswelt vormachen, wie in einer veränderten Medienlandschaft weiter Geld zu verdienen ist. Auch wenn Umsatz und Gewinn des Konzerns im Jahr 2009 „erwartungsgemäß“ zurückgegangen sind, wähnt sich das Unternehmen mit seiner Strategie auf dem richtigen Weg. Mit steigenden Gewinnen aus redaktionellen und Anzeigen-Portalen sowie leistungsbasierte Web-Werbung soll die Krise gemeistert werden. Langfristig sollen auch Bezahlinhalte zum Ergebnis beitragen.
Im Geschäftsjahr 2009 sanken Springers Umsätze um 4,3 Prozent auf 2,61 Milliarden Euro, das EBITDA sogar um ein knappes Drittel auf 333,7 Millionen Euro. Der Konzern habe die Zurückhaltung der Konsumenten und den massiven Rückgang in der Werbekonjunktur zu spüren bekommen. „Fest steht, dass 2009 die Netto-Werbeerlöse weltweit um 10 bis 12 Prozent einbrachen“, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Matthias Döpfner bei der Vorstellung der Zahlen in Berlin. Mit einem Rückgang der Werbeerlöse um 8,8 Prozent von 1,25 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf 1,14 Milliarden Euro im Jahr 2009 läge Springer somit noch über dem Marktdurchschnitt. Besonders das Flaggschiff „Bild“ hat dem Trend getrotzt: Während der deutsche Brutto-Printwerbemarkt um 6,3 Prozent zurückgegangen sei, habe der Anzeigenumsatz des Boulevardblattes um 6,5 Prozent zugelegt.
Döpfner zog deswegen ein positives Fazit aus dem vergangenen Geschäftsjahr: „Jeder achte Euro vom Umsatz war Gewinn, jeden fünften Euro haben wir im Internet umgesetzt, wir schlagen eine Rekorddividende vor, die Eigenkapitalquote wurde auf über 40 Prozent erhöht und die Verschuldung de facto auf Null abgebaut. Kennen Sie ein vergleichbares Medienunternehmen, das so erfolgreich durch die Krise gesteuert ist?“
Für die Zukunft setzt der Konzern weiter große Hoffnungen in das Digitalgeschäft. Laut Finanzvorstand Lothar Lanz erzielt Springer mittlerweile 30 Prozent seiner gesamten Werbeerlöse im digitalen Bereich. Im Jahr 2008 waren es 22 Prozent. Der Anteil der Pro-forma Erlöse im digitalen Geschäft stieg auf 21 Prozent des Gesamtumsatzes. „Neun unserer zehn größten Online-Assets sind profitabel. Die drei höchsten Margen des Konzerns werden online erzielt“, sagte Matthias Döpfner. Die Online-Rubrikenmärkte wie Immonet und Idealo sowie Vermarkter wie Zanox hätten ihren Umsatz besonders stark gesteigert, so das Unternehmen.
„Bei Gründung oder Akquisitionen in der digitalen Welt konzentrieren wir uns auf drei Arten von Geschäften: Marktführende Inhalte-Portale, Rubriken-Portale und Performance-basierte Vermarktung“, erklärte Döpfner die Internet-Strategie des Unternehmens. Als Beispiele führte der Vorstand den Reichweitenausbau von Bild.de, die Übernahme des Job-Portals Stepstone und die Expansion des Affiliate-Marketing-Unternehmens Zanox an. Letzteres sei im vergangenen Jahr mit seinem Umsatz von 325 Millionen Euro am bisherigen Marktführer Tradedoubler (Umsatz im Jahr 2009: 284 Millionen Euro) vorbei gezogen.
Die Versuche, Paid Content in der digitalen Welt zu etablieren, sind laut Döpfner bisher erfolgreich. „Unsere Einschätzung hat sich bisher bestätigt: Bei hochattraktiven Inhalten und einer einfachen Abrechnung sind unsere Leser bereit, für digitale journalistische Angebote zu zahlen.“ Trotzdem sind die Einkünfte aus diesem Bereich in der Etat-Planung für 2010 noch nicht berücksichtigt: Springer will „keine zu hohen Erwartungen wecken, denn es handelt sich eher um langfristige Chancen“. Vom Konzept der Bezahlinhalte unabhängig vom Vertriebskanal gab sich Döpfner aber überzeugt. „Es wird eine Schicksalsfrage für unsere Branche sein, ob es gelingt, ein Geschäftsmodell für Qualitätsjournalismus in der digitalen Welt zu etablieren.“
„2010 wird sicher kein einfaches Jahr“, glaubt Finanzchef Lanz. „Wir rechnen mit stabilen oder leicht steigenden Umsätzen, vor allem aufgrund des Wachstums im digitalen Bereich.“ Der Konzern hat sich deswegen eine moderate Steigerung des Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) um rund 10 Prozent als Ziel gesetzt, das „überwiegend durch operative Verbesserungen und fortgesetzte Kostendisziplin in allen Konzernbereichen“ erreicht werden soll, so Lanz. (re)
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