23. Februar 2010
Digitale Erlösmodelle
Abo oder Werbung – wohin geht es mit dem iPad?
Es ist kein Geheimnis, dass Verlagshäuser weltweit starke Einbußen bei den Anzeigenumsätzen und den Zahlen der Abonnenten verzeichnen. Von Apples iPad erhoffen sie sich jetzt endlich eine echte digitale Erlösquelle für neue Abo-Modelle. Doch es sind auch Zweifel angebracht.
So wurden die einstigen Erwartungen, im stationären Web über Bezahlinhalte Erlöse zu erzielen, bislang enttäuscht. „Wenn nicht alle Verlage und Medienhäuser auf Paid-Content umstellen, wird ein solches Modell im stationären Web nicht funktionieren“, ist Yoc-CEO Dirk Kraus sicher. Die Yoc-Tochter Sevenval Technologie hatte 48 Stunden nach der iPad-Präsentation verkündet, bestehende Online-Inhalte optimiert auf das iPad ausliefern zu können. Neue kreative Konzepte seien in Planung.
Auch die Hoffnungen auf mobile Bezahlinhalte müssen relativiert werden. Zwar erzielt zum Beispiel Axel Springer mit dem kostenpflichtigen Bild-Mobil-Angebot relativ gute Zahlen, doch eine Refinanzierung hat man auch hier noch nicht erreicht, so Donata Hopfen, Geschäftsführerin Bild Digital. In einer Gartner-Studie zu Paid-Content auf dem Handy wird hochgerechnet, dass 2010 weltweit über alle Stores hinweg rund 4,5 Milliarden Apps heruntergeladen werden. Davon werden im Schnitt 20 Prozent, also 900 Millionen Downloads, kostenpflichtig sein.
In Deutschland werden 2010, großzügig gerechnet, 40 Millionen Paid-Downloads verkauft, so Kraus, der seine Berechnungen auf der Gartner-Studie aufbaut. „An diesen Downloads haben Informationsdienste aber nur einen Anteil von 20 Prozent, sprich rund 8 Millionen Paid-Downloads.“ Optimistisch kalkuliert, würde abzüglich Steuern und beispielweise des 30-prozentigen Apple-Anteils ein Umsatz von 10 Millionen bis 15 Millionen Euro für alle Verlagshäuser verbleiben. „Paid-Content kann eine zusätzliche Erlösquelle sein, es wird aber eine Koexistenz mit den rentableren werbefinanzierten Angeboten geben“, betont Kraus.
Verlage basteln an iPad-Lösungen
Vom iPad erwartet man jetzt neuen Schwung in der Branche. Hört man sich in der Medienwelt um, gibt es kaum einen Verlag, der nicht an einem iPad-Format bastelt. Allerdings wollen sich die meisten Medienhäuser nicht allein auf Apple stützen. Gruner + Jahr entwickle ein Endgeräte-unabhängiges System, heißt es in Medienberichten. Ein Grund dafür könnte der starke Einfluss Apples auf die Inhalte seines App-Stores sein, an den auch das iPad angeschlossen ist. So kritisieren Springer und Burda die Zensur von Erotik-Inhalten und Spenden-Apps, besonders aber das Fehlen von Abo-Modellen. Jeder Kauf muss bisher neu bestätigt werden. Zusätzlich übt Apple starken Einfluss auf die Preisgestaltung von Paid-Apps aus. Neben der allgemeinen Abgabe für Inhalte verhandelt der Konzern beispielsweise auch mit TV-Sendern über Videodownload-Preise.
Dass das iPad die Umsätze von Paid-Content der Medien erhöhen wird, glaubt auch Kraus. „Die Größe und Funktionalität des Gerätes sprechen dafür, dass Informationsinhalte prädominant angeboten werden.“ So werde das Gerät eine Interaktivität erzeugen, die so bisher nicht möglich und bekannt war. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, seien jedoch viel Mut und der Wille zu experimentieren erforderlich. Gerade für kleine Verlage bieten Tablet-PCs aber auch massive Chancen, meint Kraus. Sie können ihr Know-how für spezielle Zielgruppen über ganz neue Wege verbreiten. (kb)
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