23. April 2010
Briefdienstleistungen
Aufbruchstimmung im Postmarkt
6. Teil: Zukunftsforscher: Der Brief wird enorm an Wert gewinnen
Wir stehen am Beginn einer großen Vernetzung“, sagt der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky. „Am Ende dieses Jahrzehnts wird ein Großteil der Alltagsgegenstände, mit denen wir uns umgeben, miteinander vernetzt sein.“ Hervorgerufen werde diese
Entwicklung durch Chiphersteller, die in jeden Chip so etwas wie eine Antenne einbauen, so dass alles miteinander verbunden ist.
Jánszky hat das Privileg, sich hauptberuflich mit den ungewöhnlichsten Zukunftsszenarien beschäftigen zu können. Im Gespräch mit ONEtoONE denkt er über die Zukunft des klassischen Briefs nach. Und die hängt – wie alles – vom Internet ab.
„In zehn Jahren sind wir alle permanent online“, meint Jánszky. Das führe zu einem Overflow an Informationen. Dabei werden wir uns, so die Argumentation, auch an neue Filterfunktionen gewöhnen und von den heutigen Meinungsführern wie Zeitungen, Experten, Lehrern, Reiseführern etc. verabschieden. Die Technik übernimmt diese Filterfunktion. Die Menschen werden sich diese Informationen gezielt selbst zusammenstellen. „Klar, auf den ersten Blick birgt dies die Gefahr, dass uns überraschende Informationen entgehen, nur weil wir nicht gezielt nach ihnen gesucht haben“, sagt Jánszky. „Aber die Technik wird einen Algorithmus erfinden, der diese Überraschungen impliziert.“ Diese Technik lernt dazu; unser Profil verändert sich ständig. Der Medienkonsum werde selbstbestimmter.
Dabei hinterlassen die User permanent Datenspuren. Nach Meinung Jánszkys wird es wichtig werden, den Menschen erstmals in der Geschichte eine wirkliche Selbstbestimmung über ihre Daten zu geben. Der Zukunftsforscher: „Wir wollen künftig unsere Daten nicht nur geheim halten, sondern die Menschen müssen die Möglichkeit erhalten, ihre Daten freizugeben und trotzdem souverän über sie zu bestimmen.“ Sie müssten sehen können, was über sie gespeichert werde; und sie müssten diese Daten auch wieder löschen können. All dies müsse auf Unternehmensseite unbedingt begriffen werden. Es muss laut Jánszky zum Grundsatz für ein künftiges Geschäftsmodell werden.
Wenn zum Beispiel die Deutsche Post bei ihrem Online-Brief mit dem Thema Sicherheit werbe, liege sie gar nicht so falsch, meint der Zukunftsforscher. Ansonsten sei der Online-Brief in erster Linie für Unternehmen inte-ressant, die bei ihrer Briefkommunikation Geld sparen wollten.
Auf jeden Fall gilt: Die Kommunikation wird elektronisch und mobil, das Papier wird zur Ausnahme. Schon heute werde der physische Brief hauptsächlich von der Geschäftspost aufrechterhalten. „Und ich bin mir sicher, dass es auch in zehn Jahren noch richtige Briefe geben wird“, sagt Jánszky. Aber die private Briefkommunikation werde wohl aussterben. „Vielleicht werden noch Einladungen zur Hochzeit per Brief verschickt, mehr nicht. Dadurch wird der Brief aber auch wertvoller. Der Wert des Papiers wird gegenüber anderen Kommunikationsformen enorm steigen.“
- 1. Teil: Aufbruchstimmung im Postmarkt
- 2. Teil: TNT Post: Ein Schritt zu mehr Kundenorientierung
- 3. Teil: Bauer Postal Network: Logistik und Verlags-Fullservice
- 4. Teil: Mail Alliance: Ein Verbund von Netzwerken
- 5. Teil: PNP Direktwerbung: Angriffslustiger Wachstumskurs
- 6. Teil: Zukunftsforscher: Der Brief wird enorm an Wert gewinnen
