21. Mai 2010
Neue Technologieplattform
Google will Fernsehen und Internet verschmelzen
Sony will in den USA schon in diesem Herbst Fernseher mit vorinstalliertem Google TV ausliefern
Google will auf den Fernsehbildschirm und damit in die Wohnzimmer seiner Nutzer: Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O hat der Web-Primus für den Herbst eine offene Technologieplattform angekündigt, die Internet und Fernsehen miteinander verschmelzen soll. Die Software wird auf einer Set-Top-Box installiert und soll Bewegtbildinhalte in Fernsehen und Internet leichter auffindbar machen. Um das Angebot in der Breite durchsetzen zu können, hat Google ein mächtiges Netzwerk an Partnern um sich versammelt – darunter ein Erzrivale von Konkurrent Apple.
Mit Google TV sollen Verbraucher künftig über den Fernsehbildschirm eine erweiterte Palette an Inhalten aus einer Vielzahl von Quellen betrachten und durchsuchen können: Fernsehsender, das Internet, persönliche Content-Bibliotheken und mobile Anwendungen. Außerdem werde es möglich sein, sich über eine Bild-in-Bild-Option mehrere Fenster gleichzeitig anzeigen zu lassen. Über den Startbildschirm sollen die Nutzer schnell ihre Lieblingsinhalte sortieren und ihr Fernseherlebnis individuell anpassen, so Google in einer Pressemitteilung.
Die Software des TV-Dienstes basiert auf Googles Betriebssystem Android, das zuerst auf Mobiltelefonen eingesetzt wurde, und verwendet den unternehmenseigenen Browser Chrome für den Internetzugriff. In diesen soll auch der neueste Flash-Player von Adobe integriert sein, eine Software zur Wiedergabe von animierten und Bewegtbildinhalten. Google greift somit mit der neuen Plattform auf doppelte Weise den Konkurrenten Apple an. Zum einen hat der Konzern mit Apple TV eine eigene Set-Top-Box entwickelt. Zum anderen versucht Chef Steve Jobs gerade Adobe und seine Flash-Technologie ins Abseits zu bugsieren: Auf dem neuen Tablet-PC iPad Flash ist sie nicht mehr enthalten. Jobs hat diese Entscheidung in einem offenen Brief unter anderem damit begründet, dass die Technologie fehlerhaft und zudem ein Batteriefresser sei. Adobe reagierte mit dem Vorwurf, dass Apple die Freiheit seiner Kunden einschränke. Medienberichten zufolge präsentierte Adobe zudem auf der Web-2.0-Expo Anfang Mai in San Francisco einen eigenen Tablet-Rechner, auf dem Googles Android zum Einsatz kommt.
Google TV nutzt auf der Hardware-Seite einen Chip von Intel, der speziell für Unterhaltungselektronik entwickelt worden sei. Der Hersteller Sony will im Herbst 2010 die erste Fernseher-Reihe mit vorinstalliertem Google TV in den Markt einführen. Mit der Produktlinie „Sony Internet TV“ sollen ein Fernsehermodell als auch eine Set-Top-Box angeboten werden. Das Unternehmen Logitech will demgegenüber bei den Verbrauchern schon vorhandene HDTV-Systeme mit Google TV nachrüsten. Ein für diesen Zweck geplantes Zusatzgerät werde eine Tastatur mit Fernbedienungsfunktionen kombinieren. Außerdem überlegt Logitech, eine HDTV-Kamera zum Video-Chatten für Google TV einzuführen.
Darüber hinaus setzt Google für seinen TV-Dienst die Zusammenarbeit mit dem Satelliten-TV-Betreiber Dish Network fort. Begonnen hatte diese mit einem gemeinsamen Pilotprojekt mit mehr als 400 Betatestern von DISH Network und Google TV vor über einem Jahr. Dish bietet in den USA und Mexiko Satellitenfernsehen und interaktive TV-Dienste an und zählt nach eigenen Angaben 14,1 Millionen Kunden.
Auf Vertriebsseite kooperiert Google mit Best Buy, einer der größten Elektrohandelsketten der USA. Google-TV-Geräte sollen über Best Buy USA-weit noch in diesem Jahr angeboten werden. Wann Google TV in Deutschland erstmals verfügbar sein wird, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, erklärte ein Google-Sprecher auf Anfrage von ONEtoONE. (re)
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